NRWZ.de, 10. Juli 2021, Autor/Quelle: Pressemitteilung (pm)

Auf den Spuren der Schweizer Reformation

ROTTWEIL – Einen eindrucksvollen Tag erlebten die Teilnehmer der ökumenischen Tagesfahrt «Auf den Spuren der Reformation in Zürich», die von der Evangelischen und der Katholischen Erwachsenenbildung unter der Leitung von Pfarrerin Esther Kuhn-Luz und dem Leiter der keb, Frido Ruf angeboten wurde.

Erste Station direkt nach der Ankunft war die Bahnhofkirche im Züricher Hauptbahnhof. Die Leiterin stellte die seit 20 Jahren dort wirkende wertvolle ökumenische Institution vor und zeigte auf, wie Menschen in der heutigen Zeit auf ihrem Weg und ihrem Unterwegssein angesprochen werden. Interreligiöse Gastfreundschaft lautet das Motto und dies wird auch darin deutlich, dass in der Kapelle neben der Bibel in verschiedenen Sprachen auch die heiligen Schriften anderer Religionen und für Muslime ein Gebetsteppich bereit liegt. Im Schnitt besuchen täglich circa 400 Personen die Bahnhofkirche.

Weiter ging es mit einem kleinen Spaziergang bei strahlend schönem Wetter der Limmat entlang zur Münsterbrücke, wo sich die Gruppe mit der lebhaften Stadtführerin Barbara Hutzl-Ronge traf, die die Hälfte der Gruppe mitnahm auf eine Stadtführung unter dem Thema «Zwölf Jahre, in denen es um die Wurst ging». Auf den Spuren Huldrych Zwinglis, der im 16. Jahrhundert Zürich zum Ausgangspunkt und Zentrum der Reformation in der deutschsprachigen Schweiz machte, wurde diese religiös und politisch turbulente Zeit lebendig etwa beim Wurstessen, bei den Zürcher Disputationen im Rathaus, in den Predigten von Zwingli im Grossmünster, dem markanten Wahrzeichen der Stadt, wo heute auch ein wertvolles Original der Zürcher Bibel aus dem Jahr 1534 ausgestellt wird.

Parallel dazu besichtigte die andere Hälfte der Gruppe ein weiteres Wahrzeichen der Stadt, das Fraumünster, eine der vier reformierten Altstadtkirchen, früher Kloster und Benediktinnerinnenstift im Rang einer Fürstabtei. Anziehungspunkt für diese Kirche sind heute vor allem im Chorraum die fünf Glasfenster von Marc Chagall, ein weltberühmtes Meisterwerk, das Besucher aus der ganzen Welt verzaubert.

Der Abschluss des Studientages war ein Gespräch mit dem reformierten Pfarrer Achim Kuhn aus Männedorf, Kanton Zürich über die Rolle der Kirche in säkularer Zeit. Er referierte sehr anschaulich, welche Folgen es hat, wenn Staat und Kirche getrennt sind, wie das seit der Jahrtausendwende im Kanton Zürich der Fall ist. Wenn es keinen Religionsunterricht mehr an den öffentlichen Schulen gibt, dann fällt auf die Dauer die wichtige religiöse Bildung weg, die auch für die Gesellschaft wichtig ist.

Pfarrer Achim Kuhn machte deutlich, dass die Kirche mit vielen Projekten sich in die aktuellen Themen dieser Zeit einbringen müsse – und erzählte von seinen eigenen Projekten als Schriftsteller, als Verfasser eines Musicals zur Reformation und als Initiator vieler Diskussionsveranstaltungen innerhalb und außerhalb der Kirche – wie etwa über faires Leben und faires Spielen angesichts der EM mit dem Schweizer Trainer Urs Meier. Die Anregungen des Tages – historisch und aktuell – über Kirche und Gesellschaft werden ihre Nachwirkungen haben.

Auf den Spuren der Schweizer Reformation