Sommerferienprogramm der Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn

Wie sieht eigentlich die Ferienzeit bei Menschen mit Behinderung aus? Die Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn bietet aktuell ihren Betreuten während des zweiwöchige Sommerferienprogramms abwechslungsreiche, spannende und erholsame Aktionen und Ausflüge an.  Darüber berichtet die Stiftung:

Das Sommerferienprogramm der Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn richtet sich an Bewohner der Einrichtung, die im Sommer nicht mehr nach Hause fahren können, weil es beispielsweise zu weit ist oder sie keine Angehörigen mehr haben. Ein sechs-köpfiges Team, bestehend aus Mitarbeitenden aus dem Sozialdienst, Studenten der Sozialwirtschaft und FSJ-lern, kreieren für sie ein Freizeitprogramm mit vielen verschiedenen Erlebnissen und für Kontakt und Austausch untereinander. „Uns ist sehr wichtig, dass die Bewohner neue Menschen kennen lernen und sich auch mit Menschen ohne Behinderung austauschen können, ganz im Sinne der Inklusion. Deshalb orientieren wir uns im Gemeinwesen und suchen Aktionen in der ganzen Region aus“, so Nora Auber aus dem Sozialdienst Bewohner und Ehrenamt.

Betreute Menschen und ihre Begleiter beim Tagesausflug nach Konstanz.

In diesem Sommer war das Programm bisher märchenhaft und tierisch. In der ersten Woche konnten die Teilnehmenden zwischen Tagesausflügen nach Konstanz, ins Badeparadies Titisee-Neustadt oder einem gemütlichen Vormittag beim Schlemmerfrühstück im Frieder oder einen Nachmittag in der Bibel-Erlebniswelt in Schönbronn wählen.

Teilnehmerin Jennifer Neumann beim Bibel lesen in Blindenschrift in der Bibel-Erlebniswelt in Schönbronn

Auch gab es spannendes über das Klosterleben in Heiligenbronn zu erfahren. Die Generaloberin, Schwester Agnes, begleitete den Rätsel-Rundgang, den die FSJ-ler für die Betreuten und ihre Begleiter organisiert hatten.

Teilnehmerin Hildegard Detscher mit Generaloberin Schwester Agnes beim Rätsel-Rundgang im Garten der Sinne in Heiligenbronn.

Das Sommerferienprogramm ist dabei immer auf Menschen mit Behinderung abgestimmt. „Wir achten darauf, dass möglichst alle Angebote barrierefrei sind, sei es das Gebäude oder das Schwimmbad usw. Wichtig ist uns, dass beispielsweise Führungen auch für Blinde ausgelegt sind und es Angebote für alle Sinne gibt, das heißt zum Fühlen, Riechen und Schmecken“, erläutert Nora Auber.

Die goldene Kugel vom „Märchen Froschkönig“ gab es für Teilnehmerin Gerlinde Schimmer zum Ertasten.

Ein Höhepunkt der ersten Woche des Sommerferienprogramms war der Märchenweg mit allen Sinnen in Heiligenbronn. Vom regnerischen Wetters ließen sich die Organisatoren vom Sozialdienst in Heiligenbronn nicht die Laune verderben. „Da müssen wir flexibel sein“, erklärt Jamie Young, welche gerade ihr DH-Studium in der Stiftung absolviert. Das Organisationsteam schwenkte kurzerhand auf den Elisabetha-Glöckler-Saal und dekorierte diesen mit weichen Luftmatratzen, bunten Tüchern, Schirmen und eigens bemalten Bannern, welche für eine märchenhafte Stimmung sorgten.

Neben der Möglichkeit Märchen wie Hänsel und Gretel, Schneewittchen oder der Froschkönig über den Hörsinn zu erleben, hatten die Organisatoren zugehörige Gegenstände für eine taktile Erfahrung mitgebracht. So konnten die Teilnehmenden zum Beispiel eine Krone oder eine Zwergenmütze erfühlen. Selbstgebackene Lebkuchen und ein Zaubertrank sprachen dabei den Geruchs- und Geschmackssinn der Teilnehmenden an.

Kreativität stand am Anfang der zweiten Woche im Fokus. Beim Bastelnachmittag konnten die Bewohner entweder eine Seife ganz individuell mit Duft, Form und Farbe gestalten oder einen Frosch beziehungsweise eine Blume filzen. Hilfreiche Tricks gab dabei die blinde Ehrenamtliche, Sabine Ludi, welche ebenfalls einen Strick-Treff in der Stiftung anbietet. Das Gebastelte durfte jeder für sich als Andenken an das Sommerferienprogramm mit nach Hause nehmen.

Es warten noch spannende Tage mit vielen neuen Erlebnissen und Bekanntschaften zwischen Mensch und Tier auf die Betreuten, wie zum Beispiel eine Pferdekutschfahrt auf dem Sulgen oder den Besuch der Heuberg-Lamas in Böttingen. Die Teilnehmenden können die Lamas streicheln, putzen, füttern, ihre Hufe auskratzen, führen und schmusen. „Wir lernen die Bewohner bei solchen Angeboten noch besser und näher kennen“, resümiert Nora Auber. 

Während an den beiden Wochen des Sommerferienprogramm zwischen 20 und 30 Personen teilnehmen, werden zum Ausklang am Freitag bis zu 120 Personen erwartet. Denn dann spielt das Akkordeon-Orchester Aichhalden-Rötenberg auf. Zeit zum Entspannen und um nochmal alle Eindrücke ein wenig Revue passieren zu lassen. Und an sich geht es Menschen mit Behinderung gleich wie Menschen ohne Handicap, in den Ferien entfliehen wir dem Alltag und erleben Dinge, die wir möglicherweise noch nie erlebt haben.

 

-->

Mehr auf NRWZ.de