„Du hast einen frohen Lebensabend verdient“ 

Bischof Fürst verabschiedet sich nach 23 Jahren: Festakt, Pontifikalamt und Bürgerempfang in Rottenburg

Der am längsten amtierende deutsche Ortsbischof Dr. Gebhard Fürst wurde am Samstag mit einem Festakt und einem feierlichen Gottesdienst mit anschließendem großen Zapfenstreich durch die Bürgerwache der Stadt Rottenburg in den Ruhestand verabschiedet. 23 Jahre lang war der Bischof der drittgrößten deutschen Diözese Oberhaupt von knapp 1,7 Millionen Katholiken in Württemberg. Von den Festrednern gab es viel Anerkennung und Dank.

(Region Rottweil). Im Namen der Diözese Rottenburg-Stuttgart begrüßte Generalvikar Dr. Clemens Stroppel die über 200 geladenen Gäste, die zu Ehren des ausscheidenden Bischofs in die voll besetzte Rottenburger Festhalle gekommen waren – unter ihnen zahlreiche namhafte Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Kirche, wie sein Vorgänger im Bischofsamt Walter Kardinal Kasper. Stroppel dankte Bischof Fürst herzlich für dessen 23-jährigen Dienst im Bischofsamt der Diözese sowie für ihre gute Zusammenarbeit und wünschte Bischof Fürst einen Ruhestand „ohne Kalendertakt, ohne Verantwortungslast.“

„Aus jedem unserer Gespräche bin ich reicher weggegangen.“

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann sprach in seiner Laudatio von einer „langjährigen Freundschaft des Gesprächs“, die die beiden Männer verband und wünschte Bischof Fürst in seinem Grußwort „von Herzen alles Gute und Gottes reichen Segen“. Er beschrieb das Leben von Bischof Fürst mit einer Speisekarte: Die Vorspeise sei seine Zeit als Akademiedirektor der Diözese gewesen. Die Hauptspeise sein Zeit ab 2000 als Bischof. „Als süßer Schlussakt“ folge nun das Dessert: der wohlverdiente Ruhestand.

Kretschmann sprach auch über seine Dankbarkeit für die private Freundschaft mit Bischof Fürst seit dessen Zeit als Akademiedirektor: „Unsere Freundschaft ist eine Freundschaft des Gesprächs. Und aus jedem unserer Gespräche bin ich reicher weggegangen.“ Bischof Fürst stehe für eine „dialogische und zeitgenössische, eine einladende Kirche, die mit den Menschen auf Augenhöhe kommuniziert und keine gestrigen Antworten auf aktuelle Fragen liefert“. Der praktizierende Katholik Kretschmann stellte fest, dass nur Religion über Generationen hinweg die Frage nach dem Sinn des Lebens stellen und die Arbeit an einer gerechteren Welt leisten könne. „Deshalb habe ich große Sorge, wenn die Kirche schwächelt und die Menschen ihr den Rücken kehren.“

Früher Einsatz für Missbrauchsopfer und für den Frieden

Zu seinem Ruhestand wünsche er seinem Freund eine gute Gesundheit: „Denn Du hast einen frohen Lebensabend verdient nach diesen rastlosen Jahren.“ Für den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg stand Fürst bis zuletzt auch für den Zusammenhalt und die Versöhnung der Menschen. Dies sei auch der Grund für seinen frühen und engagierten Einsatz für Missbrauchsopfer, für eine gelebte Ökumene sowie auf europäischer Ebene durch sein Projekt „Friedensglocken für Europa“. „Das sind, in aller Kürze, bloß einige Beispiele, die zeigen, warum es auch politisch wichtig ist, dass Kirche anschlussfähig bleibt, Orientierung bietet und Sinn stiftet“, sagte Kretschmann.

Beste Wünsche auch von Papst Franziskus in Rom

Eigens aus Berlin war Nuntius Erzbischof Dr. Nikola Eterović angereist, einer der Konzelebranten beim letzten Pontifikalamt von Fürst im Dom. Als Vertreter von Papst Franziskus in Deutschland überbrachte er Bischof Fürst die besten Wünsche des Bischofs von Rom: „Gottes reichen Segen im neuen Lebensjahr und im weiteren Leben.“ Eterović dankte Fürst für die 23 Jahre in der Leitung der Diözese und sagte: „Die größte Herausforderung ist es, die Botschaft Jesu Christi mit Leben zu erfüllen.“

„Was uns verbindet, ist viel stärker, als was uns trennt“

In seinem Grußwort würdigte auch Ernst-Wilhelm Gohl die Lebensleistung des Bischofs. Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg: „Das was uns verbindet, ist viel stärker als das, was uns trennt – und an dem Starken, was uns verbindet, werden wir weiterarbeiten. Deshalb möchte ich Ihnen für Ihr umfassendes ökumenisches Engagement, auch im Namen meines Vorgängers Frank Otfried July, ganz herzlich danken.“ Er lobte Bischof Fürst für seinen Einsatz für die Teilnahme an der Eucharistie in konfessionsverbindenden Ehen sowie für seine Beauftragung von Frauen zur Taufspendung:  „Das ist nicht selbstverständlich, dafür sind wir Ihnen außerordentlich dankbar. Mit diesem Schritt taten Sie einen mutigen und wegweisenden Schritt, um das Evangelium zu den Menschen zu bringen.“

Synodales und achtsames Wirken

Dr. Johannes Warmbrunn, Sprecher des Diözesanrats, und Martin Stöffelmeier, Sprecher Priesterrats, überbrachten gemeinsam herzliche Glück- und Segenswünsche. „Sie haben früh erkannt, dass synodales Wirken auch Sie in Ihrer Aufgabe stärkt“, hielt Warmbrunn fest und attestierte dem Bischof stets „maximal achtsam“ gegenüber den so genannten Laien gewesen zu sein. Fürst sei bei den Sitzungen des Diözesanrats stets von Anfang bis zum Ende dabei gewesen und gemeinsam sei es gelungen, vieles in der Diözese Rottenburg-Stuttgart umzusetzen.

Martin Stöffelmeier hielt an den Bischof gewandt fest: „Du hast hellwach und aktiv am synodalen Weg teilgenommen. Du hast dich mutig positioniert. Dazu hast Du in der Tradition unserer Diözese wegweisende Arbeit geleistet. Wir hoffen, dass weitere Reformen in unserer Diözese mutig angegangen werden.“

Der Blick zurück, in Dankbarkeit

Schließlich war es an Bischof Fürst die Schlussworte des Festaktes zu halten. Und dabei betonte Fürst unter anderem, dass er in allen Jahren mit großer Freude Bischof in der Stadt Rottenburg gewesen sei. Mit persönlichen Worten wandte er sich nicht nur an Ministerpräsident Winfried Kretschmann, sondern auch an Generalvikar Dr. Clemens Stroppel. Ihm dankte er für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, auch in bewegenden Zeiten, und seine treue Unterstützung. Zum Ende des Festakts überreichte Generalvikar Dr. Stroppel im Namen der Diözese dem Bischof einen Bildband über dessen Amtszeit und gemeinsam mit Dr. Thomas Broch, ehemaliger Pressesprecher der Diözese, kam Bischof Fürst für ein kurzes Gespräch über die Biografie „Um unseres Heiles willen. Gebhard Fürst – der Weg eines Bischofs“ auf die Bühne, die Broch über ihn verfasst hatte und die ab Montag im Buchhandel erhältlich sein wird.

Position bezogen

Dem Festakt folgte ein feierliches Pontifikalamt im Rottenburger Dom St. Martin mit dem Apostolischen Nuntius Erzbischof Dr. Nikola Eterovic, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Dr. Georg Bätzing, den Erzbischöfen Stephan Burger aus Freiburg und Bashar Matti Warda aus Erbil, Irak, Domdekan Dr. Clemens Stroppel und zahlreichen weiteren Bischöfen und Weihbischöfen als Konzelebranten.

„Wo immer es  ging, hat er sich zu Wort gemeldet“, sagte Bischof Dr. Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, in der Fürst in den 23 Jahren seiner Amtszeit mehrere herausgehobene Funktionen bekleidete. In seiner Schlussrede im Dom St. Martin in Rottenburg würdigte er Fürst als „prägende Kraft“ der Kirche. „Du warst kein Leisetreter oder jemand, der lieber schweigt. Ganz im Gegenteil: Du hast Position bezogen“, sagte der Vorsitzende. Fürst habe „die Kirche in Deutschland auf ihrem Synodalen Weg immer gefördert“, für ihn sei Synodalität „innere Überzeugung und keine notwendige Last“. Bätzing bezeichnete den Bischof als „treuen Weggefährten“. Mit Blick auf den Vatikan, der den Synodalen Weg mit Argwohn kritisierte, lobte Bätzing, Fürst sei es gelugen, „Wegmarken zu setzen, die für Aufmerksamkeit nicht nur im Bistum, sondern im ganzen Bundesgebiet und weit darüber hinaus sorgten – auch südlich der Alpen“.

Bischof Dr. Gebhard Fürst wird Ehrenbürger der Stadt Rottenburg

Das Fest endete nach dem Gottesdienst mit einem Großen Zapfenstreich der Rottenburger Bürgerwache und einem Bürgerempfang auf dem gut gefüllten Rottenburger Marktplatz. Oberbürgermeister Stephan Neher dankte für das klare Bekenntnis von Bischof Fürst und seinem Generalvikar Dr. Clemens Stroppel zu Rottenburg als Bischofsstadt und Sitz der Kurie und erinnerte an die vielen Berührungspunkte zwischen Diözese und Stadt. Zum Schluss wartete noch eine letzte Überraschung auf den scheidenden  Bischof: Der Oberbürgermeister kündigte an, dem Bischof bei einem Festakt im kommenden Jahr die Ehrenbürgerwürde zu verleihen.

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Pressemitteilung (pm)
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