Es gab sehr viel Lob, ste­hen­de Ova­tio­nen und ein per­sön­li­ches Gruß­wort auch des Alt-Minis­ter­prä­si­den­ten Erwin Teu­fel. Als ver­läss­lich, mensch­lich, als Macher, der sei­ne Gemein­de vor­an gebracht habe wur­de er geschil­dert: Der „lie­be Emil”. Für sei­ne Mari­an­ne gab es Ver­ständ­nis. Und Blu­men. Sie hat fort­an einen Unru­he­ständ­ler zuhau­se, und einen, der die Ehren­bür­ger­wür­de sei­ner Wahl­hei­mat trägt: Zim­mern ob Rott­weil hat am Frei­tag­abend Emil Maser in gro­ßem und wür­di­gem Rah­men als Bür­ger­meis­ter ver­ab­schie­det.

Die Grip­pe gras­sier­te in den ver­gan­ge­nen Wochen im Zim­mer­ner Rat­haus. Jene Vari­an­te, die die Stim­me raubt. Sie hat auch den schei­den­den Bür­ger­meis­ter, Emil Maser erwischt. Sei­ne Rede schrieb er noch auf dem Kran­ken­bett, mit­hil­fe sei­ner Frau – die ihm bei so Vie­lem bei­gestan­den habe in sei­nen 24 Jah­ren Amts­zeit in Zim­mern, wie Maser sag­te. Wie er es mit eher lei­ser Stim­me sag­te.

Ein wenig ent­kräf­tet geht Emil Maser in den Ruhe­stand. Aber er geht mit den bes­ten Wün­schen sei­ner Weg­ge­fähr­ten, Mit­ar­bei­ter und Freun­de. Und mit deren größ­tem Lob. Allen vor­an Alt-Minis­ter­prä­si­dent. „Sie ver­ab­schie­den einen Bür­ger­meis­ter, vor dem ich gro­ße Hoch­ach­tung habe”, sag­te Erwin Teu­fel. Und mein­te damit auch das Amt selbst, das er als klei­ner Bub im Vor­schul­al­ter schon ange­strebt habe, das er dann in Spai­chin­gen erreich­te und das für ihn Sta­ti­on auf dem Weg zum Lan­des­va­ter gewe­sen ist.

Es war ein Glücks­fall für die Gemein­de Zim­mern, dass Sie die Stel­len­an­zei­ge gele­sen haben, dass Sie sich bewor­ben haben und dass Sie gewählt und wie­der­ge­wählt wor­den sind.

(Erwin Teu­fel, an Emil Maser gewandt)

Erwin Teu­fel. Foto: Team Ralf Gra­ner Pho­to­de­sign

Als einen von Masers größ­ten Ver­diens­te bezeich­ne­te Teu­fel – der frei und rund eine hal­be Stun­de sprach – die Ansied­lung von Unter­neh­men. Dass dies gemein­sam mit der Nach­bar­stadt Rott­weil gelun­gen sei, sei „eine unglaub­li­che Leis­tung.” Jüngst habe Maser erkannt, dass Zim­mern kei­ne ech­te Mit­te habe – und die­se nun geschaf­fen. Die Ein­wei­hung, frei­lich, die fällt in die Amts­zeit von Masers Nach­fol­ge­rin Car­men Merz, die die Ver­ab­schie­dung ihres Vor­gän­gers gemein­sam mit ihrem Mann in der ers­ten Rei­he des Saals ver­folgt hat.

Der Rang­ord­nung und Regie des Abends fol­gend ergriff dann Land­rat Dr. Wolf-Rüdi­ger Michel das Wort. Er fand vie­le per­sön­li­che Wor­te für den lang­jäh­ri­gen Weg­ge­fähr­ten Maser, der auch als Kreis­rat fun­gier­te. „Emil Maser ist ein Mensch, dem die eige­ne Per­son nicht so wich­tig ist, son­dern dem es um die Sache geht.” Oft um die Sache Zim­merns, so Michel, Maser aber habe auch dar­über hin­aus den­ken und han­deln kön­nen. Nach 24 Jah­ren Maser ste­he die Gemein­de Zim­mern gut da. Der Bür­ger­meis­ter habe geschickt För­der­töp­fe für sei­ne Gemein­de gefun­den, För­der­gel­der in Mil­lio­nen­hö­he erwor­ben. „Bei Zuschüs­sen kön­nen Sie Emil Maser fra­gen, der weiß. wie man’s macht”, so Michel.

Maser sei zudem „ein Mann, der sich an das gege­be­ne Wort erin­nert. Ein Mensch, mit dem man per Hand­schlag Geschäf­te machen kann.”

Heu­te geht eine Ära zu Ende. Ihre Wahl­er­geb­nis­se hat in der zu Ende gehen­den Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik nicht ein­mal Egon Krenz erzie­len kön­nen. Hohes Fach­wis­sen, Fleiß, Ziel­stre­big­keit und Ehr­lich­keit zeich­nen Sie aus.

(Wolf-Rüdi­ger Michel)

Hardts Bür­ger­meis­ter Her­bert Hal­der sprach für die vie­len Bür­ger­meis­ter in der rand­vol­len Zim­mer­ner Fest­hal­le, als Vor­sit­zen­der des Kreis­ver­bands des Gemein­de­tags Baden-Würt­tem­berg. Maser habe die Gemein­de Zim­mern auf eine gute Zukunft aus­ge­rich­tet. Sein Wir­ken sei auf län­ge­re Frist ange­legt gewe­sen und habe dank der Wäh­ler zu einer Lebens­auf­ga­be wer­den kön­nen, so Hal­der.

Herz­li­chen Dank für die Kol­le­gia­li­tät. Wir, Dei­ne Kol­le­gen und Freun­de, freu­en uns mit Dir über die hohe Aner­ken­nung Dei­ner Arbeit. Du bist ein Mann mit Aus­dau­er, des­sen Wort immer galt.

(Her­bert Hal­der)

Lob auch von Sei­ten der Zim­mer­ner Ver­ei­ne. Sieg­fried Hat­tler, Ehren­vor­sit­zen­der des SVZ, über­brach­te es. Maser habe immer ver­sucht, den Stand­punkt der Ver­eins­ver­tre­ter zu ver­ste­hen, bei all ihren klei­nen und gro­ßen Anlie­gen.

Wenn Emil Maser mal nein sagen muss­te, dann tat ihm das mehr weh als uns von den Ver­ei­nen.

(Sieg­fried Hat­tler)

Apro­pos Ver­ei­ne: Ein gemein­sa­mer Musik­ver­ein mit Musi­kern aus Zim­mern und den drei Teil­or­ten Stet­ten, Flöz­lin­gen und Hor­gen hat sich eigens für den gro­ßen Abschieds­abend unter der Lei­tung von Kle­tus Colo­gna kon­sti­tu­iert. Sie spiel­ten drei Stü­cke aus einer deut­lich umfang­rei­che­ren Aus­wahl an Emil-Maser-Lieb­lings­songs – der Mann war selbst ein­mal „Zug­po­sau­nist”, wie er das nennt – die sei­ne Frau Mari­an­ne heim­lich ohne sein Wis­sen zusam­men gestellt hat­te. Maser mag Abba, das wis­sen wir damit auch. Und Marsch­mu­sik, aber für die blieb im straf­fen Pro­gramm des exklu­si­ve dem abschlie­ßen­den Steh­emp­fang samt „Get tog­e­ther” kei­ne Zeit mehr.

Jetzt in der Rente, wird die Freiheit wohl grenzenlos sein …” – der Mitarbeiterchor der Gemeinde Zimmern.

 

Colo­gna und sei­ne Musi­ker hät­ten ger­ne mehr gebo­ten, das mach­te der Diri­gent deut­lich. Den Abschluss mach­te dage­gen der ört­li­che Lie­der­kranz mit einem enga­giert vor­ge­tra­ge­nen „We Are The World.” Und zuvor ein von Käm­me­rer und Bar­de Mar­tin Weiß ange­lei­te­ter Chor aus Gemein­de­mit­ar­bei­tern, der dem schei­den­den Chef nach­rief: „Schön war die Zeit …” Und: „Jetzt in der Ren­te, wird die Frei­heit wohl gren­zen­los sein …” Gro­ßer Applaus war den Sän­gern sicher.

Der Liederkranz.

 

Die Regie für den Abend – ihn manag­te Rat­haus­mit­ar­bei­te­rin Anja Scha­ber, die wie ihr schei­den­der Bür­ger­meis­ter auch an der Grip­pe zuletzt zu lei­den hat­te – war per­fekt. Ange­fan­gen bei der Park­platz­ord­nung – mit dem BMW des Bür­ger­meis­ters an ers­ter Stel­le. Land­rat, Alt-Minis­ter­prä­si­dent und all die ande­ren reih­ten sich auf.

Wie auch als Red­ner. Da war die Lis­te knapp gehal­ten wor­den – ange­sichts des­sen, dass im Publi­kum auch etwa die Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Ste­fan Teu­fel und Dr. Ger­hard Aden saßen, ange­sichts auch des­sen, dass die Bür­ger­meis­ter fast sämt­li­cher Gemein­den im wei­ten Umland samt Rott­weils Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß und dem dor­ti­gen Bür­ger­meis­ter Dr. Chris­ti­an Ruf da waren, ange­sichts des­sen, dass die Red­ner­lis­te bis zum nächs­ten Mor­gen und weit über die Kreis­gren­ze hin­aus hät­te rei­chen kön­nen, war das ein kurz­wei­li­ger und unter­halt­sa­mer Abend. Einer, der besag­te, dass eine Gemein­de hier ungern ihren Schul­tes ver­liert.

Ein Schul­tes, der auch ungern geht. Das wur­de in Emil Masers Anspra­che deut­lich. Nach 49 Jah­ren im öffent­li­chen Dienst und 24 Jah­ren als Zim­mer­ner Bür­ger­meis­ter kann er mit dem bevor­ste­hen­den Ruhe­stand noch nicht so rich­tig was anfan­gen.

Man stellt sich unwill­kür­lich die Fra­ge: War es genug, was man geleis­tet hat? Wur­de mehr erwar­tet? Wur­den die Leis­tun­gen über­haupt gese­hen?

(Emil Maser)

Der Abschied fal­le ihm sehr schwer, sag­te Maser. Er sei mit Leib und See­le Bür­ger­meis­ter gewe­sen. Aber er sei auch dank­bar, „dass ich mei­nen Beruf zur Beru­fung machen konn­te.” Sei­ne Abschieds­re­de wird eine der längs­ten in sei­ner Amts­zeit gewe­sen sein – bis hin zu sei­ner Frau reich­te der Dank, der er noch eine klei­ne Lie­bes­er­klä­rung mach­te, vor über­füll­ter Hal­le. An die Gra­tu­lan­ten gerich­tet, mein­te er: „Das Lob war zuviel, ich habe nur mei­ne Pflicht getan.”

Masers Arbeits­le­ben war erfüllt: 1967 hat er in Hai­ter­bach sei­ne Ver­wal­tungs­lauf­bahn gestar­tet, war im Alter von 29 Jah­ren dort Haupt­amts­lei­ter, bald auch Kom­man­dant der ört­li­chen Feu­er­wehr – bis er sich 1993 gegen drei Mit­be­wer­ber mit 73 Pro­zent der Stim­men durch­setz­te. Er zog nach Zim­mern, die Masers wur­den in der Gemein­de gut auf­ge­nom­men, wur­den dort hei­misch und wer­den dort blei­ben. Und der Job muss ihm Spaß gemacht haben. In 23 Jah­ren soll er, so berich­tet eine Mit­ar­bei­te­rin, nur zwei­mal laut gewor­den sein – was jeweils alle Anwe­sen­den scho­ckiert habe.

Sei­ne Mit­ar­bei­ter beschenk­ten ihren Chef zum Abschied reich, einen Tablet-PC gab’s, damit er ver­netzt blei­ben kön­ne, und einen Gut­schein für eine rei­se in ein Roman­tik­ho­tel in Süd­ti­rol, mit Frau Mari­an­ne. Zudem einen USB-Stick mit 1000 Fotos aus 24 Jah­ren Amts­zeit.

Führ­te durch den Abend: Ingrid Ben­ke. Foto: Team Ralf Gra­ner Pho­to­de­sign

Und auch Ingrid Ben­ke beschenk­te Emil Maser reich: Als all­zeit sou­ve­rä­ne Mode­ra­to­rin, die auch klei­ne­re Pan­nen gelas­sen meis­tert, führ­te sie durch den lan­gen Abend. Anwei­sun­gen ans Publi­kum zum gefäl­li­gen Ver­hal­ten inklu­si­ve. Hin­ein in einen von den Ver­ei­nen gestal­te­ten, sicher­lich auch nicht kur­zen Steh­emp­fang für alle.