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Dienstag, 7. April 2020
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    „Das Kinderrecht auf Bildung – im ländlichen Raum in Gefahr?“

    Der Arbeitskreis „Präventive Kinder- und Familienhilfe“ traf sich diesmal zum Thema: „Das Kinderrecht auf Bildung – im ländlichen Raum in Gefahr?“

    Die UN Konvention über die Rechte der Kinder verpflichtet alle Vertragspartner alle verfügbaren Mittel einzusetzen, um die Bildung und  die soziale Integration und Entfaltung der  Persönlichkeit von Kindern zu befördern.

    Gast des Abends war Andreas Scheuble, Kreisvorsitzender der GEW Rottweil. Er beleuchtete die Frage, ob das Land Baden–Württemberg diesen Anforderungen gerecht wird. Er nannte konkrete Probleme: so werden bundesweit zu wenig Lehrer ausgebildet, so dass nach einer Studie der Bertelsmannstiftung bis zum Jahr 2025 bundesweit etwa 35.000 Lehrkräfte fehlen werden.

    In Baden–Württemberg  würden jedes Jahr etwa 1000 Lehrer und Lehrerinnen ausgebildet, der Bedarf liege aber bei 1400 bis 1500 Lehrkräften.

    Scheuble nannte auch die „Lehrerreserve“ von 1666 Deputaten , die zum Beispiel  für  Vertretungen wegen Krankheit oder Schwangerschaft vom Kultusministerium  zur Verfügung gestellt werden als ungenügend angesichts eines jährlichen Bedarfs von etwa 6000 bis 7000 Stellen.

    Scheuble bemängelte, dass die Problematik häufig verschleiert werde. Er nannte als Beispiel den Unterrichtsausfall, der nach der Novemberstatistik des Kultusministeriums bei 1,1 Prozent liegt.   Verschwiegen werde dabei aber, dass die Schulen aufgrund der „Verlässlichen Grundschule“ die Schüler und Schülerinnen betreuen müssten – egal wie !

    Es gehe nicht mehr so einfach, dass Grundschüler nach Hause geschickt werden. Man müsse dann Klassen  zusammenlegen, womit nicht nur eine Klasse sondern beide Klassen keinen regulären Unterricht hätten.

    Folge dieser Zustände sei eine Mehrbelastung der  Lehrkräfte und immer öfters deren Überlastung. Auch für Schulen und die Kinder habe diese Unterversorgung weitreichende Folgen: So werde die Inklusion, ein an sich sehr positives und zukunftsweisendes Konzept an die Wand gefahren, weil die notwendigen Mittel dafür nicht zur Verfügung stehen und notwendige bildungspolitische Entwicklungen verhindert werden.

    Die  für die Bildung der Kinder unverzichtbare Wertevermittlung in einem Ethikunterricht an den Grundschulen  sei in der jetzigen Situation nicht möglich.

    Im anschließenden Gespräch wurde klar, dass Bildung wesentlich mehr bedeutet als Wissensvermittlung. Scheuble sah hier auch eine auseinanderklaffende Schere , zwischen Familien, die sich Bildung etwa in Form von Nachhilfe „zukaufen“ könnten und den Familien mit Migrationshintergrund sowie Kindern aus  schwierigen sozialen Verhältnissen, die solche Ausgleichsmaßnahmen nicht treffen könnten.

    Die Kinder werden somit  schlecht auf einen  immer anspruchsvoller werdenden  Arbeitsmarkt vorbereitet. Es ist für den Bildungserfolg zum großen Teil nach wie vor die soziale Herkunft entscheidend.

    Ein Teilnehmer äußerte die Sorge, dass die größer werden soziale Benachteiligung von vielen Familien auch zu einer Zuspitzung der Polarisierung in der Gesellschaft führen wird, die ja heute bereits ein großes Problem darstellt.

    Fazit des Abends: Wenn man sieht was  vom Kulturministerium unternommen wird, bzw. unterlassen wird um die Situation an den Schulen nachhaltig zu verbessern, kann man nur festhalten, dass man in der Politik noch zu wenig verstanden hat, welche Bedeutung die Bildung der Kinder für die Zukunft unserer Gesellschaft bedeutet.

    Bildung kann nur durch gut qualifizierte Lehrkräfte in ausreichender Anzahl gewährleistet werden.

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