Am Sonntag, 18. März findet in Waldmössingen wieder ein „Afrikatag“ statt. Mitorganisator Albert Risch schildert, worum es dabei  dieses Jahr geht:

In vielen Ländern Afrikas haben es Frauen und Mädchen noch schwerer als in Europa. Der offene Missionskreis Waldmössingen unterstützt Mädchen und Frauenprojekte in Kamerun.

Zenabou ist das zweite Kind, erstes Mädchen von sechs Kindern eines Muslim-Nomaden aus dem Norden Kameruns, der Viehherden züchtet und somit Fleischlieferant für die Metropole ist und sich deshalb in Bomono niedergelassen hat. Natürlich ist in seiner Kultur Schule nur Sache für Jungs. Mädchen vergeuden damit ja nur Zeit. Zwei jüngere Mädchen sind bereits verheiratet. Doch Zenabou hat sich widersetzt. Sie wusste, was sie wollte. Sie erfuhr, dass Mme. Patience Molle Lobe sich in Bomono um Mädchen kümmert und bat sie, ihr das Schulgeld für das Gymnasium zu geben. Sie besuchte regelmäßig unser Sozialzentrum in Bomono, einem Vorort der Millionenstadt Duala.

Nach einigen Monaten bei HUPJEFI (so nennen sich alle unsere Sozialzentren und übersetzt heißt das in etwa: „Helfender Halt für junge Mädchen“) erhielt sie so vor Jahren dann auch das Schulgeld. Doch der Vater war trotz vieler Gespräche nicht damit einverstanden, ließ sie aber gewähren, wohl denkend, das hält sie eh nicht durch. Als er ihren Willen und ihr Durchhaltevermögen bemerkte, kam er eines Tages sogar zu HUPJEFI, wütend und schimpfend, beschuldigte die Mitarbeiter, seiner Tochter Flausen in den Kopf zu setzen und machte alle total fertig.

Nur mit viel Diplomatie und Geduld unserer Mitarbeiterinnen gelang es Zenabou, trotzdem durchzuhalten. Sie hatte niemand in der Familie, der zu ihr stand. HUPJEFI unterstützte sie weiterhin, durch Schulgeld, durch Rat und Tat, wenn es daheim mal wieder schwierig war. Jeweils in den Ferien profitierte sie von den Kursen bei HUPJEFI.

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Oft gehörte sie zu den Besten ihrer Klasse. Im Sommer 2017 schrieb sie nun Abitur – und bestand es! Absolut keine Selbstverständlichkeit in Kamerun! Sie ist sehr dankbar für alle Begleitung durch HUPJEFI und motiviert die anderen Mädchen durch ihre Entwicklung.
Inzwischen bewarb sie sich um ein Medizinstudium, bekam aber keinen Platz und beginnt nun ein Studium als Tierärztin.

Vor kurzem kam ihr Vater zu HUPJEFI und entschuldigte sich für sein früheres Verhalten. Er ist tief betroffen, bestürzt, verunsichert in seinen kulturellen Vorstellungen und nun doch stolz auf seine Tochter.

Afrikatag in Waldmössingen

Seit 1992 unterstützen katholische und evangelische Christen Jugendprojekte in Douala, Kamerun. Außerdem wird ein weiteres Kinder-und Jugendprojekt seit 2012 in Uganda gefördert.

Wir beginnen den Afrikatag am 18. März mit einem Gottesdienst und anschließendem Mittagessen im Kirchengemeindezentrum. Bei Kaffee und Kuchen wird die aktuelle Entwicklung der Projekte vorgestellt.

Seit 1987 arbeitet Dr. Reginamaria Eder als Fachärztin für „Public Health“ in Kamerun, einer ehemals deutschen Kolonie, in Zentralafrika.

Die bittere Not vieler Frauen und Mädchen, die durch Armut zur Überlebensprostitution gezwungen sind, führte Eders christlichen Frauenkreis zum Entschluss, sich diesen Schicksalen anzunehmen. Sie unterstützt die Kamerunerin Patience Molle Lobe seit nunmehr 20 Jahren beim Aufbau von inzwischen drei Sozialzentren unter dem Namen „Hupjefi“, was übersetzt „Helfender Halt für junge Mädchen“ heißt.

Dort werden junge Frauen und Mädchen in Not aufgefangen, erhalten eine warme Mahlzeit und finden Familienersatz. Man nimmt ihre Sorgen und Nöte ernst und entwickelt ihre Talente. Ein Jahr lang erfolgt intensive Betreuung, danach werden sie individuell an Schulen oder in Berufsausbildung vermittelt und weiter betreut bis sie selbständig sind. Bisher konnte so über 500 Mädchen zur eigenen Existenz verholfen werden.

Reginamaria Eder übernahm neben der Supervision des einheimischen Personals und deren Fortbildung vor Ort die Spendenwerbung. Dies führte 2009 zur Gründung der vom Regierungspräsidium Tübingen anerkannten „Dr. Eder & Molle Stiftung“ mit Sitz in Rottenburg. Ein weiteres Engagement bezog sich vor zwei Jahren auf die ländliche Frauenbildung in den Vororten von Douala, damit die Mädchen zukünftig in ihren Dörfern bleiben können.

Seit 2016 wird eine Schneiderschule mit inzwischen 2 Ausbildungsjahren aufgebaut. Die Schule ist seit 2017 staatlich anerkannt, jedoch auf Spendenbasis finanziert. Die Wintermärkte, der faire Handel und die Afrikatage leisten dazu einen beachtlichen Beitrag.

Info:

Kamerun ist ein Entwicklungsland in der zentralafrikanischen Region, jedoch kein Sozialstaat. Über 50 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre. Trotz großem Bildungshunger und guten Ausbildungen liegt die Jugend-Arbeitslosigkeit bei geschätzt über 60 Prozent. In und um die quirlig-chaotische 3,5 Millionenstadt Douala leben mindestens etwa 150 000 bis 200 000 Mädchen, die Hilfe benötigen, da sie verstoßen, vergewaltigt oder zur Überlebens-Prostitution gezwungen sind.

Armut auf dem Land, die den Exodus in die großen Städte fördert, Zerfall von Werten und wachsende Arbeitslosigkeit bringen Familien in und um die Metropolen so in Not, dass sie ihren Kindern keinen Halt mehr geben können. Diese sind sich selbst überlassen, wachsen oft ohne Erziehung auf und sind so allen Übeln einer verstädterten Gesellschaft ausgeliefert: Krankheiten, zu frühe Schwangerschaft, hohe Mütter- und Kindersterblichkeit und wachsende Zahl an Waisen, auch HIV/Aids. Mädchen sind dabei das schwächste Glied. Sie landen früh in der Obdachlosigkeit und sind Opfer von Ausnutzung und Gewalt jeglicher Art.