Die Moto­ri­sie­rungs­wel­le nach dem Zwei­ten Welt­krieg hat­te eine gan­ze Rei­he außer­ge­wöhn­li­cher Fahr­zeu­ge her­vor­ge­bracht. Nicht allen war Erfolg beschie­den – heu­te han­delt es sich dar­um ech­te Fahr­zeugrari­tä­ten. Am 20.Juni kommt eine davon – der Janus – in Schram­berg groß raus, wie Harald Bur­ger vom Auto- und Uhren­mu­se­um in der HAU berich­tet.

SCHRAMBERG (pm) – Eine beson­de­re Stel­lung nah­men auf den Stra­ßen im Nach­kriegs­deutsch­land die Kleinst­wa­gen ein. Die Viel­falt der aus heu­ti­ger Sicht oft skur­ri­len Vehi­kel war groß. Einen ganz spe­zi­el­len Typ stell­ten die Front­tü­rer dar. Die BMW Iset­ta galt als Ide­en­ge­ber und Vor­rei­ter die­ser Grup­pe. Sie kam im Jah­re 1955 in ita­lie­ni­scher Lizenz über die Alpen und erreich­te als ein­zi­ges Fahr­zeug bis heu­te andau­ern­de Popu­la­ri­tät.

Doch sie war nicht allein auf den Stra­ßen der 50er-Jah­re. Auch bei Zünd­app ver­such­te man es mit Fron­tü­ren – es ent­stand der Zünd­app Janus. Das ein­zig­ar­ti­ge Rol­ler­mo­bil mit der Typ­be­zeich­nung des dop­pel­köp­fi­gen römi­schen Got­tes hat­te nicht nur vor­ne, son­dern auch hin­ten soge­nann­te Front­tü­ren. Die Sitz­rei­hen waren zudem Rücken an Rücken ange­ord­net. Dadurch schau­ten die Fond­pas­sa­gie­re nach hin­ten. Dies hat­te den Vor­teil, dass alle Pas­sa­gie­re üppi­ge Bein- und Kopf­frei­heit weit über dem übli­chen Kleinst­wa­gen­ni­veau genos­sen. Die unge­wöhn­li­che Per­spek­ti­ve war aller­dings nicht jeder­manns Sache. Der Janus war wohl auch das ein­zi­ge Fahr­zeug in der Zeit, des­sen Karos­se­rie um den Motor her­um gebaut wur­de.

Denn der Ein­zy­lin­der knat­ter­te genau in der Mit­te, so dass man mit Fug und Recht behaup­ten kann, der Janus war ein wirk­li­cher Mit­tel­mo­tor­wa­gen. Die fir­men­ei­ge­ne Wer­bung pries zudem an, dass auch klei­ne­re War­tungs­ar­bei­ten am Motor unter dem Schutz des eige­nen Dachs aus­ge­führt wer­den kön­nen. In der Pra­xis bedeu­te­te dies aber oft, dass dafür der hal­be Innen­raum aus­ge­räumt wer­den muss­te. Auch wenn das Fahr­zeug mit tech­ni­schen Errun­gen­schaf­ten wie einer hydrau­li­schen Vier­rad­brem­se und Ein­zel­rad­auf­hän­gung aller Räder ein sehr gutes Fahr­ver­hal­ten mit wenig Sei­ten­nei­gung auf­wei­sen konn­te, war der Ein­zy­lin­der-Zwei­takt­mo­tor mit sei­nen 250 Kubik­zen­ti­me­ter Hub­raum schlicht nicht aus­rei­chend dimen­sio­niert.

Trotz sei­ner intel­li­gen­ten Kon­struk­ti­on war dem Janus kein lan­ges Leben beschie­den. Zünd­app bau­te ihn nur zwei Jah­re – 1957 und 1958 – 6900 Exem­pla­ren. Fast die dop­pel­te Anzahl hät­te man in Nürn­berg in einem ein­zi­gen Jahr pro­du­zie­ren kön­nen. Es fehl­ten jedoch die Käu­fer. Die Kon­kur­renz unter den deut­schen Kleinst­wa­gen war groß: BMW Iset­ta, Gog­go­mo­bil, Gut­brod Supe­ri­or, Hein­kel Kabi­ne, Ful­da­mo­bil, Klein­schnitt­ger, Mes­ser­schmitt Kabi­nen­rol­ler, Vic­to­ria Spatz. Übri­gens all die­se Fahr­zeu­ge sind in Auto- und Uhren­mu­se­um Erfin­der­Zei­ten zu sehen.

Die Zünd­app Janus IG stat­tet im Rah­men ihres Jah­res­tref­fen am Sams­tag, 20. Juni einen Besuch im Auto-und Uhren­mu­se­um Erfin­der­Zei­ten ab. Über zwan­zig die­ser sel­te­nen und son­der­ba­ren Fahr­zeu­ge wer­den von 11 bis 14 Uhr direkt am Muse­um auf­ge­stellt. Ger­ne geben die Fah­rer inter­es­sier­ten Gäs­ten Aus­kunft zu Ihren Fahr­zeu­gen.