Narren dürfen die Wahrheit sagen

Die Altstädter Narrenzunft beim Ausschellen der Altstädter und Rottweiler Fasnet in der Pelagius Basilika. Von links: Kajetan Spreter, Benjamin Pfeiffer, Olaf Rieger und Christoph Schmid. Foto: Schick

ROTTWEIL (hes) – Zahl­rei­che Kir­chen­be­su­cher kamen am Fas­nets­sonn­tag in die Pela­gius Basi­li­ka, um die Pre­digt von Pfar­rer Tho­mas Böb­el zu hören. Dabei beschäf­tig­te er sich ins­be­son­de­re mit dem Begriff Wahr­heit und zitier­te aus der der Hei­li­gen Schrift.

Und Pon­ti­us Pila­tus frag­te:

Was ist denn Wahr­heit bit­te sehr?

Doch Jesus, der die Wahr­heit kann­te

er gab ihm kei­ne Ant­wort mehr.“

In der umfang­rei­chen Fas­nets­pre­digt führ­te er dann wei­ter aus:

„Der Volks­mund sagt es uns ganz rich­tig

Dass Kind und Narr die Wahr­heit sagt

Dies Sprich­wort ist mir heut ganz wich­tig

Wo ich mich an die Fas­nets­pre­digt wag

Und Pon­ti­us Pila­tus frag­te:

Was ist denn Wahr­heit bit­te sehr?

So fra­gen wir in die­ser Stun­de

Was ist die Wahr­heit uns­res Herrn?

Was sagt er uns in die­ser Run­de?

Die Ant­wort durft ihr hören gern

Die ers­te Wahr­heit hat es in sich:

Dass Gott allein der König ist!

Der Herr der Schöp­fung ist halt gar nicht

Der Mensch, der das so oft ver­gisst.

Als zwei­te Wahr­heit wir erken­nen

Gekom­men ist das König­reich

der Lie­be Got­tes und des Frie­dens

Der Wahr­heit und Barm­her­zig­keit

Man muss sich schon als Narr ver­klei­den

Wenn man die Wahr­heit sagen will

Dann kannst du reden und auch schrei­ben

Und musst nicht län­ger hal­ten still

Es herrscht ein bun­tes Nar­ren­trei­ben

wir sehen es in uns­rer Welt

so man­chen kann man gar nicht lei­den

wie Donald Trump den Wes­tern­held

Nicht jedem Nar­ren darf man glau­ben

Das muss man sagen klipp und klar

Denn man­che sich zu viel erlau­ben

Gefähr­lich wer­den die sogar

Und meis­tens musst du es ihm hal­ten

Wenn er dir sei­ne Bil­der zei­gen tut.

Am Sonn­tag muss ich euch auf­sa­gen

Die Wahr­heit, wie sie in der Bibel steht

Dabei mich gro­ße Sor­gen pla­gen

Weil kaum mehr einer in die Kir­che geht.

Immer wie­der beschäf­tigt den Pre­di­ger der lau­fen­de Rück­gang der Kir­chen­be­su­cher und er macht sich sei­ne Gedan­ken dar­über, war­um die Nar­ren­zunft so einen Zulauf habe. Tho­mas Böb­el ging mit dem Gedan­ken um, es ein­mal als Schant­le ver­klei­det zu ver­su­chen und den Kir­chen­be­su­chern jeweils ein Guts­le zu ver­tei­len.

Ich hol her­aus mein Nar­ren­büch­le

Ich schreib hin­ein, für euch das Wort

Ich gebe mir auch gro­ße Mühe

Doch blei­ben vie­le trotz­dem fort

Das ist ein Kreuz, ich kann’s euch sagen

Wenn Got­tes Wahr­heit kommt nicht an

Dar­über muss ich auch mal kla­gen

Weil ich es nicht ver­he­ben kann

Doch eines lässt mich immer hof­fen

Das Kreuz ist nicht das letz­te Wort

Am Schluss das lee­re Grab ist offen

Und Tod und Sün­de die sind fort

Nur wenn ich seh die Nar­ren­scha­ren

Da werd ich grün und gelb vor Neid

Ich mache mir auch viel Gedan­ken

Wie ich die Leu­te noch erreich

Viel­leicht sollt ich euch Bil­der malen

ins Evan­ge­li­en­buch hin­ein

Am Sonn­tag will ich dann auf­sa­gen

Was hier sich tut bei Groß und Klein

Dass Mess­ge­wand will ich able­gen

Ich zieh mir einen Schant­le an

Mit Schirm und Körb­le will ich tre­ten

Vor euch mit einem hin­kend Gang

So will ich gehen durch die Rei­hen

Und sage jedem von euch auf

Am Ende werd ich noch ver­tei­len

Oi Guats­le wie es ist der Brauch

Ich bin all­er­gisch gegen Mil­ben

ver­trag den häus­lich Staub auch nicht

Drum will ich lie­ber wei­ter­wir­ken

Und brin­gen euch der Wahr­heit Licht

Ich wünsch euch jetzt von gan­zem Her­zen

A glück­se­li­ge Fas­nets­zeit

Ihr sollt’s aber nicht über­trei­ben

Das sag ich euch ganz ohne Neid…   HUHUHU!

Mit­glie­der der Alt­städ­ter Zunft betei­lig­ten sich bei der Mess­fei­er mit den Für­bit­ten und der Lesung. und mit der gro­ßen Schel­le ver­kün­de­ten die Kabis­man­nen den Beginn er Fas­net in der Alt­stadt und in Rott­weil. Mit dem gemein­sam gespiel­ten Rott­wei­ler Nar­ren­marsch – Orgel und Musik­ver­ein – ende­te die Nar­ren­mes­se mit einem fröh­li­chen Hu-Hu-Hu!