Karrais: Baden-Württemberg darf kein Detroit 2.0 werden

FDP-Abgeordneter bei der Kfz-Innung

21
Der FDP-Landtagsabgeordnete Daniel Karrais (Mitte) bei der Kfz-Innung in Balgheim, rechts Obermeister Bernd Klaiber, links Geschäftsführer Kurz Scherfer. Foto: fdp

Der FDP-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Dani­el Kar­rais tausch­te sich mit der Innung des Kfz-Gewer­bes Tutt­lin­gen-Rott­weil über Aus­wir­kun­gen der Fahr­ver­bo­te und des Die­sel­skan­dals aus.

 

Die Debat­te um Die­sel und Fahr­ver­bo­te gab dem FDP-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Dani­el Kar­rais Anlass, ins Gespräch mit der Innung des Kfz-Gewer­bes Tutt­lin­gen-Rott­weil zu gehen. Beson­de­res Inter­es­se zeig­te Kar­rais an den Aus­wir­kun­gen der Fahr­ver­bo­te in Stutt­gart auf die hei­mi­schen Werk­stät­ten. Ober­meis­ter Bernd Klai­ber vom gleich­na­mi­gen Auto­haus und der Innungs-Geschäfts­füh­rer Kurt Scher­fer stan­den Rede und Ant­wort.

 

Der­zeit sind 160 Betrie­be in der Innung orga­ni­siert. Über 50 Pro­zent der Kfz-Betrie­be fun­gie­ren gleich­zei­tig als Ver­trags-Auto­haus mit einer oder meh­re­ren Auto­mar­ken.

 

Im Gespräch ging es um die Die­sel­ma­ni­pu­la­ti­on und die Ver­un­si­che­rung des Ver­brau­chers, die durch die mög­li­chen Fahr­ver­bo­te aus­ge­löst wur­den. „Natür­lich mer­ken wir das beim Ver­kauf”, sag­te Klai­ber. Bei den Neu­wa­gen habe das Auto­haus des­we­gen nur noch Euro-6-Die­sel mit im Ange­bot. Wei­ter­hin führ­te er aus, dass bei den Nutz­fahr­zeu­gen kein Kun­de am Die­sel vor­bei­kä­me. Hier sei­en die Ver­kaufs­zah­len kon­stant. „Ins­ge­samt ste­hen 90 gebrauch­te Die­sel­fahr­zeu­ge auf dem Hof, wovon 30 der Euro Klas­se 5 ent­spre­chen. Es ist natür­lich schwie­rig, in der der­zei­ti­gen Situa­ti­on Euro-5-Die­sel zu ver­kau­fen”, mein­te Klai­ber. Dar­um gin­ge auch der Groß­teil aller älte­ren Die­sel in den Export. „Die kal­te Ent­eig­nung zeigt sich hier beson­ders. Wer einen Die­sel gekauft hat, um das Kli­ma zu scho­nen, wird jetzt durch Fahr­ver­bo­te gestraft. Der Umwelt bringt es nichts, denn der Die­sel fährt dann im Aus­land wei­ter”, ärgert sich Kar­rais über die­sen Umstand.

 

Von einer blau­en Pla­ket­te hält Kurt Scher­fer nichts. „Die Pla­ket­ten lösen kei­ne Pro­ble­me. Wich­tig ist, dass die Poli­tik eine Ent­schei­dung trifft, was mit den Die­sel­fahr­zeu­gen der Euro­klas­se 5 pas­sie­ren soll. Die Betrie­be brau­chen Klar­heit”, for­der­te Kurt Scher­fer.

Neben den Fahr­ver­bo­ten habe auch der Die­sel­skan­dal den Ruf der Auto­bau­er ver­schlech­tert, was bei den Ver­trags­händ­lern zu spü­ren sei. „Wir als Händ­ler müs­sen die Zeche bezah­len. Bei einem Neu­wa­gen­ver­kauf ver­die­nen wir so gut wie nichts mehr. Vor allem Lea­sing­rück­läu­fer mit Euro 5 Die­sel­mo­to­ren sind weni­ger wert als ursprüng­lich geplant. Die­sen Wert­ver­lust bezahlt uns Händ­lern nie­mand“, stellt Kfz-Meis­ter und Händ­ler Klai­ber ver­är­gert fest.

 

Die für alle vom Skan­dal betrof­fe­nen Euro-5-Die­sel­fah­rer ver­pflich­ten­den Soft­ware­up­dates sieht Klai­ber kri­tisch. Zwar stimm­ten nun die Abgas­grenz­wer­te, die Leis­tung sei aber nicht mehr so abruf­bar wie zuvor. „Ich bin davon über­zeugt, dass wir Hard­warenach­rüs­tun­gen brau­chen, und die sol­len die Her­stel­ler bezah­len, die bei den Abgas­mes­sun­gen gemo­gelt haben. Es kann nicht sein, dass die zuge­si­cher­ten Fahr­ei­gen­schaf­ten jetzt geän­dert wer­den und der Kun­de die Ver­feh­lung des Auto­bau­ers aus­ba­den muss, inklu­si­ve Wert­ver­lust des Fahr­zeugs”, ist Kar­rais über­zeugt.

 

Die ein­sei­ti­ge poli­ti­sche Fokus­sie­rung auf Elek­tro­au­tos trei­be Ober­meis­ter Klai­ber und die Bran­che eben­falls um. Der auf Kraft­fahr­zeu­ge spe­zia­li­sier­te Maschi­nen­bau­in­ge­nieur Kar­rais, der sich frü­her auch mit E‑Mobilität beschäf­tigt hat, weiß dazu: „Das Elek­tro­au­to mag in der Stadt sehr gut sein, für Lang­stre­cken und Last­ver­kehr ist es weni­ger geeig­net. Wir brau­chen einen Mix der Tech­no­lo­gi­en. Es gibt vie­le ande­re Mög­lich­kei­ten, wie die Brenn­stoff­zel­le oder alter­na­ti­ve Kraft­stof­fe wie E‑Fuels. Tech­no­lo­gie­of­fen­heit muss das Cre­do sein.“ Man müs­se dar­auf ach­ten, dass man den Auto­mo­bil­stand­ort durch poli­ti­sche Fokus­sie­run­gen nicht selbst ver­nich­te. „Baden-Würt­tem­berg darf kein Detroit 2.0 wer­den!” for­mu­liert Kar­rais eine kla­re Prä­mis­se der FDP und sei­ner Arbeit.

Diesen Beitrag teilen …