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Rottweil
Dienstag, 25. Februar 2020

Über die Vertreibung der Christen aus dem Nahen Osten

ROTTWEIL – Ein bedrückendes Thema, über das in den Nachrichten und Medien nur wenig berichtet wird, ist die Flucht und Vertreibung der Christen aus dem Nahen Osten. In seinem Vortrag am Mittwoch, 12. Februar ab 19.30 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus, Johanniterstr. 30 in Rottweil, der von der Katholischen und Evangelischen Erwachsenenbildung veranstaltet wird, beschreibt Bruder Andreas Knapp eindrücklich die diskriminierende Situation und die Geschehnisse um die „letzten Christen“ im Nahen Osten.

Dr. Andreas Knapp, lange Jahre Leiter des Priesterseminars der Erzdiözese Freiburg, hat sich im Jahr 2000 für einen anderen Weg entschieden, das Christentum zu leben. Er schloss sich dem Orden der „Kleinen Brüder des Evangeliums nach Charles de Foucauld“ an. Zusammen mit drei Mitbrüdern wohnt er in einem Plattenbau in Leipzig, wo er sich in der Gefängnisseelsorge und Flüchtlingsarbeit engagiert. Aus der Bekanntschaft mit einem syrischen Flüchtling ist er markant auf die Situation der syrisch-orthodoxen Christen aufmerksam geworden.

Er hat sich auf Spurensuche vor Ort begeben und seither lässt ihn das, was er selbst dort gesehen hat und was ihm in persönlichen Begegnungen geschildert wurde, nicht mehr los. Unvorstellbares Leid, zerstörende Gewalt, himmelschreiende Ungerechtigkeit, ständige Schikanen – wegen der Zugehörigkeit und dem Bekenntnis zum christlichen Glauben. Zerstört die Religion manchmal die Menschlichkeit? Die orientalischen Christen, die zum Teil noch in direkter Linie auf die Urkirche zurückgehen und die noch in der aramäischen Muttersprache Jesu reden, sitzen zwischen allen Stühlen und müssen oft als Sündenböcke herhalten für eine diffuse westliche Politik.

In eindrücklicher und berührender Weise erzählt Bruder Andreas vom Exodus, von den Verfolgungen und Vertreibungen der Christen aus dem Nahen Osten, wie sie sich durch die Jahrhunderte ziehen und aktuell mit zu der Flüchtlingssituation in Mitteleuropa beitragen. Sie haben einfach keine andere Wahl! Voller Stolz deklarieren die Führer des Islamischen Staates die Stadt Mossul / Irak heute als „christenfrei“, dort, wo früher 200 000 Christen gelebt haben. So fragt sich Bruder Andreas: Wie lässt sich in dieser Situation für uns Solidarität mit den bedrängten und bedrohten Glaubensgeschwistern üben, wie können wir Mitgefühl zeigen? Was können wir Christen in der westlichen Welt dafür tun, um zu einem dauerhaften Frieden beizutragen, in dem Religionsfreiheit, Respekt, Toleranz und Menschenwürde ihren Platz haben und in dem Religionen miteinander im Dialog sind.

 

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