So kennt man ihn: Ivan Drempetic vor der Sakristeitüre des Münsters. Foto: Berthold Hildebrand

ROTTWEIL – Zum 1. Sep­tem­ber geht Ivan Drem­pe­tic nach fast 24 Jah­ren als Mes­ner am Hei­lig-Kreuz-Müns­ter Rott­weil in den wohl­ver­dien­ten Ruhe­stand. Er wird am kom­men­den Sonn­tag im Rah­men des Gemein­de­got­tes­diens­tes ab 9:30 Uhr in der Kapel­len­kir­che ver­ab­schie­det.

Drem­pe­ti­tic kam 1972 aus dem dama­li­gen Jugo­sla­wi­en nach Rott­weil und hat­te eine gute Stel­le in einer Obern­dor­fer Fir­ma. 1992 bekam er vom dama­li­gen Stadt­pfar­rer Anton See­ber­ger die Anfra­ge, ob er nicht Mes­ner am Müns­ter wer­den wol­le. Auf der Suche nach sei­nem Glau­ben, wie Drem­pe­tic sagt, habe ihm die­se Stel­le zuge­sagt. Der Beruf sei viel­sei­tig. Er war für drei Stadt­pfar­rer, etli­che Kaplä­ne und vie­le Minis­tran­ten der Ansprech­part­ner in der Sakris­tei.

Offen auf Men­schen zuge­hen kön­nen, Ord­nungs­sinn, kla­re Vor­stel­lun­gen und Ruhe bewah­ren kön­nen nennt er als wich­ti­ge Eigen­schaf­ten für sei­nen Beruf, was auch im Umgang mit Hand­wer­kern von Vor­teil war. Beim abend­li­chen Abschlie­ßen der Kir­che hat er öfters wei­nen­de Frau­en, aggres­si­ve Män­ner oder unein­sich­ti­ge Bett­ler ange­trof­fen. Nach Fehl­alar­men bei Poli­zei und Feu­er­wehr muss­te er manch­mal auch in der Nacht die Kir­che durch­su­chen.

In Erin­ne­rung ist ihm eine Frau, die auf den Hoch­al­tar klet­ter­te und das gro­ße Kru­zi­fix beschä­dig­te. Es gab auch Auf­brü­che von Opfer­stö­cken oder klei­ne­re Brän­de im Müns­ter. Ruhe zu bewah­ren galt es, als er im ver­gan­ge­nen Jahr beim Sonn­tags­got­tes­dienst den Advents­kranz nicht anzün­den konn­te, weil die Gas­kar­tu­sche leer war oder er ein­mal ver­gaß, Was­ser und Wein in die Känn­chen zu fül­len.

Manch­mal wur­den Leu­te im Got­tes­dienst ohn­mäch­tig oder man brauch­te gar den Not­arzt. Als beson­de­re Got­tes­diens­te sind ihm noch die Pries­ter­wei­he in Rott­weil, das Jubi­lä­um der Sän­ger­kna­ben mit drei gro­ßen teil­neh­men­den Chö­ren und die Trau­er­got­tes­diens­te für Karl Lam­brecht und Bür­ger­meis­ter Wer­ner Guhl im Gedächt­nis.

Gan­ze 12 Jah­re lang hat­te Ivan Drem­pe­tic den Vor­sitz im Mes­ner­ver­ein und bewerk­stel­lig­te in die­ser Zeit die orga­ni­sa­to­ri­sche Zusam­men­le­gung der Deka­na­te Obern­dorf und Rott­weil. Jetzt freut er sich dar­auf, Zeit zum Wan­dern und für sei­ne Enkel zu haben. Wäh­rend der Reno­va­ti­on des Müns­ters war er Mes­ner in der Kapel­len­kir­che.

Wenn der deut­sche Kunst­his­to­ri­ker Georg Dehio einst sag­te, der Kapel­len­turm sei der schöns­te Turm zwi­schen Prag und Paris, behaup­ten etli­che Rott­wei­ler, Ivan Drem­pe­tic sei auch der schöns­te Mes­ner zwi­schen Paris und Prag. Und unter die­sem Turm sagt er nun am Sonn­tag Adieu.