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Rottweil
Donnerstag, 12. Dezember 2019
Start Land­kreis Rott­weil 2,6 Mil­lio­nen Über­stun­den im Gast­ge­wer­be – 1,4 Mil­lio­nen davon unbe­zahlt

2,6 Millionen Überstunden im Gastgewerbe – 1,4 Millionen davon unbezahlt

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KREIS ROTTWEIL – Wenn der Land­kreis Rott­weil rich­tig schuf­tet, kommt ein Über­­s­tun­­­den-Berg her­aus: Rund 2,6 Mil­lio­nen Arbeits­stun­den haben die Beschäf­tig­ten hier im ver­gan­ge­nen Jahr zusätz­lich geleis­tet. Davon 1,4 Mil­lio­nen Über­stun­den zum Null­ta­rif – ohne Bezah­lung. Das geht aus dem „Über­­s­tun­­­den-Moni­­tor“ her­vor, den das Pes­­tel-Insti­­tut im Auf­trag der Gewerk­schaft Nah­­rung-Genuss-Gas­t­­stät­­ten (NGG) erstellt hat. Danach haben alle Beschäf­tig­ten den Unter­neh­men im Kreis Rott­weil 34 Mil­lio­nen Euro „geschenkt“.

Allein in Hotels und Gast­stät­ten leis­te­ten die Beschäf­tig­ten hier im ver­gan­ge­nen Jahr rund 47.000 Über­stun­den. Das hat das Pes­­tel-Insti­­tut auf Basis des Mikro­zen­sus berech­net. Die Wis­sen­schaft­ler sind von bun­des­wei­ten Durch­schnitts­wer­ten aus­ge­gan­gen. Dem­nach waren 45 Pro­zent aller im Land­kreis Rott­weil geleis­te­ten Über­stun­den im Gast­ge­wer­be unbe­zahlt. Für 2018 bedeu­tet dies – bei 12 Euro Lohn­kos­ten pro Stun­de für den Arbeit­ge­ber – ein „Lohn-Geschenk“ von 250.000 Euro.

„Von der Küchen­hil­fe im Hotel bis zum Kell­ner im Bier­gar­ten: Wer im Gast­ge­wer­be arbei­tet, ist auf jeden Euro ange­wie­sen. Dabei sind 63 Pro­zent die­ser Arbeits­plät­ze im Kreis Rott­weil Mini­jobs“, sagt NGG-Geschäfts­­­füh­­rer Claus-Peter Wolf. Das Pro­blem der 450-Euro-Kräf­­te: Sie dür­fen kei­nen Euro hin­zu­ver­die­nen. „Also wer­den die Über­stun­den ent­we­der gar nicht oder schwarz bezahlt – bar auf die Hand. Statt Mini­job­ber mit 450 Euro abzu­spei­sen, soll­te das Gast­ge­wer­be end­lich mehr Men­schen regu­lär beschäf­ti­gen und ordent­lich bezah­len“, for­dert Wolf.

Die NGG geht in Sachen Arbeits­zeit jetzt in die Offen­si­ve: Sie stellt sich mit der Gas­t­ge­wer­­be-Kam­pa­g­ne „#fair­dient“ hin­ter die rund 1.900 Beschäf­tig­ten in den Hotels, Restau­rants und Gast­stät­ten im Kreis Rott­weil. Denn ihnen dro­he – über den ver­lo­re­nen Lohn bei Umsonst-Über­­s­tun­­­den hin­aus – noch ein ande­res Pro­blem: Der Deut­sche Hotel- und Gast­stät­ten­ver­band (Deho­ga) drän­ge die Bun­des­re­gie­rung, die Arbeits­zei­ten noch fle­xi­bler zu machen. „Es geht dar­um, das Arbeits­zeit­ge­setz zu durch­lö­chern. Ziel der Arbeit­ge­ber ist es, die Höchst­ar­beits­zeit auf bis zu 13 Stun­den pro Tag aus­zu­wei­ten“, kri­ti­siert Wolf.

Der Deho­ga wer­de sich mit sei­nem Vor­stoß „ein Eigen­tor schie­ßen“, so die NGG. Denn das Hotel- und Gast­stät­ten­ge­wer­be könn­te durch eine wei­te­re Fle­xi­bi­li­sie­rung der Arbeits­zeit an Attrak­ti­vi­tät ein­bü­ßen. „Gera­de jun­ge Men­schen wer­den dadurch ver­schreckt. Und das bei der – im Bran­chen­ver­gleich – ohne­hin schon beson­ders nied­ri­gen Aus­bil­dungs­quo­te“, sagt Wolf.

Der Gewerk­schaf­ter warnt: Mehr arbei­ten zu müs­sen, bedeu­te immer auch ein höhe­res Gesund­heits­ri­si­ko. „Schlaf­stö­run­gen, Erschöp­fung, Rücken­schmer­zen und sogar Arbeits­un­fäl­le kön­nen die Fol­ge sein.“ Die bestehen­de Rege­lung der Arbeits­zeit sei des­halb ein wich­ti­ger Schutz der Beschäf­tig­ten.

Im Gast­ge­wer­be sei es bereits heu­te gang und gäbe, über­durch­schnitt­lich oft an Wochen­en­den und Fei­er­ta­gen, spät­abends und auf Abruf zu arbei­ten. „Dazu kommt ein guter ‚Flex-Fak­­tor‘ durch Arbeits­zeit­kon­ten. In Tarif­ver­trä­gen hat die NGG mit dem Deho­ga viel­fäl­ti­ge Arbeits­zeit­mo­del­le ver­ein­bart. Zu vie­le Betrie­be set­zen die­se aber gar nicht in der Pra­xis um, son­dern wol­len einen Frei­fahrt­schein. Wir for­dern die Unter­neh­men auf, sich an die­se Rege­lun­gen zu hal­ten und die Dienst­plä­ne früh­zei­tig und ver­läss­lich zu schrei­ben“, so Gewerk­schaf­ter Wolf.

 

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