Die Madonna von der Augenwende kehrt nach 19 Monaten in derEvangelischen Predigerkirche wieder ins Heilig-Kreuz-Münster zurück. Foto: Berhold Hildebrand

ROTTWEIL – In einer öku­me­ni­schen Dank­an­dacht mit einem Tai­zé-Gebet wird die Madon­na von der Augen­wen­de am Sonn­tag, 24. Sep­tem­ber um 17 Uhr aus der Kapel­len­kir­che ver­ab­schie­det. Sie kehrt nach Hei­lig-Kreuz zurück. Man darf gespannt sein, was Pfar­re­rin Gabrie­le Wald­baur und Dekan Mar­tin Stöf­fel­mai­er im Rück­blick auf die­se 17 Mona­te mit Maria aus ihren Gemein­den berich­ten.

Die Madon­na von der Augen­wen­de hat sich seit jenen ereig­nis­rei­chen Tagen wäh­rend des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges im Herbst 1643 tief in das Bewusst­sein der katho­li­schen Rott­wei­ler Bevöl­ke­rung ein­ge­gra­ben. Die Domi­ni­ka­ner haben ihr zu Ehren 100 Jah­re spä­ter die Kir­che ver­grö­ßert, die Madon­na auf den Hoch­al­tar gestellt und ein umfang­rei­ches maria­ni­sches Bild­pro­gramm an die Decken der neu­en baro­cken Kir­che malen las­sen.

Mit der Säku­la­ri­sa­ti­on 1802 wur­de die Kir­che evan­ge­li­sche Pfarr­kir­che, die Madon­na kam ins Hei­lig-Kreuz-Müns­ter. An ihrer Stel­le stand in den letz­ten Jah­ren ein Kru­zi­fix auf dem Taber­na­kel. Für die Zeit der Reno­va­ti­on des Müns­ters hat es nun die in Rott­weil seit Jahr­zehn­ten prak­ti­zier­te Öku­me­ne ermög­licht, dass der evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­mein­de­rat einer Rück­kehr der Madon­na auf ihren ange­stamm­ten Platz auf dem Hoch­al­tar der Pre­di­ger­kir­che zustim­men konn­te.

Zum einen ist das öku­me­ni­sche Gast­freund­schaft, zum ande­ren auch aus Sicht der Kunst­freun­de inter­es­sant. Der ehe­ma­li­ge Pfar­rer Mar­cus Kein­ath hat gesagt, die Madon­na sei der Schlüs­sel zum Ver­ständ­nis des gesam­ten Bild­pro­gramms die­ser Kir­che. Und das hat sich so bestä­tigt. Vie­le erken­nen auch die Stim­mig­keit die­ses Ensem­bles von Altar­auf­bau, Altar­bild und Madon­na.

Der Jubel, der die­ser Madon­na von Engeln und Hei­li­gen aus dem Altar­bild ent­ge­gen­ge­bracht wird, ist gera­de­zu anste­ckend. Über die­ser Sze­ne thront die Hei­li­ge Drei­fal­tig­keit und über allem steht ein gro­ßes Kreuz, das selbst bei den beschei­de­nen Licht­ver­hält­nis­sen in frü­he­rer Zeit noch gol­den ins Kir­chen­schiff strahlt.

Zwei Jahr­gän­ge von Erst­kom­mu­ni­kan­ten durf­ten in der Pre­di­ger­kir­che ihre Dank­an­dacht fei­ern. Zwei Fron­leich­nams­pro­zes­sio­nen fan­den in der evan­ge­li­schen Kir­che ihren Abschluss und die Zünf­te zogen mit ihren Later­nen bei etli­chen Monats­pro­zes­sio­nen durch die­ses Got­tes­haus. Vie­le Chris­ten bei­der Kon­fes­sio­nen haben sich an das neue Bild gewöhnt und fra­gen sich nun, was soll statt Maria künf­tig auf die­sem Platz ste­hen? Was hat die­se Maria in den Men­schen bewe­gen kön­nen?