Blinde: Bezirksgruppe verabschiedet Maria Pahl

SCHRAMBERG – Die Mitglieder der Bezirksgruppe Rottweil-Tuttlingen des Blinden- und Sehbehindertenverbands Württemberg trafen sich am Samstagnachmittag  zu ihrer traditionellen Weihnachtsfeier. Diesmal allerdings nicht im Café Adler, sondern im Hefterwald-Stüble  in Heiligenbronn. Zum letzten Mal begrüßte die Bezirksgruppenleiterin Maria Pahl die Mitglieder und Ehrengäste.

OB Eisenlohr mischte sich unter die Gäste.

Schrambergs Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr war gekommen und als „Überraschungsgast“ seit einigen Jahren erstmals wieder der CDU-Bundestagsabgeordnete Volker Kauder. Die Vertreterin von Landrat Wolf-Rüdiger Michel, die Leiterin des Kreissozialamtes Angela Jetter, ließ sich wegen Krankheit entschuldigen. Den geistlichen Impuls trug der evangelische Pfarrer von Sulgen Markus Krimmer bei. Für die musikalische Umrahmung mit Advents- und Weihnachtsliedern sorgte Gerhard Schmid, der mit seiner Gattin Marianne aus Sachsenheim gekommen war.

Gerhard Schmid an seinem Keyboard.

Erinnerung an Anton Windhab und Harald Spitz

Pahl erinnerte an den vor einigen Wochen verstorbenen Anton Windhab, der ein sehr treues Mitglied gewesen und mit seiner Tochter Monika bei jeder Versammlung dabei gewesen sei. Sie erinnerte aber auch besonders an den im Sommer verstorbenen Wirt des Café Adler, Harald Spitz, der sich als Vereinswirt jahrzehntelang bewährt habe. Er sei bei den Blinden in Heiligenbronn „ein sehr geschätzter Mensch“ gewesen. „Das Café Spitz war für viele blinde Menschen in Baden-Württemberg ein Stück Heimat. Sein Tod reißt eine Riesenlücke.“ Im Angedenken an die beiden Verstorbenen erhoben sich alle Anwesenden.

Nach einem besinnlichen Gedicht zur Vergänglichkeit, vorgetragen von Gertrud Leichtle, grüßte Oberbürgermeisterin Eisenlohr die Versammlung. Menschen mit Sehbeeinträchtigungen seien in Schramberg sehr präsent. Die Stadt sei für diese Menschen „noch nicht gerade ein Paradies“, merkte sie selbstkritisch an. Manche Leitsysteme beispielsweise endeten noch mitten auf einer Kreuzung. Andererseits sei das VHS-Programm inzwischen barrierefrei gestaltet. Ihr heutiger Besuch sei  der Beginn eines Dialogs. Sie forderte die Verbandsmitglieder auf, ihre Wünsche und Anregungen direkt bei ihr vorzubringen. Pahl freute sich, bei Eisenlohr „ein offenes Ohr zu finden“.

Kauder: Lob für Pahl

Volker Kauder versicherte, er sei wieder gerne gekommen. Insbesondere, weil er erfahren habe, dass Maria Pahl den Vorsitz der Bezirksgruppe aufgeben wolle. Pahl sei „eine Institution im Verband“, sie sei „Gesicht und Sprachrohr“ der Blinden. Mit „einer Prise Humor und großer Hartnäckigkeit“ habe sie sich für die Interessen der Blinden und Sehbehinderten engagiert. Er sage herzlich Dankeschön für ihren Einsatz.

Volker Kauder

Auch Pahl erinnerte sich daran, dass sie Volker Kauder mit  so manchen e-Mails „getriezt“ habe. Kauder dankte sie dafür, dass er im Bundestag die Interessen der Menschen mit Behinderungen immer vertreten habe. Dass er die Weihnachtsfeier besuche, mache sie „ein stückweit auch stolz“.

Pfarrer  Krimmer ging auf die Adventszeit als der Ankunftszeit ein. Gott bringe Licht in die Dunkelheit. Nach einem gemeinsamen Gebet und dem Lied „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ las Maria Pahl eine weihnachtliche Geschichte.

Pfarrer Markus Krimmer

Zwei Ehrungen

Bei den Ehrungen erhielt Alice Vieweg eine Urkunde und einen Gutschein für 40 Jahre treue Mitgliedschaft im Verband. Für 25 Jahre ehrte Pahl Christina Häcker. Beide bat sie, die bisherige Treue zum Verband auch ihrem Nachfolger Anselm Schmid zu erweisen.

Christina Häcker …
…und Alice Vieweg wurden geehrt.

Schmid berichtete anschließend aus der Verbandsarbeit auf Landes- und Bundesebene. Er dankte Maria Pahl für die geleistete Arbeit und überreichte ihr Pralinen und Blumen. Er bedaure, aber verstehe auch, dass sie nicht mehr weiter machen könne.

Anselm Schmid: Eine besondere Einrichtung an seinem Laptop erlaubt ihm, über Blindenschrift seinen Bericht zu lesen und vorzutragen.

Pahl selbst dankte ihrem Stellvertreter für die jahrelange Zusammenarbeit. Sie wohne ja 138 Kilometer von Heiligenbronn entfernt. Die frühere Möglichkeit, in Schramberg zu übernachten, bestehe nicht mehr. Die Hin- und Rückfahrt an einem Tag sei ihr zu mühsam. „Ich habe das Ehrenamt sehr gerne wahrgenommen“, versicherte sie und wünschte sich, dass die Mitglieder das Vertrauen nun auch Anselm Schmid schenken mögen. Dieser sei oft in der Stiftung und kümmere sich um die Anliegen der Mitglieder.

Volker Kauder würdigt Maria Pahl. Fotos: him

Mit langem Beifall dankten die Mitglieder Maria Pahl für deren Tätigkeit als Vorsitzende. Bei Kaffee und Kuchen klang der Nachmittag dann gemütlich aus.

 

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