Er wird alles heilen, was darniederliegt

Kräuter und Blumen liegen zur Segnung am Marienaltar in der Kapellenkirche. Foto: Berthold Hildebrand

ROTTWEIL – Am Fest Maria Him­mel­fahrt wer­den in den katho­li­schen Kir­chen vie­ler­orts auch heu­te noch „Kräu­ter­bu­schen“ geweiht. Der Brauch geht bis auf das zehn­te Jahr­hun­dert zurück.

Hil­de­gard von Bin­gen hat uns aus der Zeit um 1150 Schrif­ten hin­ter­las­sen, in denen sie auf den Zusam­men­hang zwi­schen see­li­schem Wohl­be­fin­den und kör­per­li­chem Wohl­sein hin­weist. Sie befass­te sich mit der Wir­kung von Nah­rungs­mit­teln, Kräu­tern und Gewür­zen auf die Gesund­heit.

Vie­len Men­schen ist die Heil­kraft bestimm­ter Kräu­ter bekannt. Sie wer­den gesam­melt und getrock­net, um dann zu Tee oder ande­ren Essen­zen mit hei­len­der Wir­kung ver­ar­bei­tet zu wer­den. Selbst im Ama­zo­nas-Urwald stu­die­ren Eth­no­bo­ta­ni­ker sys­te­ma­tisch die Heil­kräf­te der Regen­wald-Pflan­zen, um sie der moder­nen Medi­zin zugäng­lich zu machen. Natur­heil­kun­de und „Hil­de­gard­me­di­zin“ ste­hen hoch im Kurs.

Des­halb ist die­ser Brauch der Kräu­ter­seg­nung auch heu­te noch hoch­mo­dern. Im Segens­ge­bet der Kir­che heißt es „an ihrem Fest dan­ken wir dir für alle Wun­der dei­ner Schöp­fung. Durch die Heil­kräu­ter und Blu­men schenkst du uns Gesund­heit und Freu­de.“ Die Kir­che ver­traut auf die Heils­zu­sa­ge Got­tes, dass er alles hei­len wird, was dar­nie­der­liegt. Der Dank und die Bewun­de­rung von Got­tes Schöp­fung ste­hen im Mit­tel­punkt.

Dies kann in einer Zeit, in der die Erde samt ihren Pflan­zen und Tie­ren am meis­ten durch das feh­ler­haf­te Ein­grei­fen des Men­schen lei­det, nicht falsch sein. Und des­halb haben an die­sem Fest­tag auch in Rott­weil etli­che Gläu­bi­ge Kräu­ter und Blu­men in die Kapel­len­kir­che gebracht, um sie von Dekan Mar­tin Stöf­fel­mai­er seg­nen zu las­sen.