Start Land­kreis Rott­weil Anschlüs­se schaf­fen

Anschlüsse schaffen

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VILLINGENDORF – Vil­lin­gen­dorf, zwi­schen Schwarz­wald, Neckar­tal und Schwä­bi­scher Alb gele­gen, knapp 3300 Ein­woh­ner. Eigent­lich ein ganz nor­ma­les Dorf im Ber­zirk der Hand­werks­kam­mer Kon­stanz. Aber eines klappt dort bes­ser als in vie­len ande­ren Orten: der Über­gang von der Schu­le in den Beruf. Von den 39 Abschluss­schü­lern der Klas­sen­stu­fe zehn star­te­ten 21 erfolg­reich in eine Aus­bil­dung, sechs davon im Hand­werk. Einen gro­ßen Anteil dar­an hat die gute Zusam­men­ar­beit zwi­schen der Grund- und Werk­re­al­schu­le in Koope­ra­ti­on mit den Betrie­ben vor Ort, die die Nach­wuchs­ge­win­nung zur Chef­sa­che erklärt haben.

Schul­lei­ter Rai­ner Kropp-Kur­­ta weiß, dass für das Lebens­glück der Schü­ler der rich­ti­ge Beruf ganz wich­tig ist: „Es geht uns um Aus­bil­dungs­rei­fe und Aus­bil­dungs­fin­dung. Wir sehen neben den Abschlüs­sen eben auch die Anschlüs­se“, so Kropp-Kur­­ta, der neben Ange­bo­ten wie das Regio­na­le Berufs­fo­rum, Schü­ler­fir­men, Aus­bil­dungs­bot­schaf­ter vor allem das Prak­ti­kum im Betrieb als wich­tigs­tes Ele­ment der Berufs­ori­en­tie­rung sieht.

Die­se Mei­nung tei­len sei­ne ehe­ma­li­gen Schü­le­rin­nen und Schü­lern, die nach ihrem Schul­ab­schluss den Weg ins Hand­werk gefun­den haben.

Der ange­hen­de Fri­seur Nau­ar Mir­za bei­spiels­wei­se ist über ein Prak­ti­kum zum Aus­bil­dungs­platz beim Fri­seur „Mein Salon“ in Rott­weil gekom­men: “Der Laden und das Team haben mir wäh­rend des Prak­ti­kums gut gefal­len. Und ich woll­te schon immer lie­ber eine Aus­bil­dung machen, denn da habe ich viel Abwechs­lung, Kun­den­kon­takt und jeden Tag eine neue Her­aus­for­de­rung.“

Zim­me­re­ra­zu­bi Robin Mül­ler hat eben­falls zuerst in den Beruf geschnup­pert, bevor er sich für die Aus­bil­dung bei der Zim­me­rei Haas ent­schie­den hat und ist nun begeis­tert von sei­ner Wahl: „Mir gefällt vor allem die Arbeit an der fri­schen und Luft und mit Holz. Schu­le war ein­fach nicht so meins. In der Berufs­schu­le ist es aber etwas Ande­res,“ sagt er.

Eine gewis­se Schul­mü­dig­keit ist für vie­le der Grund gewe­sen, in eine prak­ti­sche Aus­bil­dung zu star­ten, statt das Leid auf der Schul­bank wei­ter zu ver­län­gern – auch für die ange­hen­de Kon­di­to­rin Eile­en Rau: „Schu­le wur­de mir irgend­wann zu lang­wei­lig und ich woll­te mein eige­nes Geld ver­die­nen. Jetzt habe ich mein Hob­by zum Beruf gemacht und kann ande­ren Men­schen eine Freu­de machen,“ sagt sie und betont, dass ihr selbst das frü­he Auf­ste­hen – anders als zu Schul­zei­ten – nichts aus­ma­che.

Jan Deschen­sky wuss­te lan­ge gar nicht, was er nach der Schu­le machen soll­te – und hat sich dann nach meh­re­ren Prak­ti­ka für eine Aus­bil­dung bei Holz­bau Nes­ter ent­schie­den. „Es macht ein­fach rich­tig Spaß, es gibt immer ver­schie­de­ne Arbei­ten zu erle­di­gen und wird nie lang­wei­lig. Vie­les was man lernt kann man auch im All­tag anwen­den. Außer­dem kann ich mich in der Bran­che immer wei­ter­bil­den“, schwärmt er.

Ähn­lich sieht es Jason Box­hei­mer, der eigent­lich Schrei­ner wer­den woll­te, sich aber nach sei­nem Prak­ti­kum anders ent­schie­den hat. „Die Schu­le hat­te ich satt. Ich habe schon im Tech­nik­un­ter­richt ger­ne mit Holz gear­bei­tet – und dann hat sich das Prak­ti­kum bei der Fir­ma Holz­bau Mei erge­ben“, erzählt er.

Und wel­chen Stel­len­wert hat das Prak­ti­kum für die Betrie­be und Aus­bil­der?

Jasons Aus­bil­de­rin San­dra Mei ist es wich­tig, poten­ti­el­len Nach­wuchs­hand­wer­kern vor­ab inten­si­ve prak­ti­sche Ein­bli­cke in den Betrieb zu geben und sie bei der Arbeit bes­ser ken­nen zu ler­nen: „Die Jugend­li­chen gehen wäh­rend des Prak­ti­kums zum Bei­spiel mit auf die Bau­stel­le und hel­fen soweit es geht mit. Da merkt man dann schnell, wie moti­viert jemand ist,“ sagt sie.

Auch Arzu Paj vom Fri­seur­sa­lon „Mein Salon“ ist es wich­tig, das Prak­ti­kum so rea­lis­tisch wie mög­lich zu gestal­ten: „Bei uns im Salon bedeu­tet das, dass die Jugend­li­chen z.B. Haa­re waschen und uns zuar­bei­ten, für die Salon­hy­gie­ne ver­ant­wort­lich sind aber auch an einem Pup­pen­kopf Dau­er­wel­len üben oder mit dem Glätt­ei­sen arbei­ten.“

Car­men Kam­me­rer setzt als Kon­di­to­rin und Aus­bil­de­rin bei Schne­cken­bur­ger auf viel Infor­ma­ti­on und das Erle­ben mit allen Sin­nen: „Wir bie­ten unse­ren neu­en Aus­zu­bil­den­den immer einen Will­kom­mens­tag. Dort ler­nen sie etwas über Ihre Rech­te und Pflich­ten wäh­rend der Aus­bil­dung, beschäf­ti­gen sich mit ihren beruf­li­chen Träu­men und ler­nen dann die Back­stu­be auch gleich von innen ken­nen. Dort dür­fen sie dann z.B. Brot sel­ber for­men.“

Lehr- und Zim­mer­er­meis­ter Rai­ner Haas lässt Prak­ti­kan­ten eige­ne Pro­jek­te umset­zen und betont das kol­le­gia­le Mit­ein­an­der im Unter­neh­men, so dass sich gera­de auch Berufs­ein­stei­ger schnell will­kom­men füh­len. Erst Prak­ti­kum, dann Aus­bil­dungs­platz, so der all­ge­mei­ne Tenor bei den Hand­werks­be­trie­ben. Nicht nur die fach­li­che Eig­nung kön­ne so bes­ser abge­schätzt wer­den, sagt Vol­ker Schle­si­ger von der Fir­ma Bant­le Stra­ßen­bau in Bösin­gen. „Es kann auch mal sein, dass es nicht passt, aber dann ist es auch in Ord­nung,“ sagt er.

 

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