„Freude und Not sind oft zusammen in einem Boot“

Kinder sprechen die Fürbitten beim Fasnetsgottesdienst im Münster. Fotos: Berthold Hildebrand

ROTTWEIL – Der ers­te Fas­nets­got­tes­dienst nach der Reno­vie­rung des Hei­lig-Kreuz-Müns­ters zog vie­le Nar­ren an – sie erwar­te­ten, wie seit vie­len Jahr­zehn­ten hier üblich, eine gereim­te Pre­digt.

Doch in die­sem Jahr waren wie­der alle Tex­te in Vers­form, nicht nur die Pre­digt. Dekan Mar­tin Stöf­fel­mai­er eröff­ne­te den Got­tes­dienst mit einer gereim­ten Begrü­ßung. Auch die Tex­te der Lesung und des Evan­ge­li­ums dran­gen mit ihrer erns­ten Bot­schaft in Reim­form an das Ohr der Gläu­bi­gen. Die eigent­li­che Pre­digt hiel­ten Ralf Ban­hol­zer und Patrick Mink.

Das Evan­ge­li­um des Sonn­tags erzähl­te vom Aus­sät­zi­gen, den Jesus heil­te. Da kam die Fra­ge auf: „Ist so ein The­ma pas­send heut, wo alles fei­ert und sich freut?“ Zum Umgang mit den Aus­sät­zi­gen hieß es: „Sie waren ein­fach weg­ge­klickt. Für die Gesun­den war‘ s geschickt. Doch für die Kran­ken war’s Ver­der­ben, sie war­te­ten nur noch auf’s Ster­ben.“ Der Mann im Evan­ge­li­um sprach ent­ge­gen aller Kon­ven­ti­on Jesus an „und wird durch Glau­ben neu gebo­ren.“

In die Schil­de­rung der Fas­nets­freu­de mischt sich aber auch Weh­mut dar­über, dass da sind „auch Frem­de auf der Strass, mit Kum­mer, Sor­gen und sonst noch was. Oder Leu­te die halt allei­ne sind, man­che sind gar durch den Wind.“ Die Auf­for­de­rung an die Nar­ren lau­tet: ..“sprecht Frem­de an, das wär Plä­sir, die sind zur Fas­net her­ge­kom­men und wer­den plötz­lich ernst genom­men.“

„Geht gern auf neue The­men zu, bleibt nie ver­schlos­sen, träg, voll Ruh. Geht auf­merk­sam durch die­se Stadt, die man­che Not zu bie­ten hat.“ In den Für­bit­ten hieß es dann, dass sich vor Gott kein Mensch hin­ter einer Lar­ve ver­ste­cken müs­se. Gott näh­me jeden so an wie er ist. An ande­rer Stel­le hieß es, die Wahr­heit zu sagen und die Wahr­heit zu ertra­gen sei oft kei­ne ein­fa­che Sache. Doch sol­le das stets unter dem Mot­to „Jedem zur Freud und nie­mand zum Leid“ gesche­hen.

Zum Abschluss mahn­te Stöf­fel­mai­er, der sich für den Besuch bedank­te, „die lie­ben From­men, nächs­te Woche dürft ihr wie­der kom­men, und auch sonst noch übers gan­ze Jahr.“ Er dank­te Patrick Mink, der die gan­zen Tex­te gereimt hat­te. Zum Schluss gab Stöf­fel­mai­er auch noch „kund und zu wis­sen, dass es auf die kal­ten Bän­ke dem­nächst gibt Kis­sen“.

Etli­che Musi­ker haben sich mit Kan­tor Wolf­gang Weis zu einer gro­ßen Band zusam­men­ge­fun­den und haben den Got­tes­dienst musi­ka­lisch umrahmt und die Gläu­bi­gen beim Gesang beglei­tet.