ROTTWEIL – Eine gro­ße Grup­pe von 47 Kin­dern, Jugend­li­chen und Erwach­se­nen und beglei­tet von Dekan Mar­tin Stöf­fel­mai­er besuch­te auf der dies­jäh­ri­gen Fami­li­en-Gemein­de­fahrt die Stadt Mainz.

Nach der Ankunft in Mainz galt der ers­te Besuch der Kir­che St.Stephan, einer goti­schen Kir­che aus dem 14. Jahr­hun­dert. Die Kir­che ist inzwi­schen welt­be­rühmt, weil der Chor­raum voll­stän­dig mit Glas­bil­dern von Marc Chagall in den Jah­ren von 1978 bis 1985 gestal­tet wor­den ist. Der dama­li­ge Pfar­rer Klaus May­er (geb.1923) hat­te 1973 den damals schon 86jährigen rus­sisch-jüdi­schen Künst­ler um Ent­wür­fe gebe­ten.

Klaus May­er, selbst Kind eines jüdi­schen Vaters und einer christ­li­chen Mut­ter, hat­te die Ver­fol­gung durch die Nazis nur wie durch ein Wun­der über­lebt. Die­ser Lebens­weg war mög­li­cher­wei­se der Anlass, dass Chagall  den Auf­trag ange­nom­men hat, obwohl er als ver­folg­ter Jude nach dem Holo­caust nicht mehr in Deutsch­land arbei­ten woll­te. Die Bil­der Chagalls, die Sze­nen aus der Bibel zei­gen, sind als Zeug­nis für die Ver­söh­nung zwi­schen Juden­tum und Chris­ten­tum und als Zei­chen für Frie­den und Völ­ker­ver­stän­di­gung zu ver­ste­hen.

Die Fens­ter im Kir­chen­schiff und im Wes­ten schuf bis 1993 Charles Marq (geb. 1923), ein Freund Chagalls und Lei­ter der Glas­ma­le­rei-Werk­statt in Reims, wo bei­de 28 Jah­re lang zusam­men arbei­te­ten. In eigen­stän­di­gem Stil und doch an der Far­big­keit und For­men­spra­che von Chagall ori­en­tiert, hat er die Wir­kung des Kir­chen­rau­mes zu einen ein­heit­li­chen Gan­zen wer­den las­sen.

Die Far­be Blau als Sym­bol für Gott hüllt den Raum in blau­es Licht und erin­nert so an Psalm 139,5: „Du umschließt mich von allen Sei­ten”. Die Grup­pe aus Rott­weil wid­me­te sich nach eini­gen Erläu­te­run­gen zuvor der stil­len Betrach­tung die­ser ein­zig­ar­ti­gen Fens­ter und besuch­te auch den schö­nen goti­schen Kreuz­gang neben der Kir­che. Eini­ge Besu­cher nah­men ger­ne die Gele­gen­heit wahr, bei einem kur­zen musi­ka­li­schen „Inter­mez­zo” in der Kir­che zu ver­wei­len, bei dem die neue gro­ße Klais-Orgel zum Erklin­gen kam.

In der anschlie­ßen­den Mit­tags­pau­se konn­ten die hüb­schen Win­kel der Stadt Mainz indi­vi­du­ell erkun­det oder die Son­der­aus­stel­lung im Dom-Muse­um „In Gold geschrie­ben” über mit­tel­al­ter­li­che Buch­kunst aus Mainz besucht wer­den. Am Nach­mit­tag hat­ten sich dann alle im Guten­berg-Muse­um ein­ge­fun­den. Die bahn­bre­chen­de Erfin­dung Guten­bergs , das Dru­cken mit beweg­li­chen Let­tern, wur­de in Füh­run­gen erläu­tert und in der nach­ge­bau­ten Guten­berg-Druck-Werk­statt durch prak­ti­sche Vor­füh­rung  anschau­lich gezeigt.

Erwähnt wur­de dabei auch, dass sich die Refor­ma­ti­on ohne die­se Erfin­dung so schnell hät­te damals um 1500 nicht aus­brei­ten kön­nen. Ein Höhe­punkt war die Betrach­tung von zwei ori­gi­na­len Guten­berg-Bibeln, die in einem gesi­cher­ten Tre­sor­raum aus­ge­stellt sind. Inter­es­sant dabei war die unter­schied­li­che Aus­ge­stal­tung mit Initia­len, far­bi­gen Schrift­zei­len und Schmuck­for­men.

Guten­berg druck­te nur den schwar­zen Block-Satz der Schrift. Die far­bi­gen Ergän­zun­gen schu­fen Buch­ma­ler wie in mit­tel­al­ter­li­cher Zeit in Hand­ar­beit. Dadurch wur­de jede Guten­berg-Bibel zu einem Ein­zel­stück. Nach einer Kaf­fee-Pau­se besuch­te die Rott­wei­ler Grup­pe den Main­zer Dom. Bewun­dert wur­de der stim­mungs­vol­le goti­sche Kreuz­gang aus rotem Sand­stein mit üppig ange­pflanz­tem Kreuz­gar­ten.

Etwa zeit­gleich mit den Domen von Spey­er und Worms ist der Dom in der frü­hen Roma­nik um 1000 ent­stan­den. Die drei Städ­te sind als „Schum-Städ­te” (in hebräi­schen Buch­sta­ben für die latei­ni­schen Städ­te­na­men Spi­ra, Worma­tia und Mogun­tia) ver­bun­den, denn in ihnen hat­ten Juden gro­ße Frei­hei­ten und blü­hen­de Gemein­den. Ver­än­de­run­gen und Ergän­zun­gen am Main­zer Dom haben im Lau­fe der Jahr­hun­der­te Spu­ren hin­ter­las­sen und zum heu­ti­gen Erschei­nungs­bild der Dop­pel­ch­or­an­la­ge bei­getra­gen.

Am Ost­chor sind außen und innen die Bezü­ge zu Spey­er noch deut­lich ables­bar. Der West­chor, in dem der Haupt­al­tar steht, ist durch den Ein­bau eines Chor­ge­stühls im Roko­ko um 1760 stark ver­än­dert wor­den. Unter den zahl­rei­chen Grab­denk­mä­lern fällt das Denk­mal für Kar­di­nal Albrecht von Bran­den­burg, Erz­bi­schof von Mag­de­burg und Mainz, beson­ders auf. Durch sei­ne För­de­rung des Ablass-Han­dels trug er wesent­lich bei zum The­sen-Anschlag Mar­tin Luthers gegen den Ablass und damit zur Refor­ma­ti­on.

Von beson­de­rer Schön­heit ist die Gott­hard-Kapel­le des Domes, die eins­ti­ge erz­bi­schöf­li­che Palast­ka­pel­le, die 1137 als Dop­pel­ka­pel­le mit gro­ßer Ver­bin­dungs­öff­nung in der Mit­te erbaut wur­de. In unse­rer Zeit wur­de in die Apsis das gro­ße „Uden­hei­mer Kru­zi­fix” von 1070 ein­ge­fügt. Die­se früh­ro­ma­ni­sche Dar­stel­lung zeigt den Gekreu­zig­ten, der mit offe­nen Augen und erho­be­nen Hän­den seg­nend vor dem Kreuz zu ste­hen scheint. Nicht der Lei­den­de, son­dern der Auf­er­stan­de­ne wird so vor Augen gestellt.

In die­ser Kapel­le ver­sam­mel­te sich die Rott­wei­ler Rei­se­grup­pe zu einer Eucha­ris­tie­fei­er, die von Herrn Dekan Stöf­fel­mai­er gelei­tet wur­de. Kin­der, Jugend­li­che und Erwach­se­ne wirk­ten dabei als Minis­tran­tin­nen, Minis­tran­ten, Lek­to­rin­nen und Lek­to­ren mit. In dank­ba­rem Rück­blick wur­de auch Bezug genom­men auf die Sta­tio­nen des Tages in Mainz und mit Für­bit­ten ver­bun­den. Nach dem ein­drucks­vol­len und berüh­ren­den Got­tes­dienst folg­te ein gemein­sa­mes Abend­essen.

Ein Spa­zier­gang zum Blick auf den Rhein run­de­te den Auf­ent­halt in Mainz ab, der bei Son­nen­schein und Wol­ken, aber ohne einen Trop­fen Regen statt­ge­fun­den hat­te.  Die­se Fahrt, orga­ni­siert und gelei­tet von Vero­ni­ka Heck­mann-Hage­loch, soll­te es Fami­li­en und Ein­zel­nen ermög­li­chen, etwas zusam­men zu unter­neh­men und auch mit ande­ren Kunst und Kul­tur zu erle­ben, einen beson­de­ren Got­tes­dienst an einem außer­ge­wöhn­lich schö­nen Ort zu fei­ern und gemein­sam zu essen.

Alle Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer sind in der Hei­lig-Kreuz-Gemein­de enga­giert und brin­gen sich in viel­fäl­ti­ger Wei­se ehren­amt­lich in das kirch­li­che Leben in Rott­weil ein. Mit Vor­freu­de wird schon die nächs­te Fami­li­en-Gemein­de­fahrt erwar­tet.