Sehnsucht nach Frieden und Heimat

Sehnsucht nach Frieden und Heimat

SCHILTACH (him) – Zu einem ganz besonderen Ereignis wurde am Samstagabend eine „geistliche Abendmusik“ in der katholischen Kirche St. Johannes in Schiltach: das lag zum einen an den Chören und deren unterschiedlicher Herkunft und zum anderen am Organisator des Ganzen: Hans Kurt Rennig.

Rennig, der früher als Lehrer in Schiltach und Schenkenzell gearbeitet hat und heute in Schenkenzell lebt, ist seit Jahren als Chorleiter aktiv. Als in diesem Sommer für das Opernprojekt „Zaide“ Leute mit Freude am Singen gesucht wurden, am Singen mit Flüchtlingen und Einheimischen, war Rennig gleich dabei.

Aus der gemeinsamen Arbeit für das Projekt entstand der Singkreis Mosaik, in dem sich etwa ein Dutzend Syrer und deutsche einmal in der Woche treffen und zusammen singen.
Beim Begegnungskonzert in Schiltach hatte der Singkreis einen großen Auftritt. Aber nicht nur er: Im Altarraum traten der Kinderchor Johannisspatzen, die Kirchenchöre der Seelsorgeeinheit Kloster Wittichen, der Liederkranz Schenkenzell und die Eintracht Schiltach auf. Begleitet wurden die Chöre von einem kleinen Orchester unter der Leitung von Susanne Mogler mit Gitarren, Flöten, Trommeln, Akkordeon, Harmonium, Querflöten und einer Geige.

Mit „Ich schenk Dir einen Sonnenstrahl, damit Du wieder lachst“ setzten die „Johannisspatzen“ das Signal. eine große Sonne, mit Namen und Wünschen der Flüchtlinge auf den Strahlen notiert, leuchtete neben dem Altarraum. Gemeinsam sangen die Kinder mit dem Singkreis den Gospelsong „He’s got the whole world“ auf Deutsch und Englisch.

Elisabeth Bühler von der katholischen Gemeinde erläuterte, dass viele Lieder, die mit dem Frieden zu tun haben, auf dem Programm des Abends stünden. „Frieden wünschen wir uns in jedem Gottesdienst. Das verbindet uns.“ In den Liedern sei zu spüren, wie kostbar der Frieden sei. „Wir wollen diejenigen willkommen heißen, die den Frieden auf so schmerzliche Weise verloren haben.“

Eines der ersten Lieder, die Rennig mit dem deutsch-syrischen Chor in Schramberg einstudiert hatte, erklang dann gemeinsam mit den Johannisspatzen: „Heute ist ein schöner Tag.“ Gingen die Wörter im Spätsommer noch schwer über die Lippen der Flüchtlinge, so klang das am Samstagabend schon ganz locker. Auch die kleine Ansprache von Ghassan Al Hassan, in der er sich auf Deutsch an die etwa 300 Besucher in der Kirche wandte, war fast fehlerfrei: „Im Namen aller Syrer danke ich der deutschen Regierung und dem deutschen Volk, dass sie uns so freundlich aufgenommen haben.“ Langer Beifall. Unter den Gästen waren auch zahlreiche Familien aus Syrien mit ihren Kindern, die in Schramberg, Lauterbach, Schiltach und Schenkenzell untergekommen sind.

Gemeinsam bekannten die Kirchenchöre, der Singkreis und die Johannisspatzen: „Singen macht Spaß“, bevor die Herren der beiden Männerchöre unter der Leitung von Susanne Mogler „Wie groß bist du“ und „Unsere Welt braucht Frieden“ sangen. Der evangelische Pfarrer Dr. Christoph Glimpel trug das Friedensgebet des heiligen Franziskus vor, dessen Übersetzung ins Arabische Ghassan Al Hassan verlas.

Zum Heimatlied „Mautoni“, das die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat beschreibt und das in der Opernaufführung Zaide bereits erklang, waren weitere Flüchtlinge auf die Bühne gekommen. Es folgte aus derselben Mozartoper „Brüder lasst uns tapfer sein“.
Zum musikalischen und emotionalen Höhepunkt des Abends wurde dann das Taizé-Lied „Bless the Lord“. Dieses Lied widmete Chorleiter Rennig seiner tags zuvor beerdigten Schwester. Johannisspatzen, Kirchenchöre und Singkreis Mosaik, das kleine Begleitorchester und das Publikum machten daraus einen Hymnus, der zu Tränen rührte.

„Wenn einer allein träumt“ folgte, und Elisabeth Bühler dankte anschließend allen Beteiligten, insbesondere dem Initiator Hans Kurt Rennig. Das gemeinsame Singen tue gut und helfe. „Wir haben heute Abend gehört, was machbar ist, auch wenn man der neuen Sprache noch nicht mächtig ist.“ Mit langanhaltendem Beifall dankten die Konzertbesucher den Chören und insbesondere Chorleiter Rennig für einen ergreifenden Abend, der aber noch nicht zu Ende war.

Nach zwei weiteren Kirchenliedern endete das Konzert schließlich mit Beethovens „Ode an die Freude“. Da griff Rennig zur Trompete und Pfarrer Glimpel hatte spontan auf der Empore die Orgel in Gang gesetzt und begleitete die beiden letzten Strophen. Der begeisterte Beifall ließ Rennig nicht unbeeindruckt, und so wiederholten die Chöre „Brüder singt ein Lied der Freude“ aus der neunten Sinfonie noch einmal.

Nach dem Konzert trafen sich Zuhörer und Chöre bei Hefezopf und Tee im Pater-Huber-Saal zu Gesprächen mit den Flüchtlingen.

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 13. Dezember 2015 von Martin Himmelheber (him). Erschienen unter https://www.nrwz.de/kirchliches/sehnsucht-nach-frieden-und-heimat/104903