Start In Kür­ze Kurz berich­tet Schram­berg „Was nicht ver­bo­ten oder lebens­ge­fähr­lich ist, soll­ten Sie Ihren Kin­dern erlau­ben“

„Was nicht verboten oder lebensgefährlich ist, sollten Sie Ihren Kindern erlauben“

Sechs­tes CHAR­GE-Tref­fen in Hei­li­gen­bronn

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Kin­der mit CHAR­GE-Syn­­drom bes­ser zu ver­ste­hen, ist ein Ziel der lan­des­wei­ten CHAR­GE-Tre­f­­fen, wel­che das Son­der­päd­ago­gi­sche Bil­­dungs- und Bera­tungs­zen­trum (SBBZ) Sehen, Abtei­lung Taubblind/Hörsehbehindert der Stif­tung St. Fran­zis­kus Hei­li­gen­bronn seit 2008 aus­rich­tet. Nun hat­te es zum sechs­ten Mal betrof­fe­ne Fami­li­en, Erzie­her und Son­der­päd­ago­gen in den Schwarz­wald gela­den. Dar­über berich­tet die Stif­tung in einer Pres­se­mit­tei­lung:

Der Ein­la­dung zu der von der Akti­on Mensch unter­stütz­ten Tagung folg­ten knapp 70 Teil­neh­mer, dar­un­ter 30 Fami­li­en, deren Kin­der vom CHAR­GE-Syn­­drom betrof­fen sind. Als Refe­ren­ten waren der US-Päd­a­go­ge und CHAR­GE-Spe­zia­­list David Brown sowie Ester Kel­ler und José van der Lin­den, Ver­tre­ter der könig­li­chen Stif­tung Ken­ta­lis aus Hol­land, gela­den.

Als mul­ti­sen­so­ri­sche Sin­nes­be­hin­de­rung beschreibt Astrid Borck das CHAR­GE-Syn­­drom: „Kin­der und Jugend­li­che zei­gen beson­de­re Ver­hal­tens­wei­sen, da neben einer Hör­seh­be­hin­de­rung auch wei­te­re Sin­ne betrof­fen sind, etwa der Gleich­ge­wichts­sinn und die Wahr­neh­mung von Kör­per­be­we­gung und ‑lage im Raum.“

Seit­dem die Son­der­päd­ago­gin 2008 das ers­te CHAR­GE-Tre­f­­fen in Hei­li­gen­bronn im Rah­men ihrer Aus­bil­dung initi­ier­te, hat sie sich zur Spe­zia­lis­tin in dem Bereich fort­ge­bil­det. „Mir lie­gen die­se Kin­der beson­ders am Her­zen“, umschreibt Astrid Borck ihre Moti­va­ti­on, alle zwei Jah­re betrof­fe­nen Fami­li­en und Päd­ago­gen eine Platt­form für Fach­vor­trä­ge sowie per­sön­li­chen Aus­tausch zu bie­ten.

Das dies­jäh­ri­ge CHAR­GE-Tre­f­­fen stand unter dem Mot­to „Per­spek­ti­ven für Grenz­gän­ger“. In Fach­vor­trä­gen erläu­ter­ten unter­schied­li­che Refe­ren­ten auch anhand von Bil­dern und Vide­os Ver­hal­tens­mus­ter von CHAR­GE-Kin­­dern, die für Außen­ste­hen­de unver­ständ­lich sind und Eltern oft über­for­dern. Wenn etwa ein Kind sich im Super­markt auf den Boden lege, um sei­nen Kör­per zu spü­ren und sich im Raum zurecht zu fin­den; sei das nur schwer zu ertra­gen, erläu­tert Astrid Borck.

Es gehe des­halb dar­um, unter­schied­li­che Syn­drom­erschei­nun­gen zu erklä­ren. Hin­wei­se zur Gestal­tung des Umfel­des neh­men zudem die Bedürf­nis­se des Kin­des in den Blick, damit sich die­ses bes­ser zurecht­fin­det. „Alles, was nicht ver­bo­ten oder lebens­ge­fähr­lich ist, soll­ten Sie Ihren Kin­der erlau­ben“, rief etwa David Brown vom Cali­for­nia Deaf-Blind Ser­vices aus den USA den Eltern in sei­nem 90-minü­­ti­gen Vor­trag zu. Brown, der bereits mehr­fach in Hei­li­gen­bronn refe­rier­te, gilt mit sei­ner 36-jäh­­ri­gen Erfah­rung als Exper­te auf dem Gebiet des CHAR­GE-Syn­­droms.

Work­shops erlaub­ten den Teil­neh­mern, sich ver­tieft mit unter­schied­li­chen The­men­be­rei­chen zu beschäf­ti­gen: Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter aus der Abtei­lung Taubblind/Hörsehbehindert des SBBZ Sehen zeig­ten, wie sie arbei­ten und stell­ten Mate­ria­li­en für betrof­fe­ne Kin­der vor. Sie erläu­ter­ten zudem die Chan­cen der Video­ana­ly­se als päd­ago­gi­sches Instru­ment zur detail­lier­ten Beob­ach­tung von Kom­mu­ni­ka­ti­on und Ver­hal­ten der Kin­der und zur wei­ter­ge­hen­den Ent­wick­lung von Maß­nah­men, die ihnen eine opti­ma­le Teil­ha­be ermög­li­chen.

Ester Kel­ler und José van der Lin­den, Ver­tre­ter der könig­li­chen Stif­tung Ken­ta­lis aus Hol­land, stell­ten in einem Impuls­vor­trag die bis­he­ri­gen Ergeb­nis­se ihres Pro­jek­tes „Tog­e­ther in CHARGE“ – ein von der EU geför­der­tes Erasmus+-Projekt – vor. Anhand eines spe­zi­ell ent­wi­ckel­ten Beob­ach­tungs­bo­gens dis­ku­tier­ten sie mit den Eltern über Video-Ana­­ly­­se und über not­wen­di­ge Rah­men­be­din­gun­gen für Kin­der und Jugend­li­che mit CHAR­GE-Syn­­drom.

Ein viel­fäl­ti­ges Kin­der­pro­gramm sorg­te beim CHAR­GE-Tre­f­­fen für Abwechs­lung

Meh­re­re Pau­sen und ein gemein­sa­mes Ves­per zum Abschluss boten den Rah­men für Ein­zel­ge­sprä­che mit Refe­ren­ten, Leh­rern oder Eltern, wäh­rend die Kin­der sich beim Kin­der­schmin­ken und Spie­len ver­gnüg­ten. Gera­de die­ser Wis­sens­aus­tausch über Gren­zen hin­weg, bleibt für Astrid Borck die wich­tigs­te Erfah­rung des Tages: „Jeder nimmt etwas mit, das ist wie bei einem Fami­li­en­tref­fen.“ Ganz klar, dass die enga­gier­te Päd­ago­gin das nächs­te CHAR­GE-Tre­f­­fen schon im Blick hat.

 

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