Mit einem fest­li­chen Pon­ti­fi­kal­amt ist am Sonn­tag­vor­mit­tag das Hei­lig Kreuz-Müns­ter nach zwei­ein­halb Jah­ren umfas­sen­der Reno­vie­rung wie­der­eröff­net wor­den. Bischof Dr. Geb­hard Fürst beglück­wünsch­te die Rott­wei­ler zur „beein­dru­cken­den Schön­heit“ ihrer in neu­em Glanz erstrah­len­den Haupt­kir­che.

Fotos: Ande­as Lin­sen­mann

Schon der Anfang war sym­bol­träch­tig: Die Zünf­te mit ihren far­ben­präch­ti­gen Fah­nen, eine lan­ge Rei­he von Minis­tran­ten aus ver­schie­de­nen Gemein­den, neben dem Bischof acht Pries­ter (dar­un­ter der ehe­ma­li­ge Müns­ter­pfar­rer Franz Schef­fold) und zwei Dia­ko­ne zogen ein­gangs zu wuch­ti­gen Orgel­klän­gen in den hell illu­mi­nier­ten goti­schen Raum ein.

Vie­le der zahl­reich erschie­ne­nen Gläu­bi­gen waren sicht­lich bewegt von der Sze­ne­rie. Immer wie­der gin­gen stau­nen­de Bli­cke in die zwi­schen 1497 und 1534 errich­te­ten fili­gra­nen Gewöl­be des Lang­hau­ses. Es sind die feins­ten Gewöl­be­kon­struk­tio­nen, die im dama­li­gen Schwa­ben voll­endet wur­den – und nun­mehr schei­nen sie, gerei­nigt vom Ker­zen­ruß der Jahr­hun­der­te und trick­reich aus­ge­leuch­tet, gera­de­zu aus sich her­aus zu strah­len.

In der als Fami­li­en­got­tes­dienst ange­leg­ten Lit­ur­gie, die alle mit dem Müns­ter ver­bun­de­nen Gemein­den ein­schloss, ging man dar­auf ein. In Anspie­lung auf das ster­nen­ge­schmück­te Gewöl­be des Hoch­cho­res sag­te ein Kind: „Manch­mal erle­ben wir  Stern­stun­den, einen beson­de­ren Moment, ein schö­nes, glück­li­ches Ereig­nis. Für unse­re Gemein­de ist heu­te eine Stern­stun­de“.

 

Bischof Fürst griff dies in sei­ner Pre­digt auf. Ster­ne sei­en auch Men­schen, die mit ihren Bega­bun­gen, ihren Cha­ris­men und ihrem Glau­ben in die Welt leuch­te­ten. Und für Chris­ten sei letzt­lich Jesus Chris­tus der Fix­stern und Ori­en­tie­rungs­punkt, beton­te der Ober­hir­te.

Müns­ter­pfar­rer Dekan Mar­tin Stöf­fel­mai­er rief die his­to­ri­sche Dimen­si­on des Ereig­nis­ses in Erin­ne­rung: „Das ers­te Got­tes­haus wur­de an die­ser Stel­le um 1120 erbaut. Es erin­nert uns dar­an, dass wir seit der Roma­nik und schon lan­ge Zeit davor in einer ver­bürg­ten Genera­tio­nen­fol­ge ste­hen,“ und beton­te: „Das Müns­ter ist für uns ein Ort, der uns die Quel­le und den Mit­tel­punkt unse­res Glau­bens erschlie­ßen hilft.“

Stöf­fel­mai­er sag­te – zur Freu­de der Anwe­sen­den – an die Adres­se von Bischof Fürst, wenn die Diö­ze­se ein­mal eine zwei­te Bischofs­kir­che suche, ste­he das Müns­ter „hof­fent­lich ganz oben auf der Lis­te“. Er dan­ke aus­drück­lich allen, die an der Reno­va­ti­on mit­ge­wirkt haben, wor­auf es star­ken Applaus gab.

Mit Bedacht hat­te man die Wie­der­eröff­nung auf den ers­ten Advent gelegt, den Beginn des neu­en Kir­chen­jah­res, was der Wie­der­eröff­nung auch die Bedeu­tung eines Neu­be­ginns gab. Dass ein­gangs das freu­di­ge Advents­lied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ gesun­den wur­de, pass­te in viel­fa­cher Hin­sicht zum Anlass.

Ganz all­ge­mein trug die  von Regio­nal­kan­tor Wolf­gang Weis gelei­te­te Kir­chen­mu­sik erheb­lich zur beson­de­ren Atmo­sphä­re des her­aus­ra­gen­den Tages bei.

Der Chor sang die stim­mungs­vol­le Har­mo­nie­mes­se in Es-Dur op. 188 (1859) des böh­mi­schen Kom­po­nis­ten Robert Füh­rer (1807–1861). Und mit der präch­ti­gen Ver­to­nung des 98. Psalms „Jauch­zet dem Herrn alle Welt“(SWV 36) von Hein­rich Schütz (1585–1672) setz­te der Müns­ter­chor einen glanz­vol­len Schluss­punkt.

Am Ende des bewe­gen­den Got­tes­diens­tes erhiel­ten Kin­der als Erin­ne­rung an die­se „Stern­stun­de“ einen klei­nen Stern, der den Ster­nen im Müns­ter nach­ge­formt ist.

 

Der anschlie­ßen­de, von den Müns­ter­sän­ger­kna­ben unter der Lei­tung von Phil­ipp Klahm musi­ka­lisch gestal­te­te Emp­fang im Son­nen­saal des Kapu­zi­ners stand im Zei­chen des Dan­kes. Bernd Gar­ten, der zwei­ter Vor­sit­zen­de des Kir­chen­ge­mein­de­rats von Hei­lig Kreuz etwa dank­te nicht nur allen Akteu­ren und den Geld­ge­bern, son­dern auch den evan­ge­li­schen Mit­chris­ten für das zeit­wei­li­ge Asyl, wel­ches sie der Madon­na von der Augen­wen­de gewährt hat­ten.

Dem schloss sich Pfar­rer Stöf­fel­mai­er an und hob die Gast­freund­schaft  her­vor, die die Gemein­de ins­ge­samt in der Pre­di­ger­kir­che genos­sen habe. Die Ent­schei­dung, sogar Weih­rauch zuzu­las­sen, sei im Kir­chen­ge­mein­de­rat damit begrün­det wor­den, dass man ja auch einer Fein­ge­la­de­nen Frau nicht vor­schrei­be, wel­chen Par­füm­duft sie tra­gen sol­le, berich­tet er – was mit herz­haf­tem Lachen quit­tiert wur­de.

Beson­de­rer Dank ging immer wie­der an die kom­pe­ten­ten Exper­ten, Pla­ner und Aus­füh­ren­den, ins­be­son­de­re an Archi­tekt Dr. Ste­phan Blum, bei dem die Fäden zusam­men­lie­fen.

Der Vor­sit­zen­de der Müns­ter­bau­hüt­te, Prof. Dr. Wer­ner Mez­ger rief in lau­ni­gen Wor­ten in Erin­ne­rung, dass der Ver­ein rund 1,3 Mio. Euro für die Sanie­rungs­maß­nah­men der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te gesam­melt habe. „Geld ist aber nicht alles“, beton­te Mez­ger, und unter­strich, dass es der Müns­ter­bau­hüt­te dar­um gehe, die Ver­bun­den­heit mit dem Müns­ter, das nun­mehr als „ein Wun­der in Licht“ erstrah­le, zu stär­ken.

Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß zeig­te sich stolz auf das Müns­ter. Es sei auch für die welt­li­che Gemein­de ein bedeu­ten­der, wun­der­schö­ner Ort und gebe der Stadt his­to­ri­sche Iden­ti­tät.