ÖDP: Verstaatlichung der Familie: Nein!

Volksbegehren für kostenfreie Kitas? Entlastung der Eltern: Ja!

Verena Föttinger. Foto: pm

Die SPD im „Länd­le“ regt ein Volks­be­geh­ren für kos­ten­freie „Kitas“ an. Vere­na Föt­tin­ger aus Flu­orn-Win­zeln, Spre­che­rin für schu­li­sche und kirch­li­che Ange­le­gen­hei­ten im Lan­des­vor­stand der ÖDP in Baden-Würt­tem­berg, äußert sich dazu in einer Pres­se­mit­tei­lung:

Die Absicht, Eltern zu ent­las­ten, ist begrü­ßens­wert und not­wen­dig. Aber die­se Initia­ti­ve unter­schei­det nicht zwi­schen Krip­pe (U3) und Kin­der­gar­ten (Ü3). Und hier liegt ein Ein­gangs­tor für zuneh­men­de Bevor­mun­dung und Gän­ge­lung der Eltern. Das scha­det den Kin­dern und ist grund­ge­setz­wid­rig.“

Föt­tin­ger wei­ter: „Die Öko­lo­gisch-Demo­kra­ti­sche Par­tei / Fami­lie und Umwelt (ÖDP) Baden-Würt­tem­berg hält die Grund­rich­tung der Dis­kus­si­on für ver­fehlt. Der Begriff ‚früh­kind­li­che Bil­dung‚ ist irre­füh­rend. Er täuscht vor, Klein­kin­der könn­ten in einer Krip­pe so geför­dert wer­den wie spä­ter in der Schu­le. Das ist falsch. Die Bin­dung an eine Bezugs­per­son muss der Bil­dung vor­an­ge­hen. Erst dann kann genü­gend Sicher­heit ent­ste­hen, die Vor­aus­set­zung für ein gesun­des Neu­gier­ver­hal­ten und spä­te­re Bil­dung ist. Wird ledig­lich die Krip­pen­be­treu­ung geför­dert, wird nach allem, was wir heu­te wis­sen, auch unso­zia­les Ver­hal­ten, feh­len­der Lern­wil­le und Nei­gung zu Sucht­ver­hal­ten im spä­te­ren Leben begüns­tigt Unter ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gi­schen Gesichts­punk­ten ist es daher den Eltern zu über­las­sen, die bes­te Betreu­ungs­form für ihr Kind zu fin­den. Ihnen ist das Geld zu geben, damit sie ent­we­der die Zeit haben, ihr Kind selbst zu betreu­en oder eine Fremd­be­treu­ung ihrer Wahl orga­ni­sie­ren kön­nen, wenn sie ihr Kind für reif dazu hal­ten.“

Die feh­len­de Unter­schei­dung zwi­schen Krip­pe und Kin­der­gar­ten zei­ge, dass die SPD voll­kom­men auf öffent­li­che Betreu­ung fixiert sei. Das gel­te aller­dings auch für nahe­zu alle ande­ren Par­tei­en. Pfle­ge und Erzie­hung der Kin­der sei­en aber in ers­ter Linie Sache der Eltern, wie es unser Grund­ge­setz nach Art. 6, Abs. 2 for­de­re. Mit der ein­sei­ti­gen För­de­rung von Krip­pen auf Kos­ten der elter­li­chen Erzie­hung ver­sto­ße der Staat fort­wäh­rend gegen das Grund­ge­setz. Begrün­det wer­de das mit den Erfor­der­nis­sen des Arbeits­mark­tes, der mehr Arbeits­kräf­te benö­ti­ge. Erzie­hung dür­fe sich aber nicht in ers­ter Linie am Arbeits­markt oder an ideo­lo­gi­schen Vor­ga­ben ori­en­tie­ren son­dern am Kin­des­wohl. Das sei bei Klein­kin­dern in der Gebor­gen­heit der Fami­lie meist am bes­ten  gege­ben.

Föt­tin­ger abschlie­ßend: „Eine Auf­he­bung der Kita-Gebüh­ren för­dert die Kitas, nicht die Kin­der.“  Sie schlägt ein Volks­be­geh­ren für ein Erzie­hungs­bud­get vor, das alle Eltern von Klein­kin­dern  erhal­ten und – am Kin­des­wohl ori­en­tiert – nach ihren eige­nen Vor­stel­lun­gen ver­wen­den kön­nen. Nur, wenn die Eltern ver­sa­gen, kom­me das Wäch­ter­amt des Staa­tes zur Gel­tung. Aber die­se Aus­nah­me­fäl­le dürf­ten nicht zum Maß­stab für alle Eltern wer­den.