Der Bildstock vor der Restaurierung an seinem alten Standort bei der TeufelskücheFoto: Carsten Kohlmann

Am kom­men­den Frei­tag wird mit einer hei­li­gen Mes­se das dies­jäh­ri­ge Patro­zi­ni­um der Fal­ken­stei­ner Kapel­le gefei­ert. Nach dem Got­tes­dienst wird ein neu auf­ge­stell­ter Bild­stock geseg­net, der an ein tra­gi­sches Schick­sal erin­nert.

Am 30. Dezem­ber 1839 ereig­ne­te sich im Ber­neck­tal ein schlim­mer Unglücks­fall. Beim Holz­flö­ßen ertrank der erst 31 Jah­re alte Wen­de­lin Hör in den rei­ßen­den Flu­ten des Ber­neck­ba­ches. Wen­de­lin Hör war von Beruf Weber und ver­dien­te sich ein Zubrot, wenn in dem gro­ßen Wald der Gra­fen von Bis­sin­gen und Nip­pen­burg im Ber­neck­tal Holz geschla­gen und nach Schram­berg gebracht wer­den muss­te. Bei sei­nem Tod hin­ter­ließ er sei­ne Ehe­frau Scho­las­ti­ka Hör (1812–1870) und drei klei­ne Kin­der.

Ver­mut­lich schon bald nach dem Unglücks­fall wur­de zur Erin­ne­rung bei der Teu­fels­kü­che ein 100 mal 45 Zen­ti­me­ter gro­ßer Bild­stock errich­tet. In dem Gie­bel­fens­ter befand sich hin­ter einem Git­ter ursprüng­lich fol­gen­de Inschrift: „Es war des Aller­höchs­ten Wil­le, / Daß sich hier schloß des Freun­des Blick. / Es nahm das Was­ser sei­ne Hül­le. / Der Him­mel sei­nen Geist zurück.“ Dar­un­ter wur­de in ein­fa­chen (zum Teil ver­stell­ten) Buch­sta­ben fol­gen­de Inschrift ange­bracht: „Wen­del Hör erdrank hier den 30. Dezemb[er] 1839.“

In den 1920er-Jah­ren wur­de der Bild­stock von Nach­kom­men von Wen­de­lin Hör, der Fami­lie Feh­ren­ba­cher aus dem Fal­ken­stein, reno­viert und von Ger­man Rech­ber­ger (1869–1942) im „Schwarz­wäl­der Pos­til­li­on“ erst­mals beschrie­ben. Das Git­ter und die Inschrift gin­gen seit den 1960er-Jah­ren ver­lo­ren.

1994 ver­öf­fent­lich­te der Hei­mat­for­scher und Lokal­his­to­ri­ker Franz Flaig (1919–2000) eine neue Beschrei­bung des Bild­sto­ckes. 1996 brach­te Otto Knops (1915–2011), ein gro­ßer Freund und guter Ken­ner des Ber­neck­ta­les aus Schram­berg, in dem Gie­bel­fens­ter ein Kru­zi­fix in einem Glas­kas­ten an. Zuletzt wur­de der Bild­stock im Jahr 2012 von Die­ter Kohl­mann bei der Erfas­sung der Klein­denk­ma­le im Land­kreis Rott­weil genau doku­men­tiert.

Der Bild­stock nach der Restau­rie­rung an sei­nem neu­en Stand­ort bei der Fal­ken­stei­ner Kapel­le Foto: Her­mann Rei­chert

An sei­nem alten Stand­ort geriet er bei der 2013 begin­nen­den Räu­mung der Fel­sen ent­lang der Ber­neck­tal­stra­ße in Gefahr und wur­de zunächst von Fritz Wöhr­le von der Pro­jekt­grup­pe „Ten­nen­bron­ner Hei­mat­haus“ in Sicher­heit gebracht.

Der Eigen­tü­mer, Graf Franz von Bis­sin­gen und Nip­pen­burg, ent­schied sich nun, den mitt­ler­wei­le erneut restau­rier­ten Bild­stock bei der Fal­ken­stei­ner Kapel­le neu auf­zu­stel­len, wo er am Frei­tag im Anschluss an die dies­jäh­ri­ge Fei­er des Patro­zi­ni­ums zum Kalen­der­fest des hei­li­gen Eras­mus (†303) von Pfarr­vi­kar Mein­rad Her­mann geseg­net wird. Zu dem Got­tes­dienst und der Seg­nung des Bild­sto­ckes sind alle Bür­ger und Freun­de der Hei­mat­ge­schich­te ein­ge­la­den.

Info:

Die hei­li­ge Mes­se zum Patro­zi­ni­um der Fal­ken­stei­ner Kapel­le wird am Frei­tag, 1. Juni, um 19 Uhr gefei­ert. Eine Son­der­aus­stel­lung zum The­ma „Klein­denk­ma­le in der Gro­ßen Kreis­stadt Schram­berg“ wird vom 7. Juli bis 16. Sep­tem­ber im Stadt­mu­se­um Schram­berg gezeigt. Die Aus­stel­lungs­er­öff­nung fin­det am Frei­tag, 6. Juli, um 19.30 Uhr, statt.