Stadtarchiv zeigt „Terrassenbauer“ am „Tag des offenen Denkmals”

Stadtarchiv Schramberg stellt am Sonntag Fotos des Gebäudes und Erinnerungen von Zeitzeugen vor

Im „Terrassenbau“ der Uhrenfabriken Gebrüder Junghans A.G. um 1961: Links der Betriebsleiter Emil Mink und der Abteilungsleiter Erwin Schoch, rechts Marianne Trumm (geborene Ketterer) und zwei derzeit noch unbekannte Kolleginnen. Foto: Stadtarchiv Schramberg

SCHRAMBERG (ck) – Zum „Tag des offe­nen Denk­mals“ am 11. Sep­tem­ber fin­den mitt­ler­wei­le auch in der Gro­ßen Kreis­stadt Schram­berg Aus­stel­lun­gen und Füh­run­gen zu den rund 200 Kul­tur­denk­ma­len statt. In die­sem Jahr wird am Sonn­tag im „Ter­ras­sen­bau“ der Uhren­fa­brik Jung­hans eine Aus­stel­lung mit Fotos des Gebäu­des und Erin­ne­run­gen von Zeit­zeu­gen gezeigt. Dazu schreibt Stadt­ar­chi­var Cars­ten Kohl­mann:

Ein Besuch im berühm­ten „Ter­ras­sen­bau“ ist der Höhe­punkt jeder Füh­rung im Gewer­be­park Jung­hans. Das Gebäu­de des Archi­tek­ten Phil­ipp Jakob Manz (1861–1936) aus dem Ers­ten Welt­krieg gilt als welt­weit ein­zig­ar­ti­ger Indus­trie­bau in Steil­hang­la­ge und ist zum archi­tek­to­ni­schen Sym­bol für den „Mythos Jung­hans“ gewor­den. In der 1987 zum „Kul­tur­denk­mal von beson­de­rer Bedeu­tung“ erklär­ten „Tages­licht­fa­brik“ wird in der nächs­ten Zeit auf Initia­ti­ve von Hans-Jochem Steim ein neu­es Fir­men­mu­se­um ein­ge­rich­tet.

Bereits 1927 wur­de der „Ter­ras­sen­bau“ von Gus­tav Adolf Platz in das Buch „Bau­kunst der neu­es­ten Zeit“ über die bedeu­tends­ten Wer­ke der zeit­ge­nös­si­schen Archi­tek­tur auf­ge­nom­men. 2005 hat die Kunst­his­to­ri­ke­rin Kers­tin Renz den „Ter­ras­sen­bau“ in ihrer Dok­tor­ar­beit über Phil­ipp Jakob Manz als einen Höhe­punkt im Stahl­be­ton­bau des 20. Jahr­hun­derts bezeich­net. 2015 wur­de der „Ter­ras­sen­bau“ des­halb auch in dem Film „Monu­men­te des Fort­schritts – Indus­trie­denk­mä­ler im Süd­wes­ten“ gewür­digt.

Der Terrassenbau - hier gesehen vom City-Hochhaus aus. Archiv-Foto: him
Der Ter­ras­sen­bau – hier gese­hen vom City-Hoch­haus aus. Archiv-Foto: him

Das mar­kan­te Indus­trie­ge­bäu­de gehört des­halb zu den Spit­zen­se­hens­wür­dig­kei­ten der Fünf­tä­ler­stadt Schram­berg von inter­na­tio­na­lem Rang und wird des­halb auch in der aktu­el­len Schwarz­wald­li­te­ra­tur sei­ner Bedeu­tung ent­spre­chend her­vor­ge­ho­ben.

Zu Spit­zen­zei­ten waren im „Ter­ras­sen­bau“ etwa 450 „Jung­han­sia­ner“ zunächst mit der Taschen­uh­ren- und spä­ter mit der Arm­band­uh­ren­pro­duk­ti­on beschäf­tigt. Die Erin­ne­run­gen die­ser Men­schen stel­len einen wich­ti­gen Aspekt ört­li­cher Indus­trie­ge­schich­te dar. Vor die­sem Hin­ter­grund hat das Stadt­ar­chiv vor drei Jah­ren damit begon­nen, die Geschich­te des Indus­trie­ge­bäu­des genau­er zu erfor­schen.

Der dar­aus ent­stan­de­ne Film „Der Ter­ras­sen­bau der  Uhren­fa­brik Jung­hans in Schram­berg – Zeit­zeu­gen berich­ten über ein Indus­trie­denk­mal“ mit den Erin­ne­run­gen der ehe­ma­li­gen „Jung­han­sia­ner“ Robert Abt, Franz Braun und Franz Zehn­der (1928–2014) wird ab Frei­tag auf der Face­book­sei­te der Gro­ßen Kreis­stadt Schram­berg zu sehen sein.

Zum dies­jäh­ri­gen „Tag des offe­nen Denk­mals“ wur­den wei­te­re Zeit­zeu­gen befragt und eini­ge bis­her unbe­kann­te Fotos des Gebäu­des ent­deckt. Aus den Erin­ne­run­gen und Fotos ist in Koope­ra­ti­on mit dem Muse­ums- und Geschichts­ver­ein Schram­berg die Aus­stel­lung „Ter­ras­sen­bau­er“ ent­stan­den, die mit Unter­stüt­zung der Uhren­fa­brik Jung­hans am Sonn­tag in der drit­ten Ter­ras­se gezeigt wird.

Die Aus­stel­lung wird von Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog eröff­net, der über das Rah­men­the­ma „Gemein­sam Denk­ma­le erhal­ten“ und die Bedeu­tung des „Ter­ras­sen­baus“ für das his­to­risch-kul­tu­rel­le Erbe der Indus­trie­stadt Schram­berg spre­chen wird. Stadt­ar­chi­var Cars­ten Kohl­mann wird in einem For­schungs­be­richt die Erin­ne­run­gen der bis­her befrag­ten „Ter­ras­sen­bau­er“ an ihr Berufs­le­ben in die­sem Gebäu­de leben­dig wer­den las­sen. An Kon­tak­ten zu wei­te­ren Zeit­zeu­gen ist das Stadt­ar­chiv sehr inter­es­siert, die sich unter der Tele­fon­num­mer 07422/29263 oder unter der E-Mail-Adres­se stadtarchiv@schramberg.de mel­den kön­nen.

Info: Die Aus­stel­lung wird am Sonn­tag um 11 Uhr im „Ter­ras­sen­bau“ des Gewer­be­parks Jung­hans eröff­net und kann bis 17 Uhr besich­tigt wer­den (drit­te Ter­ras­se). Das Gebäu­de ist über den Park­platz bei der Kan­ti­ne an der Lau­ter­ba­cher Stra­ße zugäng­lich. Das Refe­rat von Stadt­ar­chi­var Cars­ten Kohl­mann wird um 13 und um 15 Uhr wie­der­holt. Die Besich­ti­gung erfolgt auf eige­ne Gefahr.