Abschlussschüler setzen sich für hilfsbedürftige Kinder ein

VILLINGENDORF – Alles begann mit dem Zusammenbruch des Ostblocks im Jahr 1989. Die politischen Umwälzungen nahmen in Rumänien ein blutiges Ende und hinterließen ein Land in bitterer Armut. Journalisten legten das Leid offen und zeigten der Welt verwahrloste Kinder in Waisenhäusern. Die Bilder des Schreckens ließen den Engländer Dave Cooke nicht mehr los. Zusammen mit seiner Frau und einem lokalen Radiosender erging der Aufruf, für Waisenkinder in Rumänien zu sammeln. Daves Schwester kam zudem auf die Idee, Schuhkartons mit Geschenkpapier zu umwickeln und mit Dingen zu füllen, über die sich die notleidenden Kinder freuen würden.

In den Folgejahren packten immer mehr Menschen zu Weihnachten Schuhkartons. Die Aktion war nicht mehr zu stoppen. 1993 übergab Cooke seine „Operation Christmas Child“ offiziell an die international tätige Hilfsorganisation „Samaritan’s Purse“, die die Aktion auf weitere Länder ausweitete. Heute werden allein im deutschsprachigen Raum jedes Jahr mehr als 400.000 Schuhkartons gepackt.

2014 erreichte „Weihnachten im Schuhkarton“ (WiS) schließlich die GWRS Villingendorf. Die Abschlussklasse 10 war damals auf der Suche nach Möglichkeiten, bei denen die Jugendlichen wichtige Schlüsselkompetenzen in der Praxis umsetzen konnten. Als der damalige Klassenlehrer Torsten Zühlsdorff den Schülerinnen und Schülern die Aktion WiS vorstellte, entstand die Idee, spendenwilligen Menschen ein Dienstleistungsangebot zu machen. Wer Kindern in Not helfen wollte, selbst aber keine Zeit hatte oder einen kleineren Geldbetrag einsetzen wollte, konnte sich von nun an das Projektteam WiS der GWRS Villingendorf wenden. In Absprache mit der Hilfsorganisation sammelten die Jugendlichen Spenden, organisierten Benefiz-Veranstaltungen, kalkulierten die Anzahl der Päckchen, organisierten den Einkaufsprozess, packten nach Vorgaben die Schuhkartons und brachten diese schließlich zu einer offiziellen Sammelstelle nach Rottweil.

Das Projektteam WiS aus Villingendorf ist nun bereits im sechsten Jahr aktiv. Längst findet sich die Aktion im Schulcurriculum wieder, sodass jährlich im Oktober über die Abschlussschüler ein entsprechender Spendenaufruf erfolgt. „Unterstützung bekommen wir von zuverlässigen Partnern“, freute sich Carmen, die zusammen mit Ekin, Laura und Daniel für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Als Schirmherr konnte in diesem Jahr der Villingendorfer Bürgermeister Marcus Türk gewonnen werden. Die Volksbank Rottweil stellte zudem ein kostenloses Aktionskonto zur Verfügung und sponserte sämtliche Werbekosten. „Dadurch können wir unser Versprechen halten, dass ausnahmslos jeder Cent in die Packaktion geht“, unterstrich Daniel und ergänzte: „Wir danken den überaus zahlreichen Spendern für ihr Engagement und ihr großes Vertrauen!“

Mitte November konnte eine Delegation des Projektteams über 30 Schuhkartons nach Rottweil bringen. Empfangen wurden die Jugendlichen von Annerose und Klaus Bergander, die die dortige Sammelstelle betreuen. Durch Kekse und Fruchtpunsch gestärkt, fand ein lebhafter Austausch statt. Das Team berichtete voller Dankbarkeit von einer unerwarteten Überraschung: „Alle Hygieneartikel kaufen wir fast schon traditionell bei dm in Zimmern ob Rottweil ein. Als wir vor zwei Wochen bezahlen wollten, erklärte uns die Filialleiterin Natascha Godina, dass alle Artikel vom Unternehmen gespendet würden“. Durch diese finanzielle Entlastung könne das Team jetzt auch die Transportkosten für die Schuhkartons abdecken.

Die betreuenden Lehrkräfte Markus Birkenmaier und Torsten Zühlsdorff zeigten sich ebenfalls sehr zufrieden. Birkenmaier ist sich sicher, dass die gemeinsame Arbeit und die vielen positiven Erfahrungen bei den Schülern „Spuren hinterlassen“ haben. Nun müsse noch die Buchhaltung abgeschlossen und kontrolliert werden. Die Päckchen starten zeitnah ihre Reise in die Empfängerländer, wo sie während der Advents- und Weihnachtszeit an die bedürftigen Kinder verteilt werden. Das Projektteam dankte noch einmal allen Spendern und übergab symbolisch einen Staffelstab an Vertreter des kommenden Abschlussjahrgangs.

 

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