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Montag, 13. Juli 2020
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    Zehn Jahre Hausarztzentrierte Versorgung im Landkreis Rottweil

    Ärzte und AOK ziehen eine positive Bilanz

    Landkreis Rottweil (pm) – Vor zehn Jahren wurde von den Arztzusammenschlüssen Hausärzteverband und MEDI-Verbund sowie der AOK Baden-Württemberg der bundesweit erste Vertrag zur hausarztzentrierten Versorgung (HZV) eingeführt. Damit wurde der Hausarzt als erste Anlaufstelle im Gesundheitssystem etabliert. Landesweit nehmen 1,6 Millionen AOK-Versicherte am Hausärztevertrag teil. Auf Medizinerseite sind rund 5000 Hausärzte inklusive Kinder- und Jugendärzte sowie knapp 2500 Fachärzte aktiv, dies schreibt die AOK in einer Pressemitteilung.

    „Nach zehn Jahren intensiver Arbeit ist es gelungen, die hausarztzentrierte Versorgung als alternative Regelversorgung im Landkreis zu verankern“, stellt Klaus Herrmann, Geschäftsführer der AOK Bezirksdirektion Schwarzwald-Baar-Heuberg, fest. „Mit dem Hausärztevertrag wurde erfolgreich ein neuer Weg beschritten, der die ambulante Versorgung vor Ort nachhaltig stärkt“, unterstreicht Markus Common, Hausarzt in Hüfingen und Vorstandsmitglied des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg.

    Im Landkreis Rottweil nutzen die HZV 30.300 AOK-Versicherte, die sich an 54 Hausärzte wenden können. Hinzu kommen 29 Fachärzte der Bereiche Kardiologie, Gastroenterologie, Psychiatrie/Neurologie/ Psychotherapie, Orthopädie, Urologie und Diabetologie. „Der Anteil von fast zwei Dritteln aktiven HZV-Ärzten in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg ist mit Abstand Spitze im Regierungsbezirk Freiburg. Gleiches gilt für die Teilnahmequote von über 40 Prozent unserer Versicherten“ so AOK-Chef Klaus Herrmann. Die Gruppe der über 50-Jährigen stellten überdies die Mehrzahl der eingeschriebenen HZV-Versicherten dar. Die Vorteile der hausarztzentrierten Versorgung kämen damit vor allem denen zu Gute, die diese besonders benötigten.

    „Durch die Hausarztzentrierte Versorgung werde ich als Allgemeinmediziner gestärkt“, betont Markus Common. Als qualifizierter „Rundum-Versorger“ vor Ort behandle er nicht nur alle Patienten, sondern stehe als Koordinator auch im engen Austausch mit den behandelnden Fachärzten. „Ich habe so zum Nutzen meiner Patienten den Überblick und steuere damit die Behandlung“, erklärt Common. Dadurch werde die Fehlmedikation sowie unnötige und belastende Doppeluntersuchungen vermieden. Außerdem seien die im HZV-Vertrag vorgesehenen engmaschigen Betreuungsmodule für die Gesundheit chronisch erkrankter Personen bedeutsam.

    Diese Feststellung belegen die im Oktober veröffentlichte Evaluationen der Universitäten Frankfurt/Main und Heidelberg. Beispielsweise weisen HZV-Patienten mit koronaren Herzerkrankungen pro Jahr 1.900 weniger Krankenhausaufenthalte auf. Bei Diabetikern sind deutlich weniger schwerwiegende Komplikationen zu beobachten. Im Untersuchungszeitraum von sechs Jahren wurden ca. 4.000 schwerwiegende Komplikationen wie Amputation, Dialyse, Erblindung, Herzinfarkt oder Schlaganfall in der HZV-Gruppe vermieden. Bei Betrachtung des Fünf-Jahres-Zeitraums 2012 bis 2016 zeigt sich für Professor Joachim Szecsenyi von der Uni Heidelberg, dass das Risiko zu versterben in der HZV geringer ist als in der Regelversorgung. Das zugrundeliegende statistische Überlebenszeitmodell weist eine Zahl von knapp 1.700 verhinderten Todesfällen in der HZV aus.

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    Auch die Ärzte profitieren. „Die leistungsgerechte Honorierung in festen Eurobeträgen ohne Budgetierung sichert die wirtschaftliche Zukunft unserer Praxen und bietet Planungssicherheit für Investitionen und laufende Kosten“, sagt Hausarzt Markus Common. Und mit der Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis – der VERAH- steht die HZV für moderne, teamorientierte Praxisstrukturen. Denn die VERAH entlastet die Mediziner etwa bei der Versorgung der älteren und multimorbiden Patienten. Sie führt Hausbesuche durch und übernimmt medizinische Tätigkeiten, die nicht zwingend vom Arzt erbracht werden müssen. „HZV-Praxen sind“, so Common, „für die Übernahme durch den ärztlichen Nachwuchs erheblich attraktiver und damit auch ein Mittel gegen den Hausärztemangel im ländlichen Raum.“

    Die HZV entwickelt sich im Übrigen weiter: Mit Nephrologie, Pulmologie und HNO wird die alternative Regelversorgung auf der Facharztschiene im kommenden Jahr erweitert. Außerdem werden die durch den HZV vernetzten Haus- und Fachärzte zunächst mit drei IT-Anwendungen im ersten Quartal 2019 sukzessive digitale Strukturen aufbauen. Der elektronische Arztbrief wird erstmals klar definierte Informationen bei Überweisung und Rücküberweisung strukturiert und damit digital verarbeitbar in Echtzeit zur Verfügung stellen. Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (E-AU) vereinfacht und beschleunigt die Verarbeitung, so dass zum Beispiel Krankengeld noch schneller an die langzeiterkrankten Versicherten überwiesen werden kann. Das elektronische Medikationsdossier (Hauskomet) zeigt allen an der Behandlung beteiligten und an der Vernetzung mitwirkenden Praxen die medikamentöse Therapie an, Änderungen oder Ergänzungen von Fachärzten würden angezeigt und protokolliert.

     

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