St. Maria-Kirche. Foto: him

SCHRAMBERG (pm) – Das Gemein­de­fest am 23. und 24. Juli. steht in die­sem Jahr ganz im Zei­chen des 300 jäh­ri­gen Turm­ju­bi­lä­ums von St. Maria. Das Sing­spiel wird laut Pres­se­mit­tei­lung am 23. Juli um 21.30 Uhr auf dem Kirch­platz von St. Maria auf­ge­führt.

Eigens zu die­sem Anlass schrieb Diet­mar Gebert das Sing­spiel „Der Turm“, ein Mit­mach-Thea­ter und Sing­spiel in vier Sze­nen (in hoch­deut­scher Fas­sung). Dabei wir­ken ein gro­ßer Chor, bestehend aus etwa 100 Sän­ge­rin­nen und Sän­gern, eine Pro­jekt­thea­ter­grup­pe und das Blä­ser­quin­tett Swa­bi­an Brass mit. Die Idee zu die­ser Insze­nie­rung sowie die Musikar­ran­ge­ments stam­men von Kir­chen­mu­sik­di­rek­tor Rudi Schä­fer.

Die Hand­lung des Sing­spiels beinhal­tet eini­ge his­to­ri­sche Ereig­nis­se im Jahr 1716: der Tod von Fer­di­nand Karl Frei­herr von Bis­sin­gen am 7. April 1716, der Brand der aus Holz gebau­ten Sankt-Niko­laus-Kir­che am 26. Mai 1716 und der Bau des heu­ti­gen baro­cken Glo­cken­turms aus Stein. Diet­mar Gebert hat es ver­stan­den, die­se his­to­ri­schen Fak­ten zu einem unter­halt­sa­men Sing­spiel zu ver­ar­bei­ten, bei dem die geschichts­träch­ti­gen Ereig­nis­se andeu­tungs­wei­se nach­ge­stellt wer­den.

Das Sing­spiel wird auf dem Kirch­platz von St. Maria auf­ge­führt. Zu Beginn fin­den sich die Chö­re und Zuschau­er vor der Burg­schu­le ein, wo sie vom Able­ben des Frei­herrn von Bis­sin­gen erfah­ren. Minis­tran­ten füh­ren einen Trau­er­zug an, der sich in Rich­tung Turm bewegt. Auf dem Platz vor dem Kir­chen­por­tal wird das Sing­spiel fort­ge­setzt.

Der Zeit­punkt für die Insze­nie­rung (21.30 Uhr) fällt mit dem Ein­set­zen der Däm­me­rung zusam­men. Für Licht­ef­fek­te in der Dun­kel­heit wer­den die Zuschau­er gebe­ten, eine funk­ti­ons­tüch­ti­ge Taschen­lam­pe mit­zu­brin­gen, die gegen Schluss des Stü­ckes zum Ein­satz kommt.

Als krö­nen­der Abschluss wird zu spä­ter Stun­de die neue Beleuch­tungs­an­la­ge am Kirch­turm ein­ge­schal­tet, die das 300 Jah­re alte Wahr­zei­chen der Stadt Schram­berg von nun an beleuch­tet. Die Anla­ge wur­de mit Unter­stüt­zung der Stadt Schram­berg finan­ziert.

Mit­wir­ken­de des Mit­mach-Thea­ters sind: Der Kir­chen­chor von St. Maria/ Hl. Geist, die Gre­go­ria­nik­scho­la, Scho­la, die Chor­ge­mein­schaft Froh­sinn; die „Pro­jekt­thea­ter­grup­pe Turm­ju­bi­lä­um“ um Klaus And­reae; das Blä­ser­quin­tett „Swa­bi­an Brass“.

War­um ein allein­ste­hen­der Turm?

Ein paar his­to­ri­sche Daten, die Wal­ter Hart­mann uns geschickt hat:

1685 wur­de unter Johann Fried­rich Frei­herr von Bis­sin­gen, der damals die Herr­schaft Schram­bergs über­nom­men hat­te, die im Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg zer­stör­te Kir­che neu und grö­ßer im goti­schen Bau­stil mit einem Turm aus Holz errich­tet.

Nach dem ver­hee­ren­den Brand im Jah­re 1716, dem 26 Häu­ser in der Tal­stadt und der aus Holz erbau­te Kirch­turm der Sankt-Niko­laus-Kir­che zum Opfer fie­len, wur­de der Turm neu gebaut – aus Stein. Es ent­stand der heu­ti­ge baro­cke Zwie­bel­turm, der zwi­schen­zeit­lich zum Wahr­zei­chen der Stadt gewor­den ist. Am 19. Novem­ber 1716 erklan­gen die bei­den von Pela­gius Grü­nin­ger aus Vil­lin­gen gegos­se­nen Glo­cken zum ers­ten Mal.

Der St. Maria-Turm nach der Sanierung im Jahr 2014. Foto: him
Der St. Maria-Turm nach der Sanie­rung im Jahr 2014. Foto: him

Auf­grund des star­ken Bevöl­ke­rungs­wachs­tums plan­te man 1841 die heu­ti­ge Sankt-Maria-Kir­che, die im spät­klas­si­zis­ti­schen Bau­stil kon­zi­piert und 1844 ein­ge­weiht wur­de. Die Kos­ten für einen neu­en Kirch­turm wur­den damals ein­ge­spart, um die bis heu­te erhal­te­ne wert­vol­le Orgel von Eber­hard Fried­rich Walcker aus Lud­wigs­burg anschaf­fen zu kön­nen.

Die alte Sankt-Niko­laus-Kir­che ver­kauf­te die Kir­chen­ge­mein­de 1860 an die Stadt Schram­berg. Fort­an wur­de die Kir­che als Feu­er­wehr­ge­rä­te­haus genutzt und 1963 der Kir­chen­ge­mein­de geschenkt, die die­se 1972 abriss. Seit die­ser Zeit steht der Kirch­turm der ehe­ma­li­gen Sankt-Niko­laus-Kir­che getrennt von der Kir­che und ziert den Platz vor der heu­ti­gen Kir­che.”