Kirchengeschichtliche Betrachtung zum Patrozinium von St. Pelagius

Außenansicht der Pelagiuskirche vor dem Umbau 1898/99, Architekt Josef Cades. Foto: Archiv St. Pelagius

ROTTWEIL (hes) – Im Vor­feld zum Kir­chen­pa­tro­zi­ni­um der Pela­gius-Basi­li­ka beschäf­tig­te sich die Kir­chen­ge­mein­de Rott­weil-Alt­stadt mit der kir­chen­ge­schicht­li­che Betrach­tung von Lud­wig Ragg aus dem Jah­re 1982 zur Chris­tia­ni­sie­rung in Rott­weil.

Lud­wig Ragg stell­te in sei­nen Betrach­tun­gen fest, „dass man über die Chris­tia­ni­sie­rung unse­res Gebiets auf­grund der Grab­bei­ga­ben in den ale­man­ni­schen Grä­bern Aus­sa­gen machen konn­te. In der Alt­stadt sind noch kei­ne christ­li­chen Sym­bo­le in Ale­man­nen­grä­bern bei­gelegt gewe­sen, viel­mehr nur Waf­fen und Schmuck. Folg­lich hul­dig­te die hie­si­ge Bevöl­ke­rung noch lan­ge dem Hei­den­tum. Aller­dings ist hier noch kein grö­ße­res Grä­ber­feld erforscht wor­den.

An Würt­tem­berg sind 780 gesi­cher­te Schen­kun­gen durch das Klos­ter St. Gal­len zu ver­zeich­nen. Dar­aus kön­nen wir schlie­ßen, dass das Chris­ten­tum in unse­rer Gegend Fuß gefasst hat. Klos­ter­be­sitz von St. Gal­len waren nach­zu­wei­sen: 763 in Weig­heim, 768 in Digis­heim, 770 in Eges­heim, 779 in Flöz­lin­gen, 786 in Die­tin­gen, und Dürb­heim, 793 in Tübin­gen und Wehin­gen sowie 802 in Deiss­lin­gen. St. Gal­lus­kir­chen fin­den sich noch in: Deren­din­gen, From­mern, Aistaig, Mühl­heim a.d.Donau und Schör­zin­gen.

So mag auch im ach­ten Jahr­hun­dert in der Alt­stadt das ers­te Holz­kirch­lein ent­stan­den sein, aber einem ande­ren Kir­chen­pa­tron geweiht.Das Eigen­kir­chen­we­sen war Anreiz zur Grün­dung zahl­rei­cher Kir­chen, aber gleich­zei­tig auch größ­tes Hin­der­nis für eine zen­tra­le Lei­tung und Ver­wal­tung des Bischofs.

Pela­gius kam von Kon­stanz zu uns. Die Erbau­ung der alten Pela­gius­kir­che fällt in die zwei­te Hälf­te des 11. Jahr­hun­derts. Auch die Ver­eh­rung des Hei­li­gen ist aus der um 1680 erneu­er­ten Urkun­de von 1412 für die Zeit um 1100 gege­ben.

Dass die Pela­gius­ge­mein­de eine gro­ße Bedeu­tung hat­te ist an der Grö­ße des Pfarr­spren­gels von 1441 zu sehen. Der Spren­gel umfass­te damals die Gemein­den: Neuf­ra, Fritt­lin­gen, Wel­len­din­gen, Wilf­lin­gen, Stun­gen, Kat­zen­steig, Fecken­hau­sen, Jung­brun­nen, Gölls­dorf.

Auf einer Kar­te des Deka­nats Rott­weil, zwi­schen 1730 – 1760, sind die Gemein­den Fisch­bach, Scha­ben­hau­sen, Neu­hau­sen, Nie­dere­schach, Obereschach, Kap­pel, Wei­lers­bach, Dau­ch­in­gen, Deiss­lin­gen, Lauf­fen, Büh­lin­gen und Neuf­ra genannt.

Bis zum Jah­re 1275 waren fol­gen­de Orte vom Pfarr­spren­gel Alt­stadt abge­split­tert: Deiss­lin­gen, Dau­ch­in­gen, Wei­lers­bach, Kap­pel, Scha­ben­hau­sen, Neu­hau­sen, Lei­d­rin­gen Neu­kirch, Sont­hof, Die­tin­gen, Neckar­burg, Vai­hin­ger­hof.“

Prof. Dr. Rudolf Rein­hardt, Tübin­gen, äußer­te sich am 4. Sept. 1983 bei sei­nem Vor­trag in der Pela­gius­kir­che zur Bedeu­tung des Patrons St. Pela­gius. „Um das neue und uner­hör­te, ja revo­lu­tio­nä­re der Wahl des Patrons für Rott­weil-Alt­stadt noch deut­li­cher wer­den zu las­sen sei auf eine wei­te­re Kir­che ver­wie­sen, die um die glei­che Zeit eben­falls dem hei­li­gen Pela­gius geweiht wur­de. Es war die Kir­che von Bischofs­zell im Thur­gau. Die­se Stadt war eine Cel­la des Bischofs, eine Ansied­lung, die dem Bischof von Kon­stanz gehör­te. Des­halb war es ange­bracht und im her­kömm­li­chen Sinn auch nahe lie­gend, die Kir­che die­ses Ortes den Patron der Bischofs­kir­che zu wei­hen und zu über­ge­ben.

Zusam­men­fas­send kann man sagen, dass die Über­nah­me des Pela­gius-Patro­zi­ni­ums in Rott­weil-Alt­stadt ein Zei­chen der Ein­heit des Bis­tums war, wie sie damals neu erfah­ren und emp­fun­den wur­de. Wir haben gese­hen, dass die Pfar­rei Rott­weil-Alt­stadt ihre gro­ße Zeit gehabt hat, und zwar im frü­hen Mit­tel­al­ter, in den ers­ten Jahr­hun­der­ten ihres Bestehens. Auf drei Indi­zi­en war zu ver­wei­sen: Ein­mal auf den gro­ßen Pfarr­spren­gel, zum ande­ren auf eine kunst­ge­schicht­lich bedeu­ten­de Kir­che zum Drit­ten auf die Wahl des Patro­zi­ni­ums um 1080.“

Heu­te umfasst die Pela­gius­ge­mein­de die Seel­sor­ge­ein­heit 5 mit der Fili­al­ge­mein­de St. Sil­ves­ter Büh­lin­gen, St. Dio­ny­si­us, Neuf­ra, St. Franz-Xaver, Gölls­dorf, St. Micha­el, Fecken­hau­sen, St. Niko­laus, Zepfen­han, St. Ulrich, Wel­len­din­gen und St. Gal­lus, Wilf­lin­gen. Immer am ers­ten Sep­tem­ber-Sonn­tag, die­ses Jahr am 03. Sep­tem­ber, wird in der Pela­gius Basi­li­ka das Patro­zi­ni­um und anschlie­ßend das Pela­gius­fest in der Turn- und Fest­hal­le bei der Römer­schu­le gefei­ert.