Detail vom Kreuzpartikel mit den Namen Zipfehli und Gebel, im innersten Kreuzsind die Holzsplitter. Foto: Hildebrand

ROTTWEIL – Die Hei­lig-Kreuz-Gemein­de begeht am Sonn­tag, 15. Sep­tem­ber, in einem fei­er­li­chen Got­tes­dienst ab 9:30 Uhr das Fest Kreuz­er­hö­hung.

Dies ist das Titu­lar­fest des Müns­ters. Das Fest hat sei­nen Ursprung in Jeru­sa­lem. Es geht zurück auf die Auf­fin­dung des Kreu­zes Chris­ti durch die Hl. Hele­na, der Mut­ter von Kai­ser Kon­stan­tin dem Gro­ßen, im Jahr 326. Das Fest Kreuz­er­hö­hung wur­de im Jah­re 629 auf den 14. Sep­tem­ber fest­ge­setzt. Der Fest­tag ist mit der Ver­eh­rung des Kreuz­re­li­quiars ver­bun­den. Im Süd­schiff des Müns­ters ist auf zwei Fens­tern dar­ge­stellt, wie das Kreuz gefun­den wur­de und wie durch ein Hei­lungs­wun­der die Echt­heit des gefun­de­nen Kreu­zes angeb­lich bewie­sen wur­de.

Die Hei­lig-Kreuz-Gemein­de ist schon seit frü­her Zeit im Besitz meh­re­rer Holz­split­ter, die vom Kreuz Jesu stam­men sol­len und wohl von einem Wall­fah­rer aus dem Hei­li­gen Land mit­ge­bracht wur­den. Es kann ange­nom­men wer­den, dass die­se kost­ba­ren Reli­qui­en im Kas­ten­al­tar auf­be­wahrt wur­den, even­tu­ell auch noch, als sie schon in ein Kreuz gefasst waren. Die­ser gro­ße Altar hät­te so als sym­bo­li­sche Grab­le­ge gedient. Der Rott­wei­ler Altar kann nicht mehr geöff­net wer­den, weil inzwi­schen der Kreu­zesstamm des gro­ßen Altar­kreu­zes die eiser­ne Tür ver­sperrt. Die seit­li­chen Fens­ter gewäh­ren kei­nen Ein­blick.

Der Kas­ten­al­tar in Rott­weil von hin­ten. Foto: Hil­de­brand

In Lau­ten­bach im Orten­au­kreis kann man aber in einen sol­chen Altar hin­ein­schau­en. Im Inne­ren des dor­ti­gen Altars sieht man eine Kon­so­le, auf die das Reli­qui­ar gestellt wur­de. Dane­ben zwei Ker­zen­leuch­ter. Man darf anneh­men, dass der Rott­wei­ler Altar gleich aus­ge­stat­tet war. Bei Bedarf konn­te man die Reli­quie aus dem Altar her­aus­ho­len wie das eucha­ris­ti­sche Brot aus dem Taber­na­kel. Bei der letz­ten Öff­nung des Rott­wei­ler Altars vor etwa 55 Jah­ren wur­de noch ein Reli­qui­ar aus Sil­ber und Glas gefun­den, das der­zeit lei­der als ver­schol­len gilt.

Win­fried Hecht hat über das „Spät­go­ti­sche Reli­qui­ar von Hei­lig Kreuz“ in der Aus­ga­be 4 /1976 in den Rott­wei­ler Heimalt­blät­tern berich­tet. Es gibt auf mehr­fa­che Nach­fra­ge kei­ne Augen­zeu­gen mehr, die sich erin­nern könn­ten, wie der Rott­wei­ler Altar im Inne­ren aus­sieht. Fotos gibt es nicht. Gesi­chert ist dage­gen, dass die Kreuz­par­ti­kel aus einem älte­ren Kreuz unter Pfar­rer Johann Jakob Zip­feh­li und Bür­ger­meis­ter Johann Ana­sta­si­us Gebel um 1739 neu gefasst und in ein 92 Zen­ti­me­ter hohes Kreuz ein­ge­fügt wur­den. Wegen die­ser Ver­bin­dung von Kir­che und Stadt ist im Fuß des Kreuz­par­ti­kels auch das Stadt­wap­pen ein­ge­ar­bei­tet. Eben­so sind die Namen Zip­feh­li und Gebel neben dem inne­ren Kreuz ein­gra­viert.

Stadt­wap­pen am Fuß des Kreuz­par­ti­kels. Foto: Hil­de­brand

Die musi­ka­li­sche Gestal­tung des Fest­got­tes­diens­tes über­nimmt der Müns­ter­chor. Er singt die Mes­se zu Ehren der Hei­li­gen Cae­ci­lia von Josef V. Wöss. Fer­ner singt der Chor das für die­sen Tag kom­po­nier­te „Ich ver­ehr im Kreu­ze dich“ sowie das Ave Ver­um von Alex­and­re Guil­mant und das Lau­da­te Domi­num von Hen­ri Carol. Der Got­tes­dienst ent­hält auch ein Kin­der­ele­ment. Fami­li­en mit Kin­dern sind herz­lich ein­ge­la­den.

Nach dem Got­tes­dienst wird Pfar­rer Timo Weber Regio­nal­kan­tor Wolf­gang Weis verb­schie­den, der eine kirch­li­che Pro­fes­sur an der Hoch­schu­le für Kir­chen­mu­sik in Rot­ten­burg antritt. Am Abend um 18 Uhr beschließt eine Andacht mit Monats­pro­zes­si­on den Fest­tag.