Erst kam Corona und dann das Termingedränge. Wenn es nach der Stadtverwaltung geht, wird das nächste  Stadtfest erst 2022  gefeiert. Das eigentlich für dieses Jahr Ende Juni geplante Stadtfest hatte die Stadt wegen der Pandemie abgesagt und wollte es ursprünglich im kommenden Jahr nachfeiern. Nun stellt sich heraus, dass 2021 sehr viele Feste nachgeholt werden und sich deshalb im nächsten Sommer ein Fest ans andere reihen wird. Deshalb der Vorschlag: Wir festen 2022, dann wird Schramberg „50 Jahre Große Kreisstadt“ feiern können.

Unter der etwas geschraubten Überschrift „Kontinuierliche und identitätsstiftende Festkultur – Neuterminierung Stadtfest“ wird sich der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats am 9. Juli mit dem Thema befassen. In der Vorlage erinnert die Verwaltung an den ursprünglichen Beschluss vom April 2019, alle vier Jahre ein Stadtfest in der Talstadt zu organisieren, „um die Identifikation sowohl der Vereine als auch der Bürgerinnen und Bürger mit der Großen Kreisstadt Schramberg zu fördern“.

Absage wegen Corona-Pandemie

Bereits am 23. März hatte Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr mitgeteilt, sie habe in Absprache mit den Fraktionssprechern entschieden, dass man das Stadtfest dieses Jahr wegen der Pandemie nicht veranstalten werde. Genauso entschieden sich viele andere Kommunen und Vereine bei ihren Veranstaltungen, und die meisten davon werden 2021 nachgeholt.

Außerdem werden etliche Großveranstaltungen in der Region stattfinden. „Das Stadtfest 2020 wäre beispielsweise zur gleichen Zeit wie das Southside-Festival im Landkreis Tuttlingen gewesen“, schreibt die Verwaltung in ihrer Vorlage für den Ausschuss. Aufgrund des Festivals hätten viele Vereine Probleme, genügend Helfer zu finden und hätten deshalb die Teilnahme am Stadtfest  abgesagt.

Vereine haben Sorgen wegen des Finanzamts

Weiter drohen Probleme mit dem Finanzamt für die Vereine, wenn sie zu viele  Einnahmen in  einem Jahr haben. Gemeinnützige Vereine dürfen bei ihren Einnahmen eines Jahres nicht über 35.000 Euro kommen, sonst müssen sie ihre gesamten Einnahmen versteuern. Im kommenden Sommer sind schon jetzt sehr viele Feste geplant, etwa das  Jubiläumskonzert 100 Jahre Mandolinenorchester Schramberg, das  Sommerfest des MV Frohsinn, das 150-Jährige Jubiläum MV Sulgen und 100 Jahre Kraftsportverein Winzeln.

Viel Konkurrenz

Hinzu kommen Mini Schramberg, ein Oldtimer Event,  die „24 Stunden-Wanderung“, der Zwetschgenmarkt Heiligenbronn, Schramberg rockt. Überregional sind geplant  das Southside-Festival, die Schwenninger Kulturnacht, der Honbergsommer Tuttlingen, das  Dorffest Hardt, das  Stadtfest in Hornberg und der Rottweiler Ferienzauber. Schließlich werden 2021 die Fußball-Europameisterschaft und die  Olympischen Spiele nachgeholt.

„Die Vielzahl an Veranstaltungen führt dazu, dass die Terminierung für das Stadtfest schwierig ist, und die Vereine, wie der Musikverein Sulgen, aufgrund der Versteuerung der Einnahmen nicht am Stadtfest teilnehmen würden“, heißt es dazu in der Vorlage.

Auch könne derzeit keine Aussage getroffen werden, ob mit einer zweiten Welle der Corona-Pandemie zu rechnen sei. Es stehe also noch nicht fest, ob in 2021 überhaupt schon wieder Stadtfeste durchgeführt werden dürfen.

2022 wäre alles entspannter

Als Alternative schlägt die Verwaltung vor, bis  2022 zu warten, denn dann feiere Schramberg sein 50-jähriges Jubiläum als Große Kreisstadt. Im übernächsten Jahr seien bislang nur wenige Feieranlässe und Termine bekannt, nämlich 100 Jahre Zusammenschluss evangelisch und katholisch Tennenbronn, das Dorffest Seedorf  und die Fußball- Weltmeisterschaft. Die meisten Vereine könnten rechtzeitig planen, um keine Probleme mit der Versteuerung der Einnahmen bekommen.

Wegen all dieser Überlegungen schlage die Stadtverwaltung vor, das Stadtfest am 25. und 26. Juni 2022 im Rahmen der Feier „50 Jahre Große Kreisstadt Schramberg“ nachzuholen.

Um Vereine, Handel und Gewerbe zu unterstützen, überlege die Verwaltung  im Rahmen von „Mini Schramberg“ eine Abschlussveranstaltung mit langer Einkaufsnacht und Verkaufsständen von Vereinen zu organisieren. Gemeinsam mit dem JUKS³ und dem HGV Schramberg werde dazu gerade ein Konzept entwickelt.