Dr. Martina Kreidler-Kos aus Osnabrück bei ihrem Festvortrag in Heiligenbronn. Foto: him

SCHRAMBERG (pm) – Mit Span­nung erwar­te­ten die Gäs­te beim Jubi­lä­ums-Fest­akt der Stif­tung St. Fran­zis­kus Hei­li­gen­bronn den Fest­vor­trag von Dr. Mar­ti­na Kreid­ler-Kos aus Osna­brück zum The­ma „Ver­lan­gen nach Leben – War­um heu­te fran­zis­ka­nisch sein?”  Dar­über berich­tet die Stif­tung in einer Pres­se­mit­tei­lung:

Die Refe­ren­tin ist als Buch­au­torin über den hei­li­gen Fran­zis­kus und die hei­li­ge Kla­ra von Assi­si bekannt, unter­rich­tet auch an der Phi­lo­so­phisch-Theo­lo­gi­schen Hoch­schu­le Müns­ter und hat in der Stif­tung in Hei­li­gen­bronn auch schon einen Work­shop zum fran­zis­ka­ni­schen Pro­fil der Stif­tung gelei­tet.

Vor den mehr als 200 Fest­gäs­ten im Eli­sa­be­tha-Glöck­ler-Saal bezeich­ne­te Kreid­ler-Kos das Fran­zis­ka­ni­sche als „die groß­ar­tigs­te Wei­se, Glau­ben und Leben zu ver­bin­den”. Das Ver­lan­gen nach Leben habe bei Fran­zis­kus und Kla­ra nicht den heu­te vor­herr­schen­den Aspekt des For­dern­den, son­dern den des Lebens als ein Geschenk. Mit den Wor­ten der hei­li­gen Kla­ra auf ihrem Ster­be­bett brach­te die Red­ne­rin die­se Auf­fas­sung zum Aus­druck: „Du, Herr, sei geprie­sen, weil du mich geschaf­fen hast.” Auch das Leben der Mit­men­schen sei ein Geschenk.

Die­se Stif­tung”, sag­te Kreid­ler-Kos mit Blick auf den Jubi­lar, „ist ein Ort, an dem vie­le Men­schen das Gespür für das Geschenkt­sein des Lebens haben” – ein Ort, an dem nicht Leis­tung und Kön­nen im Mit­tel­punkt stün­den. Das Mot­to des Stif­tungs-Leit­bilds „Leben­dig sein – Leben­dig blei­ben – Leben­dig wer­den” brin­ge die­se Sehn­sucht zum Aus­druck.

Die fran­zis­ka­ni­sche Absa­ge ans Erfolgs­den­ken ver­deut­lich­te die Fran­zis­kus-Bio­gra­phin mit drei Legen­den aus dem Leben des Hei­li­gen. Fran­zis­kus‘ Abbruch eines Kriegs­zugs als Sol­dat erfolg­te nach einem nächt­li­chen Traum, in dem ihn eine Stim­me frag­te: „War­um dienst du dem Knecht und nicht dem Herrn?”

Kreid­ler-Kos lei­te­te dar­aus die fran­zis­ka­ni­sche Tugend der Genüg­sam­keit ab. Die Geschich­te von Fran­zis­kus, als er mit einer Schüs­sel vol­ler Erbet­tel­tem beim Fest­mahl eines Kar­di­nals in Rom die Fest­gäs­te pro­vo­zier­te und beschäm­te, ver­deut­lich­te sei­ne Soli­da­ri­tät mit den Armen in der Gesell­schaft.

Das fran­zis­ka­ni­sche Got­tes­ver­ständ­nis schil­der­te Kreid­ler-Kos mit einer Legen­de, in der Fran­zis­kus beim Beten des Vater­un­ser nicht über das ers­te Wort „Vater” hin­aus­kam. Auch im Glau­ben selbst, so die Refe­ren­tin, zäh­le nicht die Leis­tung, son­dern das Stau­nen. Kreid­ler-Kos rief die Zuhö­rer dazu auf, das Ver­lan­gen nach Leben in sei­ner sehn­suchts­vol­len Vari­an­te zu schü­ren. Ihr Vor­trag wur­de mit gro­ßem Bei­fall bedacht.