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Samstag, 8. August 2020
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    Die „Schmerzhafte Muttergottes“ und die „Schutzmantelfrau“

    Neue Postkarte zum Patrozinium „Mariä Himmelfahrt“ der Katholischen Stadtpfarrkirche

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    Der Graphiker und Illustrator Uwe Rettkowski hat für die Serie „Postkarten des Stadtarchivs und Stadtmuseums Schramberg“ bereits einige Zeichnungen geschaffen. Zum Patrozinium Mariä Himmelfahrt der Katholischen Stadtpfarrkirche erscheint am Donnerstag ein neues Motiv.

    Im Jahr 2015 hat das Stadtarchiv Schramberg zum ersten Mal eine Postkarte veröffentlicht und damit den Grundstein für die heutige Serie „Postkarten des Stadtarchivs und Stadtmuseums Schramberg“ gelegt. Pro Jahr erscheinen drei bis fünf Postkarten, die historische Ansichten, Denkmäler oder Kunstwerke der Großen Kreisstadt Schramberg in den Blick rücken. Bei Bürgern und Sammlern erfreuen sich die Postkarten einer wachsenden Beliebtheit und machen als „Gruß aus Schramberg“ auch Empfängern auf der ganzen Welt eine Freude.

    Zum diesjährigen Patrozinium der 175 Jahre alt werdenden Katholischen Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt erscheint am Donnerstag eine neue Postkarte, auf der zwei außergewöhnliche Kunstwerke in Schramberg zu sehen sind. Unter dem Titel „Schramberger Marien“ begegnen sich die „Schutzmantelfrau“ des aus Schramberg stammenden und später in Rottweil lebenden Künstlers Siegfried Haas (1921-2011) aus dem Jahr 1987 und die „Schmerzhafte Muttergottes“ aus der Falkensteiner Kapelle aus der Zeit um 1515, die Heinrich Adrion (1926-2016) dem Bildhauer Conrad Rötlin (*um 1460 † 1519) aus Rottweil zugeschrieben hat.

    Die beiden Darstellungen könnten nicht gegensätzlicher sein. Auf der einen Seite ein Gesicht voller Hoffnung, auf der anderen Seite ein Gesicht voller Schmerz – zwei Pole einer Person und eines Schicksals. Die beiden Plastiken nehmen in der Geschichte der christlichen Kunst einen besonderen Rang ein.

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    Die „Schutzmantelfrau“ wurde im Jahr 1995 von den Eheleuten Albert und Ilse Bäumer, die Siegfried Haas freundschaftlich eng verbunden waren, der Großen Kreisstadt Schramberg als Dauerleihgabe überlassen. Vor dem Zwiebelturm der alten Pfarrkirche – einem Schramberger Wahrzeichen – hat sie direkt am Kirchenbach einen sehr guten Platz erhalten.

    Im Jahr 2008 schrieb Albert Bäumer in einer Betrachtung über das Kunstwerk: „Es handelt sich um eine Marienstatue, die voll aus der christlichen Überlieferung schöpft und in ihr zu Hause ist. Und doch bricht sie zugleich dieses Erbe auf und verändert die übliche Sichtweise. Sie ist keine traditionelle Madonna unter dem Schleier. Sie verbirgt nicht ihren ‚weltlichen‘ Körper, als müsse sie ihn vor Begierde schützen. Sie ist selbstverständliche natürliche Ganzheit von Leib und Geist, von Ruhe und Spannung, von Andacht und Entschlossenheit, von Spiel und Ernst. Die Figur ist ein in Bronze gegossenes Gleichnis.“

    Die „Schmerzhafte Muttergottes“ ist eine zentrale Figur in der „Falkensteiner Beweinung“ in der Falkensteiner Beweinung. Der ursprüngliche Standort des Kunstwerkes ist nicht sicher bekannt. Es spricht aber viel dafür, dass es ursprünglich zur gotischen Ausstattung der Dominikanerkirche in Rottweil gehörte und bei deren Barockisierung seit 1753 entfernt wurde. Das Kunstwerk befand sich jedenfalls schon vor der Anlage der Familiengruft der Grafen von Bissingen und Nippenburg im Jahr 1861 in der Falkensteiner Kapelle.

    Ob es freilich mit einem 1774 in Schramberg belegten „rare[n] h[eiligen] grab nach dem ynnsprugger modell“ identisch ist, konnte noch nicht zweifelsfrei geklärt werden. 1980 würdigte der Kunsthistoriker Egon Rieble (1925-2016), der langjährige Kulturreferent des Landkreises Rottweil, das Kunstwerk als „bedeutendste holzgeschnitzte Beweinungsdarstellung in der europäischen Kunst nördlich der Alpen.“

    In Dankbarkeit für das weitgehend gute Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die „Schmerzhafte Muttergottes vom Falkenstein“ am 29. April 1945 von dem damaligen Kaplan Josef Hörner (1906-2005) auch zur „Patronin“ und zur „Schutzherrin der Stadt Schramberg“ erhoben, was sie mit der „Schutzmantelfrau“ verbindet.

    Info: Die Postkarte wird im Anschluss an den am Donnerstag um 10 Uhr stattfindenden Festgottesdienst von Museumsleiter und Stadtarchivar Carsten Kohlmann vorgestellt und an die Gottesdienstbesucher verteilt. Danach ist sie zum Preis von einem Euro beim Empfang im Stadtmuseum und beim Schriftenstand in der Sankt-Maria-Kirche erhältlich.

     

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