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Freitag, 21. Februar 2020

Vergleichsweise teure Tageskarten: Verkehrsverbund Rottweil kommt bei Studie nicht gut weg

„Je größer der Verbund, desto preiswerter – je kleiner der Verbund, desto teurer.“ Zu diesem Ergebnis kommt der Verkehrsclub Deutschland (VCD) in einer Studie. Untersucht wurden die Tageskartenpreis der Verbünde in Baden-Württemberg. Der Rottweiler ist als der teuerste identifiziert worden.

Nach wie vor bestehen bei den Verbünden große Abweichungen hinsichtlich der zeitlichen Gültigkeit von Tageskarten und der Definition von Gruppengrößen. Dies verkompliziert die Nutzung des ÖVs gerade für Gelegenheitsfahrgäste unnötig“, stellt VCD-Landesvorsitzender Matthias Lieb fest. Laut einer Studie seines Verkehrsclubs gibt es 24-Stunden-Karten, Tageskarten oder erst ab 8 Uhr, 8.30 bzw. 9 Uhr gültige Gruppenkarten. Tageskarten für Kleingruppen werden entweder für Familien (zwei Erwachsene und Kinder bis 14 Jahren) oder für fünf Personen angeboten, teilweise werden die Fahrpreise pro Person differenziert (Basispreis für eine Person zuzüglich Festbetrag für bis zu vier Personen).

Aus Sicht des VCD wäre hier eine Harmonisierung der Bestimmungen dringend notwendig: „Für den Fahrgast bieten 24-Stunden-Karten den höchsten Nutzen, da einem festen Preis eine feste Nutzungszeit gegenübersteht, bei der Tageskarte sinkt hingegen der Nutzen bei einem Kauf am Abend gegenüber einem Kauf am Morgen“, sagt VCD-Chef Lieb. Tatsächlich seien in den vergangenen Jahren 24-Stunden-Karten aber zumeist durch Tageskarten ersetzt worden.

„Während die großen Verkehrsverbünde Rhein-Neckar VRN, Karlsruhe KVV und Stuttgart VVS und der verbundüberschreitende BW-Tarif mit ihren jeweiligen Tageskarten beziehungsweise dem BW-Ticket, dem Metropolticket oder der RegioX-Karte zumeist preislich attraktive Fahrkartenangebote im Sortiment haben, fallen hier die kleinen Verkehrsverbünde durch vergleichsweise unattraktive Tageskartenpreise unangenehm auf“, erläutert Lieb die Ergebnisse der VCD-Auswertung.

Das Baden-Württemberg-Ticket habe sowohl für eine Person als auch für fünf Personen das günstigste Preis-Leistungsverhältnis aller Tageskarten. Bei den Karten für eine Person kommen die Tageskarten des Verbundes Rhein-Neckar VRN und das Metropol-Tagesticket für die Region Stuttgart an nächster Stelle, anschließend die Tageskarte für die Ortenau. Bei den Karten für 5 Personen liegen die Tageskarten der Verbünde Rhein-Neckar VRN und Ulm (DING) an Platz 2 und 3, gefolgt von der VVS-Tageskarte.

Am anderen Ende der Skala stehen lauter kleine Verbünde

Die Schlusslichter: Laut der Studie kostet im Rottweiler Verkehrsverbund VVR eine Tageskarte für fünf Personen mit 28,80 Euro deutlich mehr als eine Tageskarte für ebenso viele Leute im VVS in Stuttgart (für 19,50 zu haben), der zudem noch einen fast fünffach größeren Geltungsbereich habe (VVR 769 km², VVS 3654 km²). Ohnehin seien bei kleinen Verbünden die Preise der Tageskarten relativ höher als bei großen Verbünden. So koste die Tageskarte im zwischen Karlsruhe und Stuttgart liegenden kleinen Pforzheimer Verbund (VPE) für fünf Personen 18,80 Euro (672 km²), während in den benachbarten Verbünden KVV und VVS rund 3500 km² zwischen 19,50 und 20,30 Euro kosteten.

Auffällig seien die vergleichsweise hohen Tageskartenpreise im Freiburger Verkehrsverbund. Mit 26,80 Euro liege der Preis einer Tageskarte für das Gesamtnetz für fünf Personen rund 30 Prozent über dem Preis von Tageskarten vergleichbarer Verbünde.

In manchen Verbünden, wie etwa in Calw, Freudenstadt oder Konstanz, werde nur eine Familienkarte, aber keine Gruppenkarte angeboten. Fahrten von mehr als zwei Erwachsenen würden dann unverhältnismäßig teuer.  

Während für größere Verkehrsverbünde auch rund um ihren Verbund gemeinsame Tageskarten mit den Nachbarverbünden im Rahmen des BW-Tarifs angeboten werden (Metropol-Tagesticket rund um Stuttgart, RegioX-Karte rund um Karlsruhe), fehlen aus VCD-Sicht solche verbundüberschreitenden Angebote in den anderen Landesteilen.

Das Fazit des VCD

Tageskarten sind ideale Fahrkarten für ÖV-Wenignutzer und Kleingruppen, um ohne tiefere Tarifkenntnis unbeschwert Bus und Bahn nutzen zu können. Viele große Verbünde bieten hier preisgünstige Karten an. Kleine Verbünde sehen oftmals nicht das Potential von Tageskarten zur Ansprache neuer Fahrgäste und bieten deshalb nur vergleichsweise teure Tageskarten an. 

Die Unterschiede bei der Definition der zeitlichen Geltung von Tageskarten und der Definition von Gruppen erschweren allerdings weiterhin die Nutzung.

 

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