NRWZ.de, 5. Juli 2022, Autor/Quelle: Pressemitteilung (pm)

Berührender Geschichtsunterricht

Neuntklässler der Erhard-Junghans-Schule Schramberg besucht das KZ Natzweiler-Struthof

Dieser Tage besichtigte die Klassenstufe 9 der Erhard-Junghans-Schule Schramberg gemeinsam mit ihren Geschichtslehrerinnen Vanessa Groh, Carmen Urbat und Michael Seckinger die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof im Elsass. Über den Besuch beerichtet die Schule:

Unvorstellbar ist der Gedanke, dass hier und in den Außenlagern insgesamt 22.000 Menschen ums Leben gekommen sind. Auf dem Gelände der Gedenkstätte sind heute noch das Lagertor, der Zaun mit den Wachtürmen und vier Baracken erhalten. Der Galgen auf dem Hinrichtungsplatz wurde nachgebildet.

Die Schülerinnen und Schüler begaben sich mit ihren Lehrerinnen auf einen Rundgang, auf dem sie Wissenswertes über die einzelnen Bestandteile des Lagers erfuhren und gleichzeitig auch mit Hilfe von Augenzeugenberichten Einblicke in das Leben der Häftlinge bekamen.

KZ auch Unterrichtsthema

Zuvor hatten die Schülerinnen und Schüler schon einiges über das KZ Natzweiler-Struthof erfahren. Dieses bestand von 1941 bis September 1944 und wurde angelegt, um Material aus dem nahegelegenen Steinbruch zu gewinnen. Es war also kein Vernichtungslager wie etwa Auschwitz-Birkenau, sondern ein Straf- und Arbeitslager.

Die aus ganz Europa kommenden Deportierten hatten dabei einen sehr unterschiedlichen Hintergrund. Sie waren größtenteils politische Deportierte, darunter die „Nacht-und-Nebel-Deportierten“, aber auch Juden, „Zigeuner“, Homosexuelle. Insgesamt wurden etwa 52.000 Häftlinge aus ganz Europa nach Natzweiler beziehungsweise in die jeweiligen Außenlager deportiert. 22.000 von ihnen starben durch unmenschliche Arbeitsbedingungen, Folter, Krankheiten, Kälte, medizinische Experimente und Mangelernährung oder wurden ermordet.

Eigene Anschauung

Nachdem den Schülern also schon viele Fakten über die Judenverfolgung im Allgemeinen und das KZ Natzweiler-Struthof im Besonderen bekannt waren, war es für alle bewegend und beeindruckend, mit eigenen Augen zu sehen, unter welchen schlimmen Bedingungen die Menschen damals in diesem Lager leben mussten.

So hinterließ beispielsweise die Arrestbaracke bei vielen einen bleibenden Eindruck. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren dort etwas über die unterschiedlichen Inhaftierungsstufen. Inhaftierungsstufe drei bedeutete beispielsweise, dass ein Gefangener in einer 1,50 Meter hohen und 80 Zentimeter breiten Nische gesperrt wurde. Es gab keine Möglichkeit zur Toilette zu gehen, man konnte nicht stehen oder liegen, Essen gab es vermutlich gar keines oder nur sehr wenig.

Einige Schüler stellten sich während des Rundgangs in eine dieser Nischen, verließen sie aber innerhalb kürzester Zeit wieder, da es ein unerträgliches Gefühl war. Es verwundert also nicht, dass kein Gefangener des Lagers Struthof bekannt ist, der diese Prozedur überlebt hat.

Jahrgangsstufe 9 der Erhard-Junghans-Schule Schramberg. Foto: pm

Den Abschluss des Rundgangs bildete die Besichtigung des Museums, in dem die Schülerinnen und Schüler sich nochmals vertieft über das Lager und das Leben dort informieren konnten.

Durch die Corona-Pandemie mussten die geplanten Besichtigungen des KZ Natzweiler-Struthof in den letzten zwei Jahren abgesagt werden, was die Geschichtsfachschaft der Erhard-Junghans-Schule mit schwerem Herzen hinnehmen musste, denn was dort geschah, darf nicht vergessen werden.

Berührender Geschichtsunterricht