Die ZDF-Reihe „37 Grad“ (dienstags, 22.15 Uhr) ist eine Sendung mit einem gewissen journalistischen Anspruch, den sie in der Regel auch erfüllt. Am Dienstag vergangener Woche ging es um einen „Bürgermeister-Macher“: Klaus Abberger aus Rottenburg. An zwei Beispielen sollte der Film aufzeigen, wie er aus Kandidaten Bürgermeistern macht. Einer dieser Fälle war der Wahlkampf in Zimmern ob Rottweil. Die Reportage erzählte nicht die ganze Geschichte.

Der „renommierte Filmemacher” Klaus Stern habe ihm vier Monate lang „über über die Wahlkampf-Schulter geschaut“ berichtet Klaus Abberger. Der heute 49-Jährige hatte sich nach fünf Jahren als Zeitungsredakteur selbstständig gemacht und eine Marketing-Agentur gegründet. Inzwischen hat er nach eigenem Bekunden mehr als 150 Bürgermeister-Kandidaten beraten.

Filmemacher Stern produzierte ein fragwürdiges Filmchen über Zimmern ob Rottweil, wo zwei Kandidaten antraten: Carmen Merz aus Schömberg und Dieter E. Albrecht aus Rottweil. Die Zuschauer erleben zu Beginn eine erstaunlich unsichere Carmen Merz. „Mir war klar, dass ich’s mit Coach mache“, sagt sie. „Es ist kein billiger Spaß … Wenn ich auf dem Rathaus angerufen hätte und da was gefragt, hätten die mich ja ausgelacht.“

So richtig wird nicht klar, worin das Erfolgsgeheimnis des Bürgermeister-Machers liegt, der angeblich zwei von drei Bewerbern „durchbringt“. Klar ist, dass er die Reden seiner Kunden komplett schreibt und sie mit ihnen rhetorisch einübt. Carmen Merz gibt er noch die Ratschläge, im Zweifelsfall Verständnis für beide Seiten („bla-bla-bla“) zu zeigen und „ein bisschen mehr Kreide zu fressen als später im Amt“. Der Preis: zwei Euro pro Einwohner, macht unterm Strich 12.000 Euro für Carmen Merz.

Gegenkandidat Dieter E. Albrecht kommt in dieser ZDF-Reportage, die ohne Kommentar, dafür mit knappen Untertiteln arbeitet, nur mit zwei kurzen Sätzen zu Wort. Einmal, als er seine eigene Rede authentisch und die von Carmen Merz „weichgespült” nennt, „die man an jedem anderen Ort so halten kann“ bezeichnet. Und einmal, als er selbstbewusst ankündigt, er werde den ersten Wahlgang mit „50 plus 1“ gewinnen. Das ist natürlich eine prima Vorlage für den Filmemacher und sein Konzept „Bürgermeister-Macher“.

Der entscheidende und bundesweit vielleicht einzigartige Aspekt dieser Wahl in Zimmern ob Rottweil aber wird völlig ausgeblendet: dass hier mit Albrecht ein Kandidat antritt, um Zimmern binnen eines Jahres nach Rottweil einzugemeinden und damit das Amt des Bürgermeister abzuschaffen. Dass damit die Chancen eines Kandidaten gegen null sinken, lag auf der Hand. Da braucht der Gegner keinen Bürgermeister-Macher mehr.

Waren das im ZDF nun Fake News oder alternative Fakten oder beides? Auf jeden Fall war es nicht die volle Wahrheit, sondern eine manipulierte. Und das ist in einem öffentlich-rechtlichen Sender zu Zeiten von „Lügenpresse“ durchaus ein verheerendes Zeichen.

Ins Bild passt auch der zweite Fall, der in Ispringen bei Pforzheim spielte. Hier tippte der Amtsinhaber auf 60 Prozent für sich. Es gewann der Herausforderer, betreut von Klaus Abberger, mit 53 Prozent.

Am Schluss durfte noch ein Beobachter eine spezielle Wahlempfehlung für den „Bürgermeister-Macher“ abgeben: „Sie sind Ihr Geld wert!“