Kraftort für das Gemeinwesen

Kirchenmusik und Kirchenführungen am Sonntag

Beim "Sonntag der Kirchenmusik" in St. Maria. Fotos: him

SCHRAMBERG  (him) –  Ein beein­dru­cken­der Got­tes­dienst am Mor­gen und drei auf­schluss­rei­che Kir­chen­füh­run­gen am Abend  stan­den am Sonn­tag auf dem Pro­gramm. Zum Tag der Kir­chen­mu­sik hat­te die katho­li­sche Kir­chen­ge­mein­de ein­ge­la­den. Die Stadt­füh­rung hat­ten die katho­li­sche und die evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­mein­de gemein­sam im Rah­men des Stadt­ju­bi­lä­ums orga­ni­siert.

Das Mot­to des dies­jäh­ri­gen Sonn­tags der Kir­chen­mu­sik lau­te­te „Das Kreuz des Jesus Chris­tus durch­kreuzt, was ist, und macht alles neu“. Es war bewusst gewählt denn in der St Maria­kir­che hängt seit ein paar Tagen ein Kreuz von Erich Hau­ser  aus dem Ver­mächt­nis  von Mon­si­gno­re Erich Leg­ler. Hau­ser hat­te das Kreuz 1957 geschaf­fen, die dama­li­gen Kir­chen­ver­ant­wort­li­chen moch­ten es aber nicht.

Leg­ler kauf­te es spä­ter für 2000 Mark und ver­mach­te es  der Kir­chen­ge­mein­de in Schram­berg. Jetzt zurück­kehrt, bil­de­te es den Anlass für die­ses Mot­to. Es wur­de in dem Got­tes­dienst geweiht. Die gebür­ti­ge Schram­ber­ge­rin Ursu­la Het­tich hat­te Leg­lers Wunsch in die Tat umge­setzt.

In sei­ner Pre­digt ging Pfar­rer Rüdi­ger Kocholl  auf die Bedeu­tung des Kreu­zes ein. Er bedau­er­te, dass es an vie­len Orten „still und heim­lich abge­hängt“ wer­de. Vie­len sei dabei wohl nicht bewusst, dass das Kreuz ein „Sym­bol der Soli­da­ri­tät mit den Armen, Schwa­chen und Kran­ken, der Trau­ern­den und Lei­den­den, der Ver­folg­ten und Ster­ben­den “ sei. Es sei „die gewalt­lo­se Ant­wort auf die Gewalt“.

Ein Kreuz kehrt heim

Wei­ter ging er auf Erich Hau­sers Kreuz ein, das nun mit Spe­zi­al­dü­beln an der Wand neben der Sakris­tei hängt. An Fron­leich­nam habe der damals jun­ge Kaplan Leg­ler das Kreuz auf dem Altar beim Rat­haus auf­ge­stellt und damit bei den Schram­ber­gern „einen Sturm der Ent­rüs­tung über eine solch moder­ne Dar­stel­lung“ ent­facht. Der  Pfarr­ge­mein­de­rat habe sich fast 60 jah­re spä­ter ein­stim­mig für das Anbrin­gen die­ses  Kreu­zes in der Kir­che aus­ge­spro­chen.

Neben dem Kru­zi­fix kehr­ten auch zwei Mess­kel­che und Pate­ne, die Hau­ser für sei­nen Freund Leg­ler ange­fer­tigt hat­te, nach Schram­berg zurück. Ein Früh­werk und eines aus Hau­ser Edel-Stahl­pe­ri­ode. Außer­dem hat Ursu­la Het­tich einen Hau­ser­schen Ker­zen­stän­der aus Leg­lers Haus­halt bei­gesteu­ert, wie sie der NRWZ berich­te­te.

Bei der Gestal­tung des Got­tes­diens­tes wirk­ten der Kir­chen­chor, Jugend­scho­la, Kin­der­scho­la, Frau­en­scho­la und Gre­go­ria­nik­scho­la mit. Ihnen und Kir­chen­mu­sik­di­rek­tor Rudi Schä­fer spen­de­ten die Got­tes­dienst­be­su­cher lang­an­hal­ten­den Bei­fall.

Im Anschluss lud die Stif­tung Kir­chen­mu­sik zum Emp­fang vor der Kir­che.

 

Kirchenführung „800 Jahre Kirchengeschichte“

Am frü­hen Abend  luden dann die drei Kir­chen zu einer  Kir­chen­füh­rung „800 Jah­re Kir­chen­ge­schich­te“ in die drei Schram­ber­ger Kir­chen St. Maria, Evan­ge­li­sche Stadt­kir­che und Hei­lig Geist. Die Idee dazu hat­te Arn­hold Budick. Er hat auch dafür gesorgt, dass der Bür­ger­bus als Shut­tle für Älte­re und Geh­be­hin­der­te bereit stand. Musi­ka­lisch beglei­te­te das „Vocal­ensem­ble Schram­berg“ unter Lei­tung von Rudi Schä­fer den Spa­zier­gang.

St. Maria

Pfar­rer Rüdi­ger Kocholl nann­te als Bezugs­punkt für die 800 Jah­re die ers­te urkund­li­che Erwäh­nung der Fal­ken­stei­ner Kapel­le 1275. Wobei das mit den 800 Jah­ren „so unge­fähr“ hin­kom­me. In der Kir­che erläu­ter­te er die Sym­bo­lik. Schlan­ge Hahn und Anker gleich beim Ein­gang. Die Gestal­tung des Altar­raums durch Erich Hau­ser in den 90er Jah­ren sei „fast schon evan­ge­lisch“. Unge­wöhn­lich sei das Tauf­be­cken, das einen eige­nen Was­ser­zu­fluss habe.

Nach kur­zer Wan­de­rung oder auch mit dem Bür­ger­bus  gelang­ten die etwa 60 Teil­neh­mer und der Chor in die evan­ge­li­sche Stadt­kir­che. Pfar­rer Micha­el Jonas berich­te­te aus der Geschich­te der Pro­tes­tan­ten in Schram­berg, die eigent­lich erst begann, als  Schram­berg 1806 zu Würt­tem­berg kam. Erst von da an kamen auch Pro­tes­tan­ten in das bis dahin durch und durch katho­li­schen Schram­berg.

Die Stadtkirche

Mit­te des 19. Jahr­hun­derts schrie­ben die evan­ge­li­schen Schram­ber­ger etli­che Bitt­brie­fe an den König, er möge ihnen end­lich eine Kir­che bau­en. Bios dahin kamen Pfar­rer aus Flu­orn, Röten­berg oder Wei­ler und hiel­ten Got­tes­diens­te in einem Saal im „Moh­ren“ und ein­mal im Jahr an Grün­don­ners­tag in St. Maria. Ansons­ten  gin­gen die Evan­ge­li­schen in den katho­li­schen Got­tes­dienst. Weil der Pfar­rer in sei­nen Pre­dig­ten „im All­ge­mei­nen“ blieb, sei das nicht wei­ter schäd­lich, schrie­ben sie an den König. Ein frü­hes Bei­spiel prag­ma­ti­scher Öku­me­ne“, fand Jonas. Nach einer detail­lier­ten Schil­de­rung der Geschich­te des Baus 1874, der Erwei­te­rung und der Reno­vie­rung 1967 der Stadt­kir­che, kam die letz­te Sta­ti­on, die Hei­lig­geist-Kir­che.

Die Heiliggeist-Kirche

Die­se, so Pfar­rer Mein­rad Her­mann, sei die jüngs­te aber auch größ­te der drei Kir­chen. Das star­ke Wachs­tum der Stadt Schram­berg Ende des 19. Jahr­hun­derts habe den wei­te­ren Kir­chen­bau Anfang des 20. Jahr­hun­derts erfor­der­lich gemacht. „Eine Rie­sen-Basi­li­ka“ sei es gewor­den, 64 Meter lang 20 Meter breit. „Das größ­te Gebäu­de in Schram­berg über­haupt.“

Mit 960 Sitz­plät­zen sei Hei­lig­geist wirk­lich enorm groß. Alles in allem könn­ten bis zu 4000 Men­schen hier Platz fin­den. Die Kir­che sei „ein Kraft­ort für das Gemein­we­sen“, so  Her­mann. Wie in den bei­den ande­ren Kir­chen hat­te auch in Hei­lig­geist das Vokal­ensem­ble alte und moder­ne Kir­chen­lie­der gesun­gen und so für eine ganz beson­de­re Atmo­sphä­re gesorgt.