ROTTWEIL – Immer mehr Men­schen, nicht nur Älte­re lei­den unter Beein­träch­ti­gun­gen des Gehörs, sei es durch Schwer­hö­rig­keit oder eine Erkran­kung wie bei­spiels­wei­se Tin­ni­tus. Aus die­sem Grund ver­an­stal­tet der Arbeits­kreis Selbst­hil­fe in Koope­ra­ti­on mit dem Land­rats­amt Rott­weil und der AOK Schwarz­wald-Baar-Heu­berg am Frei­tag, 6. April von 13 Uhr bis 18.30 Uhr einen „Tag der Schwer­hö­rig­keit“ in der Stadt­hal­le in Rott­weil.

Ver­schie­de­ne Refe­ren­ten wer­den die The­ma­tik aus unter­schied­li­chen Blick­win­keln beleuch­ten, außer­dem wird es Info­stän­de von Selbst­hil­fe­grup­pen und Bera­tungs­stel­len geben.

Ein Betrof­fe­ner berich­tet, wie sich sein Leben durch Tin­ni­tus ver­än­der­te und er heu­te sei­nen All­tag meis­tert: „Am Mor­gen des 28. August 1993, es war ein Sams­tag, wach­te ich mit einem Geschäp­per und hohem Dau­er­pfeif­ton im Bereich des lin­ken Ohres auf. Es war den gan­zen Mor­gen da, am Abend und auch die fol­gen­den Tage. Am Mon­tag dar­auf folg­te ein Besuch beim HNO-Arzt. Die­ser sag­te nach der Unter­su­chung zu mir: „wer­den sie etwas ruhi­ger, dann gehen die Geräu­sche schon von allei­ne weg!“ Doch die­se Ant­wort war mir zu wenig, da auch nach Wochen das ätzen­de Geräusch noch da war.

Ein lan­ger Weg von Arzt zu Arzt, Heil­prak­ti­ker und Hei­ler begann. Ich kam zu der Erkennt­nis, daß es dafür einen Namen gibt, näm­lich „Tin­ni­tus“ und dazu einen wert­vol­len Tipp, mich an die Deut­sche Tin­ni­tus-Liga zu wen­den. Die „Lösungs­su­che“ ende­te mit der Mit­tei­lung eines Spe­zia­lis­ten „damit müs­sen Sie leben, denn nach drei bis fünf Mona­ten ist der dekom­pen­sier­te Tin­ni­tus chro­nisch und nur noch in den sel­tens­ten Fäl­len geht er wie­der weg!“.

Es war nicht leicht die­ses „damit müs­sen Sie leben“ zu akzep­tie­ren. Die Geräu­sche ver­folg­ten mich beson­ders im Beruf (Daten­ver­ar­bei­tung). Ich bekam nie gekann­te Angst­at­ta­cken, geriet in Panik und hat­te immer weni­ger Kraft dage­gen anzu­kämp­fen.

Ein lan­ger Weg durch Depres­sio­nen, Behör­den und Insti­tu­tio­nen begann, was mit dem Erlan­gen der Früh­ren­te ende­te. Der Ver­lust des Selbst­wert­ge­füh­les war eine wei­te­re Zuspit­zung der Odys­see. Hil­fe brach­te mir die Tin­ni­tus-Selbst­hil­fe­grup­pe, wel­che 1996 gegrün­det wur­de. Nach der schwie­ri­gen Start­zeit, wur­de aus dem „Jam­mer­club“ ein kon­struk­ti­ves Arbei­ten: aus­re­den las­sen – nicht durch­ein­an­der reden – von sich selbst reden – The­men­wün­sche – Ent­span­nungs­übun­gen sind Bau­stei­ne für ein gemein­sa­mes Wei­ter­kom­men.

Tin­ni­tus ist kei­ne Krank­heit, Tin­ni­tus ist ein Warn­si­gnal. Der Tin­ni­tus lehr­te mich mein bis­he­ri­ges Leben ehr­lich anzu­schau­en und Ände­run­gen vor­zu­neh­men. Ich habe gelernt, Bezie­hun­gen ehr­li­cher und offe­ner zu leben und Lebens­freu­de trotz Tin­ni­tus zu ent­wi­ckeln. Trotz­dem ist jeder Tin­ni­tus ein Ein­zel­fall, weil immer ein ein­zel­ner Mensch mit sei­ner gan­zen Lebens­ge­schich­te dahin­ter steht.”

Wer sich für den Tag der Schwer­hö­rig­keit inter­es­siert, bekommt nähe­re Aus­künf­te beim Pfle­ge­stütz­punkt im Land­rats­amt Rott­weil (Frau Rie­ger 0741 / 244–474 oder Frau Schnei­der 0741 / 244–473) oder der Kon­takt- und Infor­ma­ti­ons­stel­le für gesund­heit­li­che Selbst­hil­fe bei der AOK (Frau Groß 07422 / 271–485 oder Frau Hezel 07422 / 271–483).