Moderation zum Fasnetskonzert der Stadtmusik Schramberg

Hier die Moderation im Originaltext

Schramberg. Für alle, die noch gerne etwas mehr erfahren oder auch die Moderation des Fasnetskonzerts durch Carsten Kohlmann und Matthias Krause nachlesen möchten, veröffentlichen wir hier den Originaltext:

Moderation Fasnetskonzert der Stadtmusik Schramberg

Stand: 09.02.2020

Moderation 1

  • Auch von unserer Seite einen schönen guten Abend. Sie haben es gehört. Am heutigen Abend steht voll und ganz die Musik im Mittelpunkt; genauer gesagt die Musik, bei der sich jedem echten Narr eine Gänsehaut bildet! Die Narrenmärsche gehören untrennbar zum kulturellen Spektakel der 5. Jahreszeit.
  • Was haben wir heute Abend mit Ihnen vor?
    • Sie bekommen die schönsten Narrenmärsche der Region zu hören. Es wird für viele im Saal sicherlich auch Überraschungen geben! Seien Sie gespannt.
    • Wir wollen versuchen, Ihnen heute interessante Hintergrundinformationen zu den Narrenmärschen zu geben.  Ich freue mich, dass Carsten Kohlmann in dieser Sache hier mit im Boot ist und viele weitere Quellen uns mit Informationen gefüttert haben!
    • Und nicht zuletzt wollen wir gemeinsam mit Ihnen allen heute einen entspannten und unterhaltsamen Abend haben!
  • Starten wir durch!
  • Herrn Kohlmann und mich interessiert natürlich zunächst einmal brennend, mit was für einem Publikum wir es denn hier heute Abend zu tun haben. Die Schulmusik 1er Kandidaten und Blockflöten Profis. Alte Bandhaudegen oder Orchestermusikerinnen? Oder einfach Närrinen und Narren die gemeinsam mit uns einen Abend Spaß haben wollen?
    Wir testen die Stimmung also erst einmal mit dem Ruf den hier jeder im Saal kennt!
  • Narri-Narro

Fastnacht, Musik und Tanz sind seit dem Mittelalter untrennbar miteinander verbunden, auch in der jahrhundertealten Fastnachtsburg Schramberg im Schwarzwald, der unser großer Fastnachtsdichter und -musiker Friedrich Würz deshalb auch bereits im 19. Jahrhundert den klangvollen Namen  „Narrenberg“ gegeben hat. Friedrich Würz alias „Fritz Krummbein“, zu Hause in der Sängerstraße, ist in seiner Heimatstadt bis heute als Gründer des „Schramberger Narrenglöckles“ in Erinnerung geblieben, aus der 1949 unsere Fastnachtszeitung „D’Hoorig Katz“ entstanden ist.

Auch seine beiden Söhne Friedrich Würz (1875-1949) und Fritz Würz (1907-1995) haben in der Fastnacht ihrer Heimatstadt eine große Rolle gespielt. Heute Abend trage ich auch die Mütze von Friedrich Würz II aus seiner Zeit als Präsident der Faschingszunft Schramberg in den 1920er- und 1930er-Jahren.

Im alten Marktflecken Schramberg – dem Mittelpunkt einer alten vorderösterreichischen Herrschaft zwischen Schwäbisch-Österreich im Oberland und dem vorderösterreichischen Breisgau – reicht die Fasnet wie vielerorts im deutschen Südwesten viele Jahrhunderte zurück. Von ihrem historischen Ursprung her ist es eine ländliche „Fleckafasnet“, die im 19. Jahrhundert zu einer städtischen Fasnet emporsteigt – und schließlich zu einem „Gesamtkunstwerk“ wird, zu der sie der Volkskundler Hermann Bausinger geadelt hat.

Für das alte „Narrenlaufen“ werden immer wieder neue, bisher unbekannte Belege aus dem 19. Jahrhundert entdeckt.  Fasnet in Schramberg war damals – wie andernorts – frei und wild. Wichtige Träger waren bestimmte Berufsgruppen wie Bäcker und Metzger wie auch bestimmte Gesellschaftsgruppen wie die die Ledigen oder Rekruten.

Die Zentren der Fasnet waren von Beginn an die Gastwirtschaften des Marktfleckens mit ihren Tanzveranstaltungen – wie hier im Gasthaus „Bären“ in der alten hinteren Gasse, einer der alten Schildwirtschaften, die seit dem Jahr 1697 belegt ist und vermutlich noch älter sein dürfte. Und selbstverständlich waren bei diesen Tanzveranstaltungen auch stets Musiker dabei.

Und hier im „Bären“ fiel auch der Startschuss für den Beginn der von den damals entstehenden Vereinen getragenen Fasnetsbälle. Im Jahr 1858 veranstaltete der damalige Musikverein – einer der Vorläufer der heutigen Stadtmusik – einen Maskenball. 1951 erinnerten sich damals alte Schramberger: „Am Fasnetssamstig hot halt meistens d’Musik en Ball g’het. Do hot mer au tanzt wie der Lump am Stecke und derzwischenei sin Kuplets ufgführt wore wie ‚Der Hommel mit der große Trommel‘ un so.“

Auf den Straßen wogte das bunte, freue „Narrentreiben“ – natürlich mit Musik, weshalb wir auf dem ältesten uns überlieferten Fasnetsbild, das vermutlich aus den 1880er-Jahrem stammt, an der Spitze des Fastnachtsumzuges auf der langen Hauptstraße des alten Marktfleckens und der jungen Stadt mit einigen leider in der örtlichen Fasnetstradition verschwundenen „Benner-Rössle“ die 13-stimmige Blechmusik unter der Leitung von Fridolin Schinle sehen, aus der 1884 die Stadtmusik Schramberg hervorgegangen ist. Leider ist dieses atmosphärisch so wertvolle Bild keine Schallplatte – die Töne sind verklungen. Was die Ur-Ur-Ur-Großväter unserer heutigen Stadtmusiker damals gespielt haben – wir wissen es leider nicht.

Auf jeden Fall sind die Fasnet in Schramberg und die Stadtmusik von ihren frühesten Anfängen an engstens miteinander verbunden. Aus dem Jahr 1911 stammt ein weiteres sehr schönes Bild, auf dem die Stadtmusik in den historischen Uniformen zu sehen ist, die sie bei dem großen Fastnachtsumzug zum Motto „Schramberg seit 100 Jahren“ trug, den die damalige Karnevalsgesellschaft im Stil der damals auch andernorts üblichen Fastnachtshistorienspiele veranstaltet hat.

  • So nun starten wir mit der Musik und ersten Informationen. Anfangen werden wir mit der Entwicklung der Narrenmärsche hier in Schramberg. Eingezogen ist unsere Stadtmusik mit dem „Alten Jäger“. Herr Kohlmann, es wird ja wahrscheinlich kaum etwas mit dem gleichzeitig auftretenden Durst der Musikerinnen und Musiker bei diesem Marsch zu tun haben?

Der „Alte Jäger“ ist einer der bekanntesten Märsche aus der Geschichte der deutschen Militärmusik. Ursprünglich ist das der Marsch der so genannten „Freiwilligen Jäger“, einer Freiwilligeneinheit, die sich in der Zeit der so genannten „Befreiungskriege“ im Königreich Preußen gegen die Franzosen bildete. Die Erinnerung an die „Befreiungskriege“ blieb in Deutschland lange lebendig. 1913 feierte man auch in Schramberg den 100. Jahrestag der „Völkerschlacht bei Leipzig“. Und ganz offensichtlich – das Bild aus dem Jahr 1911 zeigt es – war auch die Stadtmusik damals im Geist der „Alten Jäger“ unterwegs. Der „Alte Jäger“ wurde bis zur Einführung des Schramberger Narrenmarsches im Jahr 1952 beim Hanselsprung gespielt.

Das Vorbild der Militärmusik war übrigens für die Entwicklung der Fastnachtsmusik von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Bei den Militärmärschen wie bei den Narrenmärschen spielen Pfeifen und Trommeln eine große Rolle – am eindrucksvollsten kann man das bei der weltberühmten Basler Fastnacht erleben. Aus diesem Grund wundert es auch nicht, dass viele unserer heutigen Narrenmärsche in den 1920er-Jahren entstanden sind: Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden viele Militärmusiker ins Zivilleben entlassen und betätigten sich fortan in den Musikvereinen.

Die Neuentdeckung eines seit mehr als einem Jahrhundert vergessenen Narrenmarsches von Fridolin Schinle (1855 – 1936) im Fundus der Stadtmusik Schramberg ist eine fastnachts- und stadtgeschichtliche Sensation. Fridolin Schinle war die zentrale Persönlichkeit in den Gründerjahren der Stadtmusik Schramberg. Auch er war von Haus aus – im Infanterie-Regiment 125 in Stuttgart – Militärmusiker. Er gehörte über 65 Jahre der Stadtmusik Schramberg an und war ihr Ehrendirigent und Ehrenvorsitzender. Das heutige Fasnetskonzert möchte ich persönlich der Erinnerung an diesen großen Schramberger Musiker und Narren widmen.

Fridolin Schinle stammte aus einer alten österreichischen Familie in Tirol und war als Kaufmann für die Porzellan- und Steingutfabrik in Schramberg tätig, bevor er sich in dem von ihm im Jahr 1891 gebauten Haus am Beginn der Oberndorfer Straße mit einer Porzellan-, Steingut- und Glaswarenhandlung und einem Gasthaus selbständig machte. Im Jahr 2010 wurde das stolze Bürgerhaus zusammen mit der alten Post abgebrochen, um der „Neuen Mitte“ Platz zu machen. Leider fand sich für dieses Gebäude kein ähnlicher Idealist wie Thilo Albrecht, der momentan das von ihm gerettete Gebäude auf der anderen Seite der Oberndorfer Straße wieder zu neuem Leben erweckt.

Vergessen dürfen wir natürlich nicht die große Tradition der so genannten „Katzenmusik“ in Schramberg, einer sehr vielschichtigen „Musikrichtung“, die es nicht nur hier gibt. Ursprünglich sind die Bedeutung dieser lauten und schrägen Musik mit Krachmacherinstrumenten aller Art der Protest und die Rüge. Jemandem eine „Katzenmusik“ machen, bedeutet eigentlich, ihm „da Roscht rabtue“, um es schwäbisch zu sagen – jemandem also kräftig die Meinung zu sagen und die berühmten biblischen Leviten zu lesen. In der jüngeren Vergangenheit haben wir das miterlebt, als im legendären Kampf um „Stuttgart 21“ zahlreiche Bürger aus ihren Fenstern mit Töpfen und anderen Haushaltsgegenständen klapperten, um der „Obrigkeit“ den „Marsch“ zu blasen. Nicht umsonst gibt es solche Redensarten.

Insbesondere im Revolutionsjahr 1848 waren die „Katzenmusiken“ eine wichtige Form des bürgerlich-demokratisch-proletarischen Protestes – und der Marktflecken Schramberg war bekanntlich ein besonderes aufrührerisches Revoluzzernest im Königreich Württemberg, einschließlich der damaligen Bürgermilitärmusiker, die auch zu den Ur-Ur-Ur-Großvätern der heutigen Stadtmusiker gehören.

In Schramberg sind seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts freie, wilde „Katzenmusiken“ bekannt. Gegen halb acht trafen sich am Fasnetsmontagmorgen „die ersten Bürger der Stadt“ in der Wirtschaft zur Konditorei – heute befindet sich an dieser Stelle der Friseursalon von Sebahat Yilmaz-Bader – um den „Katzenmusikzug“ zu eröffnen. Wie so mancher andere Brauch wurde auch dieser von der heutigen Narrenzunft Schramberg mehr und mehr „gezähmt“. So ist es heute eine Ehre, von einer „Katzenmusik“ besucht zu werden. Um 11 Uhr treffen die Katzenmusiken in einem Sternlauf auf dem Rathausplatz schließlich zum Preiswettspiel auf dem Rathausplatz zusammen. Ihre eigens komponierten Lieder sind stets voller Lokolkolorit und geben besser als jedes Meinungsforschungsinstitut über Volkes Meinung Auskunft.

Übergang Carsten Kohlmann

  • Am Ende der Moderation zu den verschiedenen Versionen Schramberger Narrenmärsche:
    • Markantes am Marsch von Fridolin Schinle:
      • Element vom Trio stammt vom Rottweiler Narrenmarsch
      • Schöne Nebenmelodien im Tenorhorn
      • Im Schlussteil beschwingt
      • Insgesamt „beschwingter“ Charakter

Am 23. Februar 1952 erklang beim damaligen Zunftball der Narrenzunft Schramberg hier im Bärensaal zum ersten Mal die Urform unseres heutigen Narrenmarsches.  Nach dem Zweiten Weltkrieg war für die Fasnet vielerorts die Zeit eines großen Neubeginns begonnen, der zu einer ihrer größten Blütezeiten in den 1950er- und 1960er-Jahren führen sollte. Nach NS-Zeit, Kriegsschrecken und Nachkriegselend war das Bedürfnis nach Vergessen und Verdrängen der Davongekommenen groß. Beim Hanselsprung am 27. Februar 1949 wurden – so ein Bericht in der damaligen Lokalpresse – noch mehrere „Narrenmärsche“ gespielt. Bei der Neubelebung der Fastnacht entfaltete sich eine beeindruckende Kreativität – nicht nur bei der Entstehung neuer Narrenfiguren und –kleider, sondern auch bei der Musik.

Otto Reiter senior und Otto Reiter junior, zwei leidenschaftliche Stadtmusiker, hatten die Idee zu einem eigenen Schramberger Narrenmarsch. Als Komponisten konnte man den jungen Musiker Walter Pfeifle (1919 – 1999) gewinnen, der seit 1934 der Stadtmusik Schramberg angehörte und seit 1950 Dirigent des Musikvereins Aichhalden war. Erstmals geprobt wurde er deshalb auch in Aichhalden.

In der Erstfassung ist das alte Studentenlied „Wer wollte sich mit Grillen plagen“ aus dem 18. Jahrhundert enthalten, das als „Schramberger Nationallied“ galt. Die Meinungen im Elferrat der Narrenzunft Schramberg gingen jedoch auseinander, so dass es zwei Jahre dauerte, bis der Schramberger Narrenmarsch bis zum Zunftball der Narrenzunft Schramberg am 27. Februar 1954 im Bärensaal in Musik und Text seine im Kern noch heute übliche Gestalt gewonnen hatte. Walter Pfeifle hat übrigens insgesamt zehn Narrenmärsche für Narrenzünfte im Landkreis Rottweil komponiert.

Kurzansage 1 à Weiter geht es nun mit der ersten Version des Schramberger Narrenmarsches aus dem Jahr… in welchem das Grillenlied enthalten ist. Viel Vergnügen!

Markantes:

  • Zweiter Teil nicht DBNF, sondern heutiger Schlussteil wie man ihn kennt („Schramberger Maidle“)
  • Grillenlied von Instrumentierung mit „Bordun-Bass“ à dadurch erhält der Marsch einen monumentalen Charakter

Kurzansage 2 à Wir kommen nun zu der Version des Narrenmarsches, die hier im Saal den allermeisten geläufig ist. Diese Version besteht seit …. Genießen Sie nochmals den Schramberger Narrenmarsch unter der Leitung von MD Meinrad Löffler

Markantes bei aktueller Fassung:

  • Mittelteil ist DBNF

Moderation 2

  • Wenn Sie nicht eh schon durch den Service der Kirchengemeinde satt sind, dann haben Sie jetzt zumindest einen Appetizer bekommen! An dieser Stelle dürfen wir gemeinsam einen Applaus in die Küche schicken. Dieser Abend wird zu 100% ehrenamtlich gestemmt. Ein Teil der Einnahmen am heutigen Abend geht im Übrigen an den Schramberger Kinderfonds. Ihr Konsum hat heute also definitiv einen Sinn!
  • Geografisch gehen wir nun ins direkte Umland der Talstadt. Wir gehen auf die Höhe! Widmen wir uns nun den Narrenmärschen aus den Stadtteilen von Schramberg. Dies sind Sulgen, Waldmössingen und Tennenbronn.
  • Beginnen werden wir mit den Narrenmärschen vom Sulgen und aus Waldmössingen (an der Fasnet besser bekannt als „Sauwadelhausen“). Aus wessen Feder stammt denn der Sulgener Narrenmarsch, Herr Kohlmann?

Die Narrenzunft Sulgen wurde im Jahr 1939 gegründet – in der Zeit des Nationalsozialismus und kurz vor dem Zweiten Weltkrieg – und entwickelte sich auf der Grundlage der dörflichen Traditionen der beiden ehemaligen Gemeinden Sulgau und Sulgen, die 1934 unter dem Namen Sulgen zusammengeschlossen worden waren.

Anfang der 1950er-Jahre komponierte und schrieb der örtliche Kirchenmusiker Bruno Heim für seinen Heimatort einen bemerkenswert politischen und deshalb auch hoch umstrittenen Narrenmarsch. In der Urfassung heißt es: „Krattenmacher, Lumpepack. Haut, haut ihn, haut ihn auf de Deez. Haut ihn, haut auf ihn auf de Schädel druf. Haut ihn, haut ihn auf de Deez.“ Mit „Krattenmacher – Lumpenpack“ meinte er die Nazis in seinem Heimatort, die schon bald nach dem Kriegsende wieder in alte Positionen gelangten, was ihn mit ohnmächtiger Wut erfüllte.

Aber auch musikalisch war sein Werk eine große Herausforderung. In den 1970er-Jahren habe sich ihr Vater, so berichtete mir kürzlich seine Tochter Uta Maria Heim, eine namhafte Schriftstellerin und Radiodramaturgin, erbarmt und in Altersmilde sowohl die Musik wie den Text abgeändert. „Der Narrenmarsch lag ihm zeitlebens sehr am Herzen“, schreibt Uta Maria Heim, „und nachdem er seine Sturheit endlich überwunden hatte, genoss er es doch sehr, wenn er ihn an der Fasnet auf der Straße hörte.“

Gehen wir nach Sauwadelhausen. Mit was für einem Marsch und was für einer Fasnet haben wir es in Waldmössingen zu tun?

Die Fasnet in Waldmössingen spielt eine besondere Rolle – und wird in ihrer Bedeutung bis heute von außen kaum erkannt. Zwischen den beiden Fasnetszentren Oberndorf und Schramberg entstand hier eine bemerkenswerte „Dorffasnet“ mit städtischen Einflüssen und ländlicher Eigenart.

Man kann das bereits daran sehen, dass in Waldmössingen die ältesten Fastnachtsmasken überliefert sind, die wir in der Großen Kreisstadt Schramberg bisher überhaupt kennen. 1923 „landeten“ hier auch die historischen Narrenkleider aus Schramberg – Weißnarrenkleider mit weithin einzigartigen Malereien – und lebten dort als so genannte „Roller“ bis in die 1950er-Jahre noch fort. Leider sind sie bis heute verschollen.

Die Narrenzunft Waldmössingen wurde im Jahr 1935 gegründet. Zu den Narrensprüngen wurden in Waldmössingen zunächst der „Alte Jäger“ und der Rottweiler Narrenmarsch gespielt. Nach der Gründung der Hanselgilde im Jahr 1964 – mit der Gestaltung eines neuen, ortsspezifischen Hansels – entstand auch ein eigener Narrenmarsch, komponiert und geschrieben von dem Ehepaar Arthur und Erna Daubenberger aus Bruchsal.

Erna Daubenberger – ihr Mann verstarb im Jahr 2013 – war vor zwei Jahren letztmals in Waldmössingen und hat im Alter von 90 Jahren noch einmal den Musikverein Eintracht Waldmössingen 1857 an der Fasnet dirigiert.

  • Markant (Sulgen): die Tenorhorn/Horn stimme. Nähe zu Schramberg ergibt sich aus einer Passage des Schramberger Narrenmarschen
  • Markant (Waldmössingen):
    • Vom Tempo langsamer à gesetzterer Charkater
    • Trioeinleitung wird wiederholt à ist unüblich

Einleitung führt in Refrain (Sauwadelhausen)

Moderation 3

  • Witz: In der Pause eines Konzertes kommt der Dirigent zum ersten Hornisten und sagt: – „Na mein Lieber, außer Kollegen haben Sie heute hier noch nicht viel getroffen!“
  • Die Hörner haben es heute übrigens sehr monoton. Sie spielen außer bei einem Stück ausschließlich Nachschlag!
  • Es geht in den Süden. Wir wenden uns jetzt unserem jüngsten Stadtteil zu. Tennenbronn. Es freut uns ungemein, dass wir heute sogar einen „waschechten“ Tennenbronner mit im Orchester sitzen haben. Felix wink mal! Er war kürzlich in einer anderen Angelegenheit bei uns in der Probe und hat dann einfach gefragt, ob er mitspielen darf! Gelebte Musikerfreundschaft würde ich sagen!
  • Ja, Tennenbronn liegt wunderbar eingebettet ins Tal der Schiltach (Berneck) und schönen Schwarzwaldtälern und bringt nicht nur die Schiltach (Berneck) nach Schramberg, liebe DBNF. Bei Tennenbronn handelt es sich um einen sehr traditionsbewussten und ebenso musikalischen Ort. Zwei große sinfonische Blasorchester kommen auf gerade mal 3500 Einwohner. Auch was die Fasnet angeht sind unsere Tennenbronner Freunde sehr aktiv. Wie sieht es denn mit den Narrenmärschen in Tennenbronn aus? Gibt es da auch mehrere?

Wir spielen heute nur den Tennenbronner Narrenmarsch

Mit unserem Stadtteil Tennenbronn kommen wir zu einer typischen Schwarzwälder Dorffastnacht. Wie in vielen kleineren Gemeinden des Schwarzwaldes wird auch in Tennenbronn schon lange Fasnet gefeiert, zunächst jedoch in recht einfacher Art und Weise. Der große Entwicklungsschub – und die Anpassung an die sich immer mehr entfaltende schwäbisch-alemannische Fasnet – kam erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Fasnetsfiguren des Schwarzwaldes sind sehr landschafts- und naturgebunden.

Die Narrengilde Pfriemenstumpen – in meinem Geburtsjahr 1972 gegründet – hat sich mit ihrer Hauptfigur an dem das Landschaftsbild so eindrucksvoll prägenden Besenginster orientiert. 1986 kamen noch der Kappelgeist und 1987 der Erzknappe dazu.

Neben dem Narrenmarsch der Pfriemestumpe gibt es noch einen eigenen Narrenmarsch der Ichbe-Hexe. Den Pfriemestumpe hat die Tennenbronner Ehrenbürgerin Esther Haas ein Gedicht gewidmet: „Narr, trag mit Ernst des Blüetegwand! Du lehrsch debi doch ällerhand! Die Stumpe-Chronik tief und schei, bisch selbst echt, blibt si dir treu! Un kunnsch du noch so spot ins Bett, vergiß au Gott an Fasnet net! Du woasch, de Pfrieme-Stumpe isch es Gegetoal vom Flädrewisch!“

Moderation 4

  • Wir starten mit einem weiteren Musikerwitz. Liebe Trompeten. Zuhören!

Wie viele Lautstärkeabstufungen hat eine Trompete? – Zwei: an und aus!

  • Es geht nun aus den Stadtgrenzen hinaus und trotzdem bleiben wir auf der Höhe. Wir fahren von Tennenbronn aus die Altenburger Steige hoch und landen auch im Süden bei unserer Nachbargemeinde Hardt. Von dort hat man wahrscheinlich die schönste Einfahrt in unsere 5-Täler hat. Musikalisch verbindet uns unter anderem mit dem Hardt, die Freundschaft mit den Musikerinnen und Musikern des MV Concordia Hardt. Fasnetliche Verbindungen hat auch die NZ Schramberg. Sie ist die Patenzunft der Hardterner Katzenzunft. Carsten, was hast du uns für Informationen über die Fasnet auf dem Hardt und den dortigen Katzenmarsch?
  • Markant:
    • Teil des Schramberger Narrenmarsches eingebaut (Mittelteil)
    • Eher Blech-lastig

Mit der Katzenzunft Hardt ist die Narrenzunft Schramberg durch eine Jahrzehntelange Freundschaft verbunden – das Stichwort „Rolletag“ genügt an dieser Stelle. In den frühen 1950er-Jahren stellte der Musikverein Concordia Hardt auch stets die zweite Musikkapelle für den Hanselsprung in Schramberg. Als 1958 in Hardt die Katzenzunft gegründet wurde – den alten Ortsnecknamen „Katzerolle“ aufgreifend – kam im Vorfeld des ersten Fastnachtsumzuges auch der Wunsch nach einem eigenen Narrenmarsch auf. Der Text stammt von Josef Stollbert und Max Broghammer, die Komposition von Otto Haas, dem damaligen Dirigenten des Musikvereins Concordia Hardt. In der Mitte der 1970er-Jahre wurde die schwer zu spielende Erstfassung von dem damaligen Dirigenten Josef Storz mit Unterstützung von Walter Pfeifle aus Aichhalden überarbeitet.

  • Nachdem wir auf dem Hardt waren machen wir einen Sprung in unsere Lieblingsnachbargemeinde: Lauterbach! Idyllisch gelegen, wenden sich die Lauterbacher an der Fasnet dem Beeren sammeln zu! Bei dem Narrenmarsch dürfen wir uns auf einen der, wie ich finde und ebenso auch unser Dirigent, schönsten Narrenmärsche überhaupt freuen!
  • Markant:
    • Komponist Helmut Bräuer (war auch Dirigent in Sulzbach und Tennenbronn) war nach dem Krieg inspiriert von amerikanischer Musik! Schlägt sich in Narrenmarsch nieder.
    • Läufe der Holzbläser
    • „Eerle, eerle mir kommet aus de Beerle“ ist außergewöhnlich instrumentiert in einem dreistimmigen Satz

Die Fasnet in unserem Nachbarort Lauterbach ist wie die Fasnet in unserem Stadtteil Tennenbronn eine typische Schwarzwälder Dorffastnacht aus der neuen Blütezeit der schwäbisch-alemannischen Fastnacht nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Narrenzunft Lauterbach wurde 1949 gegründet. Der Beerlema ist eine sehr originelle, aus der Landschaft des Schwarzwaldortes Lauterbach geschöpfte Narrenfigur. Anfang der 1950er-Jahre – das genaue Jahr ist leider nicht überliefert – hat der Musiker Helmut Bräuer (1998) den Lauterbacher Narrenmarsch komponiert. Der Komponist war auch der Kopf einer sehr bekannten Tanzkapelle dieser Zeit und als Dirigent der Musikvereine Harmonie in Lauterbach-Sulzbach und Frohsinn in Tennenbronn bekannt.

Moderation 5

  • Wir werden Überregional, meine lieben Narrenmarschfreunde! Lassen Sie uns gemeinsam einen Sprung auf die schöne Baar machen. An den Ursprung der Donau – nach Donaueschingen! Eine tolle Fasnet gibt es dort mit der dortigen Narrenzunft „Frohsinn“ Donaueschingen. Und den von dort stammenden Narrenmarsch werden Sie ganz sicher alle kennen. Plump könnte man sagen, dass die Melodie folgende Geschichte erzählt: Er handelt von einem gewissen Hans, der offensichtlich ein „Regenschirm-Vergesser“ war und womöglich aus Zucker war. Deswegen hatte man Angst um ihn. Daraus ergab sich der Ruf: Hans blieb do! Du weisch jo net wie es Wetter wird! Oder so ungefähr ;) Übergang à
  • (Herr Kohlmann, wie ist es wirklich und was hat es mit dem Narrenmarsch auf sich?)

Das Lied „Hans blib do“ gilt in der Literatur als „volksmusikalische Allerweltsmelodie“. Sie war – und ist – im deutschsprachigen Raum sehr weit verbreitet. Entsprechend zahlreich sind auch die Belege im Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg im Breisgau. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Lied zu einem Teil der Fasnet in der fürstlich-fürstenbergischen Residenzstadt Donaueschingen. Der damalige Hofkapellmeister Johann Wenzel Kalliwoda integrierte das Lied im Jahr 1840 in einen Narrenfestmarsch. Im Lauf der Zeit verselbständigte sich das Lied zum Narrenmarsch in Donaueschingen. Von dort aus wurde er auch andernorts auf der Baar und im angrenzenden Schwarzwald populär: in Bräunlingen, Geisingen und Hüfingen sowie in Furtwangen und in Triberg.

  • Markantes:
    • „Hans blieb do“ wird von vielen Orten und Städten als Narrenmarsch gespielt. Die Fassung, die wir heute spielen, ist speziell für die Stadtkappelle Donaueschingen geschrieben worden. Die Fassung ist relativ neu. Hier kommt das Thema „Hans blieb do“ erst am Ende des Marsches.
    • spielerisch
    • schwungvoll

Moderation 6

  • Stichwort 4er Bund. Erst kürzlich haben sich in Überlingen am Bodensee die aus der VSAN ausgetretenen 4 Narrenzünft Oberndorf, Rottweil, Elzach und Überlingen getroffen. Altehrwürdige und darunter wahrscheinlich auch die ältesten Narrenmärsche der schwäbisch alemannischen Fasnet kommen im jetzt folgenden Teil unseres Konzertes. Wir beginnen in Oberndorf am Neckar. Lieber Carsten, du als Obernberger-Schramdorfer wirst jetzt sicherlich sprudeln!
  • Zuvor können wir aber das Publikum schon mal darauf testen, ob es den Titel/Refrain des Oberndorfer Narrenmarsches drauf hat:

Oh jehrum, oh jehrum dia Fasnet hot a Loch

  • Markantes:
    • Melodie erinnert an „Ihr kinderlein kommet“
    • Nebenmelodie im Tenorhorn
    • Wird vom Tempo her flüssig gespielt.
    • Im letzten Teil des Marsches wird in Oberndorf „naus g´juchzt“

„Zwei Seelen, wohnen, ach, in meiner Brust“, hat uns Johann Wolfgang Goethe in einem klugen Wort hinterlassen. So empfinde ich – als geborener Schramberger und gewordener Oberndorfer – auch die Narrenmärsche meiner beiden Heimatstädte. Mein Herz hat sich geteilt – durch eine Hälfte fließt das Blut der Schramberger, durch die andere Hälfte das Blut der Oberndorfer Fasnet. Dieses Mischverhältnis ist meine ganz persönliche Fasnet – ein großes Geschenk meines Lebens. Ich freue mich daher sehr, auch einige meiner Freunde aus der Arbeitsgemeinschaft Oberndorfer Fasnet mit einem starken Band nach Villingen heute hier in Schramberg begrüßen zu können.

Und – so kann ich allen Schrambergern nur ans Herz legen – wer den Oberndorfer Narrensprung am Morgen des Fasnetsdienstages noch nie erlebt hat, sollte sich dieses Jahr am Fasnetsdienstag ein Herz fassen, in aller Frühe aufstehen und sich auf den Weg in die Nachbarstadt im Neckartal machen, um dabei zu sein, wenn es um 8.30 Uhr heißt: „D’Kirch isch aus, Narre raus!“

 Jeden Schramberger, den ich erkenne, wird nicht mit leeren Händen und Taschen nach Hause gehen – wie in Oberndorf am Neckar üblich. Hier darf man nicht nur angucken, was ausgeworfen wird – man bekommt es sogar: Und zwar in Hülle und Fülle – vielleicht ein Vorschein des Paradieses, wie ein guter Fastnachtsfreund einmal schrieb.

Oberndorf ist eine alte, bedeutende Narrenstadt am oberen Neckar – mit einer faszinierenden Geschichte und einem zauberhaft schönen Narrensprung. Und dazu gehört natürlich auch ein zauberhaft schöner Narrenmarsch. Er stammt – örtliche Fastnachtssprüche vertonend – aus dem Jahr 1927 und wurde von Musikdirektor Karl Scharrer geschaffen.  Seit dieser Zeit wird der Narrensprung in Oberndorf am Neckar von der Stadtkapelle begleitet, die heute vor einer Woche in der ehemaligen Augustinerklosterkirche mit einem Fastnachtskonzert das dortige Publikum begeistert hat.

Moderation 7

  • So, jetzt machen wir uns auf den Weg über Hornberg und Gutach hoch zum Landwassereck und hinunter ins bei vielen gefürchtete und auch so schon leibhaftig erlebte Prechtal! An dessen Ende kommen wir ins Elztal und dort nach Elzach. Unserem nächsten Ort und Narrenmarsch. Wer kennt sie nicht, die roten „Schuttig“ die immer laut knurren und nachts mit Fackeln unterwegs sind. Die Stadtmusik Elzach erinnert an der Fasnet an unsere Dominos von vorhin. Auch sie sind mit Spitzhüten unterwegs an der Fasnet.
  • Der Elzacher Narrenmarsch ist auch ein sehr schönes Exemplar der schwäbisch alemannischen Fasnet.
  • Wie alt ist der Marsch denn und aus wessen Feder stammt er?
  • Übergang Carsten
  • Markantes:
    • Sehr tänzerisch
    • Ringtanzmäßig
    • Sehr virtuos in den Holzbläsern
    • Holzbläser spielerisch
    • Schöne Nebenmelodie in Posaunen/tiefes Blech

Elzach – was für ein klangvoller, kurzer Name. In der kleinen, alten, einst vorderösterreichischen Stadt im Elztal auf dem Weg nach Freiburg im Breisgau ist eine der berühmtesten Fastnachten des Schwarzwaldes zu Hause, für die der Begriff „Schuttig“ steht, einer der zweifellos zumal in ihren zahlreichen Variationen eindrucksvollsten Figuren und Gestalten der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Wie eine „Lawine“ erscheinen die „Schutigge“, wenn sie sich in Bewegung setzen – ein selten gewaltiges Bild.

Die Narrenzunft Elzach wurde 1924 gegründet – im gleichen Jahr wie die heutige Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte, kehrte aber diesem Dachverband zusammen mit Rottweil, Überlingen und Oberndorf bekanntlich den Rücken. Die historischen Wurzeln der Elzacher Fasnet reichen jedoch weit über das Gründungsjahr zurück.

In Elzach ist ein alter Narrenmarsch überliefert, auf die Zeit „um 1900“ datiert, der aber heute nicht mehr gespielt wird. Im Jahr 1911 wurde der heutige „Schuttigmarsch“ eingeführt, der sich an den Marsch „Alter Hagnauer“ aus dem benachbarten Elsass anlehnt. Er ist einer der bekanntesten – und fraglos prägnantesten – Narrenmärsche der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Als „Bärenmarsch“ wird er auch in Telfs in Tirol, der österreichischen Partnerstadt von Elzach, gespielt. In Telfs ist übrigens eine der bedeutendsten Fastnachten des alpenländischen Kulturraums zu Hause – das berühmte Telfer Schleicherlaufen, das nur alle fünf Jahre stattfindet.

Moderation 8

  • Als letzten Vertreter des Viererbundes am heutigen Abend, besuchen wir nun die alte Reichsstadt und heute unsere Kreisstadt, Rottweil am Neckar. Ich denke jeder im Saal hat sofort das Schwarze Tor im Kopf und den Narrenbandwurm, der pünktlich ab 8 Uhr am Fasnetsmontag die Hauptstraße hinunter springt. Hier in Schramberg wecken derweil die Katzenmusiken die Stadt. Carsten, wann wurde er geschrieben und von wem und auf was dürfen wir uns nun freuen?

Die alte Reichsstadt Rottweil ist gewiss einer der wichtigsten Repräsentanten der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Indes wirft sie mit ihrer Entwicklung zu einer Massenveranstaltung mit Tausenden von Narren mittlerweile auch schwierige Fragen auf. Dennoch ist der am Fastnachtsmontag mit dem 8 Uhr-Glockenschlag auf dem Schwarzen Tor beginnende Narrensprung bis heute ein einzigartiges Schauspiel für alle Fastnachtsfreunde.

Der Rottweiler Narrenmarsch gilt als der älteste Narrenmarsch der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. 1882 wurde er von dem städtischen Musikdirektor Heinrich von Besele komponiert – mitten in der Zeit, als auch in Rottweil die alte Fastnacht mehr und mehr zu verschwinden drohte und der moderne Prinz Karneval mehr und mehr vordrang – und das erste Mal bei einem Konzert in der Reithalle von Kommerzienrat Max (von) Dutttenhofer uraufgeführt. Indes geriet er schnell in Vergessenheit und wurde erst drei Jahrzehnte später wieder neu entdeckt und 1911 von der Stadtkapelle Rottweil beim Narrensprung wieder gespielt. Einige Jahre zuvor war 1903 die Narrenzunft Rottweil gegründet worden, die sich zum Ziel setzte, die alte Fastnacht wieder neu zu beleben.

Die Komposition von Heinrich von Besele verbreitete sich auch bald über Rottweil in andere große und kleine Fastnachtsorte im schwäbisch-alemannischen Raum – und nahm damit eine Leitfunktion für die spätere Entwicklung weiterer Narrenmärsche ein.

  • Markantes:
    • Monumental-feierlicher Charakter
    • „Hymnenhaftes“ Thema
    • Für Trompeten und Flügelhörner ein sehr anspruchsvoller Marsch
    • Im Trio außergewöhnliche harmonische Wendungen

Moderation 9

So, bevor wir am heutigen Abend zu einem weiteren Höhepunkt kommen, dürfen unsere Musikerinnen und Musiker auf der Bühne nochmals kurz durchatmen und selber zusehen und zuhören. Wir freuen uns, dass die Bürgervereinigung Rosswald aus der Talstadt heute Abend unser Gast ist. Die Rosswälder sind ein wichtiger Bestandteil unsere Fasnet. Vielen sind sie am Fasnetsonntag als Rumziehtruppe bekannt. Beim Umzug am Montag haben sie auch ihre eigenen Hexen mit dabei. Bühne frei!

Moderation 10

Vielen Dank an die Rosswälder.

So, jetzt ist es soweit. Ich freue mich ganz besonders auf einen weiteren Höhepunkt an diesem Abend! Man kann sicher sagen, dass uns mithilfe unseres aktiven Ehrenmitglieds und Ideengebers für den heutigen Abend – Holger Gögelein, ein Coup gelungen ist. Wir gehen gemeinsam musikalisch und erfreulicherweise auch optisch nochmals auf die Baar und landen tatsächlich in Villingen. Eine der großen Fasnetshochburgen des Südwestens. Wir dürfen uns gleich auf einen wunderbaren Narrenmarsch freuen, der ganz offensichtlich ein wenig anders geartet ist, als die, die wir bisher am heutigen Abend gehört haben. Was hat es hiermit auf sich?

Die alte habsburgisch-vorderösterreichische Zähringerstadt Villingen und die alte habsburgisch-vorderösterreichische Herrschaft Schramberg verbinden historisch-kulturelle Beziehungen, die bis in das Mittelalter zurückreichen. Bereits der Gründer der Herrschaft Schramberg und Erbauer des ersten Schlosses auf dem Schramberg, Hans von Rechberg, war mit Villingen eng verbunden – und ließ sich im dortigen Franziskanerkloster beisetzen.

Im Lauf der Jahrhunderte entstanden auch immer wieder familiäre Beziehungen, indem aus beruflichen oder persönlichen Gründen Schramberger nach Villingen zogen oder Villinger nach Schramberg. In der Gegenwart repräsentiert die Familie Neininger diese Tradition – auch im Elferrat der Narrenzunft Schramberg. Die Erforschung dieser Schramberger-Villinger-Geschichten steckt erst noch in den Anfängen, stellt aber einen sehr bedeutsamen Schlüssel dar, um die örtliche Fastnachtsgeschichte verstehen zu können.

Dass es in Schramberg früher Narrenkleider aus Villingen gab, ist eigentlich jedem bekannt, der sich in der örtlichen Fastnachtsgeschichte etwas auskennt. Einige wenige dieser Narrenkleider haben auch die Zeiten überdauert. Die einstigen „Kulturvermittler“ sind jedoch vergessen, weiß doch niemand mehr, wer zum Beispiel die Familie Konstanzer war, die aus Villingen nach Schramberg kam, ein 1962 abgebrochenes Haus am Brestenberg bewohnte und Narrenkleider aus Villingen mitgebracht hatte? Diese Narrenkleider – wir sehen Sie hier auf dem ältesten bisher bekannt gewordenen Bild aus dem Jahr 1906 vor unserem ehemaligen Gasthaus „Schützen“ – kamen später in den Besitz von Reinhard Moosmann in der Hauptstraße und wurden bis in die 1930er-Jahre verliehen.

Nach dem Verlust der 1923 nach Waldmössingen verkauften Narrenkleider wurde 1925 der „Schramberger Original-Hansel“ geschaffen – angelehnt an den Narro aus Villingen. Ganz bewusst wurden deshalb auch bereits im „Geburtsjahr“ ein Narro aus Villingen und ein „Schramberger Original-Hansel“ nebeinander fotografiert. Diese Entwicklung war vor dem Hintergrund der jahrhundertelangen Verbindung zwischen Schramberg und Villingen „konsequent“ – auf ähnliche Art und Weise war der Narro aus Villingen offensichtlich auch bereits schon früher der „Geburtshelfer“ für den Narro in Oberndorf am Neckar.

Der Narrenmarsch der Historischen Narrozunft Villingen 1584 stammt aus dem Jahr 1929 und wurde von Wilhelm Tempel (1880 – 1937), dem damaligen Leiter der Stadtkapelle Villingen geschrieben und komponiert. 1930 wurde er bei einem der ersten Narrentreffen des damaligen Gauverbandes badischer und württembergischer Narrenzünfte in Rottweil das erste Mal aufgeführt.

Seine Geschichte ist indes mit manchen Fragen befunden, mit denen man sich in Villingen in der letzten Zeit verstärkt beschäftigt. Eine Diskussion beim „Schemeobed“ der Historischen Narrozunft Villingen gab hier wichtige Impulse. Bereits im Programm zum 1. Oberdeutschen Narrentreffen im Jahr 1928 in Freiburg im Breisgau wird im Programm ein „Villinger Narrenmarsch“ genannt, obwohl der heute bekannte Narrenmarsch von Wilhelm Tempel erst aus dem Jahr 1929 stammt. Der 1928 belegte Narrenmarsch ist verschollen. Aber wer weiß, vielleicht wird er wie der Narrenmarsch von Fridolin Schinle in Schramberg eines Tages ebenfalls wieder entdeckt?

Mittlerweile weiß man auch, dass im Villinger Narrenmarsch einige andere Melodien stecken – unter anderem aus dem Schlager „Am Bosporus“ des bekannten Theaterkapellmeisters Paul Lincke (1866 – 1946) aus dem Jahr 1911. Die Textgrundlage ist das so genannte „Villinger Burgerlied“, das indes nicht „Original-Villingen“ ist, sondern eigentlich aus der alten vorderösterreichischen Donaustadt Munderkingen stammt und auch seinen Weg in die alte fürstenbergische Stadt Wolfach im Kinzigtal fand – beides ebenfalls bedeutende Fastnachtszentren in ihrer jeweiligen Region.

Markant:

  • Im Vergleich zu anderen Narrenmärschen wesentlich langsamer!
  • Marsch ist ein „Rheinländer“ à Volkstanz

Freuen sie sich mit uns auf diesen historischen Moment und begrüßen sie mit uns auch den Spielmannszug der Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen unter der Leitung von Bernd Schermann!

 

Mehr auf NRWZ.de