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”Je grö­ßer der Ver­bund, des­to preis­wer­ter – je klei­ner der Ver­bund, des­to teu­rer.” Zu die­sem Ergeb­nis kommt der Ver­kehrs­club Deutsch­land (VCD) in einer Stu­die. Unter­sucht wur­den die Tages­kar­ten­preis der Ver­bün­de in Baden-Würt­tem­berg. Der Rott­wei­ler ist als der teu­ers­te iden­ti­fi­ziert wor­den.

Nach wie vor bestehen bei den Ver­bün­den gro­ße Abwei­chun­gen hin­sicht­lich der zeit­li­chen Gül­tig­keit von Tages­kar­ten und der Defi­ni­ti­on von Grup­pen­grö­ßen. Dies ver­kom­pli­ziert die Nut­zung des ÖVs gera­de für Gele­gen­heits­fahr­gäs­te unnö­tig“, stellt VCD-Lan­des­vor­sit­zen­der Mat­thi­as Lieb fest. Laut einer Stu­die sei­nes Ver­kehrs­clubs gibt es 24-Stun­den-Kar­ten, Tages­kar­ten oder erst ab 8 Uhr, 8.30 bzw. 9 Uhr gül­ti­ge Grup­pen­kar­ten. Tages­kar­ten für Klein­grup­pen wer­den ent­we­der für Fami­li­en (zwei Erwach­se­ne und Kin­der bis 14 Jah­ren) oder für fünf Per­so­nen ange­bo­ten, teil­wei­se wer­den die Fahr­prei­se pro Per­son dif­fe­ren­ziert (Basis­preis für eine Per­son zuzüg­lich Fest­be­trag für bis zu vier Per­so­nen).

Aus Sicht des VCD wäre hier eine Har­mo­ni­sie­rung der Bestim­mun­gen drin­gend not­wen­dig: „Für den Fahr­gast bie­ten 24-Stun­den-Kar­ten den höchs­ten Nut­zen, da einem fes­ten Preis eine fes­te Nut­zungs­zeit gegen­über­steht, bei der Tages­kar­te sinkt hin­ge­gen der Nut­zen bei einem Kauf am Abend gegen­über einem Kauf am Mor­gen“, sagt VCD-Chef Lieb. Tat­säch­lich sei­en in den ver­gan­ge­nen Jah­ren 24-Stun­den-Kar­ten aber zumeist durch Tages­kar­ten ersetzt wor­den.

„Wäh­rend die gro­ßen Ver­kehrs­ver­bün­de Rhein-Neckar VRN, Karls­ru­he KVV und Stutt­gart VVS und der ver­bund­über­schrei­ten­de BW-Tarif mit ihren jewei­li­gen Tages­kar­ten bezie­hungs­wei­se dem BW-Ticket, dem Metro­pol­ti­cket oder der Regi­oX-Kar­te zumeist preis­lich attrak­ti­ve Fahr­kar­ten­an­ge­bo­te im Sor­ti­ment haben, fal­len hier die klei­nen Ver­kehrs­ver­bün­de durch ver­gleichs­wei­se unat­trak­ti­ve Tages­kar­ten­prei­se unan­ge­nehm auf“, erläu­tert Lieb die Ergeb­nis­se der VCD-Aus­wer­tung.

Das Baden-Würt­tem­berg-Ticket habe sowohl für eine Per­son als auch für fünf Per­so­nen das güns­tigs­te Preis-Leis­tungs­ver­hält­nis aller Tages­kar­ten. Bei den Kar­ten für eine Per­son kom­men die Tages­kar­ten des Ver­bun­des Rhein-Neckar VRN und das Metro­pol-Tages­ti­cket für die Regi­on Stutt­gart an nächs­ter Stel­le, anschlie­ßend die Tages­kar­te für die Orten­au. Bei den Kar­ten für 5 Per­so­nen lie­gen die Tages­kar­ten der Ver­bün­de Rhein-Neckar VRN und Ulm (DING) an Platz 2 und 3, gefolgt von der VVS-Tages­kar­te.

Am anderen Ende der Skala stehen lauter kleine Verbünde

Die Schluss­lich­ter: Laut der Stu­die kos­tet im Rott­wei­ler Ver­kehrs­ver­bund VVR eine Tages­kar­te für fünf Per­so­nen mit 28,80 Euro deut­lich mehr als eine Tages­kar­te für eben­so vie­le Leu­te im VVS in Stutt­gart (für 19,50 zu haben), der zudem noch einen fast fünf­fach grö­ße­ren Gel­tungs­be­reich habe (VVR 769 km², VVS 3654 km²). Ohne­hin sei­en bei klei­nen Ver­bün­den die Prei­se der Tages­kar­ten rela­tiv höher als bei gro­ßen Ver­bün­den. So kos­te die Tages­kar­te im zwi­schen Karls­ru­he und Stutt­gart lie­gen­den klei­nen Pforz­hei­mer Ver­bund (VPE) für fünf Per­so­nen 18,80 Euro (672 km²), wäh­rend in den benach­bar­ten Ver­bün­den KVV und VVS rund 3500 km² zwi­schen 19,50 und 20,30 Euro kos­te­ten.

Auf­fäl­lig sei­en die ver­gleichs­wei­se hohen Tages­kar­ten­prei­se im Frei­bur­ger Ver­kehrs­ver­bund. Mit 26,80 Euro lie­ge der Preis einer Tages­kar­te für das Gesamt­netz für fünf Per­so­nen rund 30 Pro­zent über dem Preis von Tages­kar­ten ver­gleich­ba­rer Ver­bün­de.

In man­chen Ver­bün­den, wie etwa in Calw, Freu­den­stadt oder Kon­stanz, wer­de nur eine Fami­li­en­kar­te, aber kei­ne Grup­pen­kar­te ange­bo­ten. Fahr­ten von mehr als zwei Erwach­se­nen wür­den dann unver­hält­nis­mä­ßig teu­er.  

Wäh­rend für grö­ße­re Ver­kehrs­ver­bün­de auch rund um ihren Ver­bund gemein­sa­me Tages­kar­ten mit den Nach­bar­ver­bün­den im Rah­men des BW-Tarifs ange­bo­ten wer­den (Metro­pol-Tages­ti­cket rund um Stutt­gart, Regi­oX-Kar­te rund um Karls­ru­he), feh­len aus VCD-Sicht sol­che ver­bund­über­schrei­ten­den Ange­bo­te in den ande­ren Lan­des­tei­len.

Das Fazit des VCD

Tages­kar­ten sind idea­le Fahr­kar­ten für ÖV-Wenig­nut­zer und Klein­grup­pen, um ohne tie­fe­re Tarif­kennt­nis unbe­schwert Bus und Bahn nut­zen zu kön­nen. Vie­le gro­ße Ver­bün­de bie­ten hier preis­güns­ti­ge Kar­ten an. Klei­ne Ver­bün­de sehen oft­mals nicht das Poten­ti­al von Tages­kar­ten zur Anspra­che neu­er Fahr­gäs­te und bie­ten des­halb nur ver­gleichs­wei­se teu­re Tages­kar­ten an. 

Die Unter­schie­de bei der Defi­ni­ti­on der zeit­li­chen Gel­tung von Tages­kar­ten und der Defi­ni­ti­on von Grup­pen erschwe­ren aller­dings wei­ter­hin die Nut­zung.