Der Schwarzwaldverein Schramberg war zur Wanderwoche in der Provence. Foto: pm

Schram­berg. Auf den Spu­ren des Dich­ters Fran­ces­co Petrar­ca waren 41 Wan­de­rer des Schwarz­wald­ver­eins Schram­berg in der Pro­vence unter­wegs. Wäh­rend licht- und wär­me­durch­flu­te­ter Tage lern­ten die Wan­de­rer unter­schied­li­che Facet­ten die­ser geschichts­träch­ti­gen Regi­on in Süd­frank­reich ken­nen, wie der Ver­ein in einer Pres­se­mit­tei­lung infor­miert.

Die ers­te Tour führ­te durch die Busch­hei­de­land­schaft der Gar­ri­gue von Sern­hac zum Pont du Gard, ein monu­men­ta­les Aquä­dukt aus römi­scher Zeit. Anschlie­ßend besuch­te die Grup­pe Avi­gnon, die berühm­te Stadt der Päps­te und zeit­wei­li­ger Auf­ent­halts­ort Fran­ces­co Petrar­cas. Er gilt als „Vater“ des Alpi­nis­mus, ihm wird die ers­te tou­ris­ti­sche Bestei­gung des Mont Ven­toux zuge­schrie­ben. Wäh­rend man noch den monu­men­ta­len Palast der Päps­te bestaun­te, erklan­gen Glöck­chen eines fest­li­chen Umzu­ges, mit dem die umlie­gen­den Win­zer­ge­nos­sen­schaf­ten um eine gute Wein­le­se bit­ten. Beim Ein­zug in die Kathe­dra­le stimm­ten die Glo­cken der Kathe­dra­le mit ein – ein beson­de­res Erleb­nis. Stre­cken­aus­beu­te des ers­ten Tages: 14 Kilo­me­ter bei bis zu 32 Grad.

Die klei­nen Alpil­len waren das Ziel des zwei­ten Wan­der­ta­ges. Ent­lang eines Höhen­zu­ges blick­te man auf frucht­ba­re Täler mit Oli­ven, Wein und Auber­gi­nen. Ein wun­der­schö­ner Aus­sichts­punkt gegen­über eines his­to­ri­schen Berg­dörf­chens „Les Baux-de-Pro­vence“ zog alle Wan­de­rer in sei­nen Bann. In einem wei­ten Bogen wur­de das Dörf­chen erreicht, das als eines der schöns­ten Orte Frank­reichs gilt. Dabei wur­den im Umfeld der Kalk­fel­sen ver­steck­te, aber den­noch rie­si­ge in den Fels geschnit­te­ne Recht­ecke sicht­bar – hier wur­de bis Mit­te des 20. Jahr­hun­derts Bau­xit abge­baut, ein Grund­stoff für Alu­mi­ni­um. Sei­nen Namen ver­dankt Bau­xit sei­nem ers­ten Fund­ort Les Baux-de-Pro­vence, wo es 1821 von Pierre Bert­hi­er ent­deckt wur­de.

Von der Burg­rui­ne bie­tet sich ein wei­ter Blick über eine wild­ro­man­ti­sche Land­schaft und beim Bum­mel durch das sehens­wer­tes Dörf­chen kon­kur­rier­ten her­vor­ra­gen­de Oli­ven­öl­pro­duk­te, fei­ne Taschen aus Kork und die typi­schen leich­ten, aus Papier gefloch­te­nen Hüte um Auf­merk­sam­keit. Ergeb­nis: 13,4 Kilo­me­ter und etli­che neue Hüte als Son­nen­schutz.

Als nächs­tes wur­de die „Gor­ge du Ver­don“ in Angriff genom­men, die Schlucht gilt als Grand Can­yon Euro­pas. Ins­ge­samt 21 km lang beein­druckt die Schlucht mit bis zu 700 Meter Tie­fe. Dies­mal führ­ten schma­le fel­si­ge Pfa­de hin­ab bis zum Grund der Schlucht. Stei­le Fels­wän­de umrah­men tür­kis­blau­es Was­ser. Nach der Ves­per­pau­se mit Blick auf die Flu­ten des Ver­don führ­ten schon bald etli­che Ser­pen­ti­nen wie­der nach oben. Danach waren die meis­ten auch mit „nur“ 7 Kilo­me­tern Lauf­leis­tung bei 400 Höhen­me­tern zufrie­den. Mit dem Wan­der­bus gelang­ten die Teil­neh­mer zu einem Aus­sichts­punkt: schrof­fe Fel­sen bil­de­ten den Hin­ter­grund für Gän­se­gei­er, die die Wan­de­rer mit ihren majes­tä­ti­schen Flug­küns­ten beein­druck­ten. Auf der Rück­fahrt nach Oran­ge, dem Stütz­punkt die­ser Rei­se wur­den die berühm­ten Laven­d­el­fel­der bewun­dert und neben­bei erhiel­ten die Wan­der­freun­de detail­lier­te Infor­ma­tio­nen zu den Pflan­zen, deren Heil­kräf­te und Anwen­dungs­ge­bie­te.

Das Dach der Pro­vence – der Mont Ven­toux – wur­de nun bestie­gen. An sei­nen Hän­gen ver­ei­nigt der Ven­toux alle euro­päi­schen Kli­ma- und Vege­ta­ti­ons­zo­nen vom Mit­tel­meer bis Lapp­land. Von wei­tem scheint es, als lie­ge noch Schnee auf dem kah­len Gip­fel. Die­ser Ein­druck wird durch ein mäch­ti­ges Kalk­schot­ter­feld her­vor­ge­ru­fen. Als Etap­pe der Tour de Fran­ce lock­te der Mont Ven­toux auch vie­le Rad­fah­rer an, die sich die Ser­pen­ti­nen hoch­kämp­fen. Am Gip­fel lie­ßen sich die Wan­de­rer den Wind um die Nase wehen und genos­sen die Rund­um­sicht. Nach ins­ge­samt 500 Metern Auf- und Abstie­gen waren 15 Kilo­me­ter zurück­ge­legt, anschlie­ßend wur­den die Wan­de­rer bei einer klei­nen Wein­pro­be am Fuße des Mont Ven­toux belohnt.

Zum Abschluß der Wan­der­ta­ge führ­te eine leich­te Tour durch die Ocker­fel­der des Colo­ra­do Pro­vencal bei Rust­rel. Inmit­ten grü­ner Kie­fern­wäl­der lie­gen die ehe­ma­li­gen Ocker­brü­che, deren inten­si­ve Far­ben auch heu­te noch begeis­tern. Sanf­te Hügel und schrof­fe Fel­sen lie­gen in ein­zig­ar­ti­gem Ensem­ble bei­ein­an­der und wäh­rend man in einem gro­ßen Bogen wie­der zum Aus­gangs­punkt zurück­kehrt, kann man auch von oben noch ein­mal die Sze­ne­rie bewun­dern.

Nach der Wan­de­rung besuch­ten die Teil­neh­mer den male­ri­schen Ort Fon­tai­ne de Vau­clu­se, der einen der größ­ten Quell­töp­fe Euro­pas beher­bergt. So kamen ins­ge­samt 10 erwan­der­te Kilo­me­ter zusam­men.

Wäh­rend noch ein­mal der Mis­tral blies, hieß es Abschied neh­men von einer über­ra­schend viel­fäl­ti­gen Regi­on, die noch vie­le wei­te­re inter­es­san­te Orte zum Erkun­den bereit­hält.

Dank­bar für die gebo­te­nen Erleb­nis­se ver­ab­schie­de­ten sich die Wan­de­rer, in Vor­freu­de auf den gemein­sa­men Film­abend im Novem­ber. Dazu ein Zitat von F. Petrar­ca: „Und es gehen die Men­schen hin, zu bestau­nen die Höhen der Ber­ge, die unge­heu­ren Flu­ten des Mee­res, die breit dahin­flie­ßen­den Strö­me, die Wei­te des Oze­ans und die Bah­nen der Gestir­ne und ver­ges­sen dar­über sich selbst.“