Ursula Deiber (Bildmitte) sprach bei der Frauenunion über Sterbebegleitung. Foto: pm

ROTTWEIL – Die Frau­en Uni­on ist mit dem The­ma Ster­be­be­glei­tung in die Rei­he „Men­schen in beson­de­ren Lebens­la­gen“ gestar­tet. „Uns ist es wich­tig hin­zu­schau­en, was die Men­schen umtreibt“, sagt die Kreis­vor­sit­zen­de, Karin Schmeh. Zum Auf­takt hat sich die Frau­en Uni­on Ursu­la Dei­ber, Vor­sit­zen­de von der Rott­wei­ler Sitz­wa­che, ein­ge­la­den.

Die Sitz­wa­che in Rott­weil gibt es seit 25 Jah­ren. Die Mit­glie­der beglei­ten schwer­kran­ke und ster­ben­de Men­schen. Die Besu­cher an die­sem Abend sind durch­weg beein­druckt vom beson­de­ren Enga­ge­ment der ehren­amt­li­chen Ster­be­be­glei­ter und Ursu­la Dei­ber erzählt viel Wis­sens­wer­tes rund um die Arbeit der Sitz­wa­che. Aktu­ell zählt der Ver­ein 23 akti­ve Mit­glie­der.

Lei­der gehö­re der Grup­pe nur ein Mann an, sagt Dei­ber. 400 bis 600 Stun­den im Jahr leis­ten die Ehren­amt­li­chen am Kran­ken­bett oder im Haus eines Schwer­kran­ken. Ursu­la Dei­ber und ihre Kol­le­gen beglei­ten 28 bis 35 Per­so­nen jähr­lich auf ihrem letz­ten Weg. Die Ein­sät­ze fin­den im Stadt­ge­biet Rott­weil und umlie­gen­den Gemein­den statt. Dabei beglei­ten die Ver­eins­mit­glie­der sowohl Men­schen im Pfle­ge­heim oder Kran­ken­haus als auch in der häus­li­chen Umge­bung.

Dei­ber betont, dass alle Ver­eins­mit­glie­der aus­ge­bil­det sind, regel­mä­ßig neh­men sie an Fort­bil­dun­gen teil und selbst­ver­ständ­lich unter­lie­gen sie der Schwei­ge­pflicht. Die Sitz­wa­che beglei­tet Men­schen unab­hän­gig von der Kon­fes­si­on, dem Alter, der Krank­heit oder der Staats­an­ge­hö­rig­keit. Geru­fen wird die Sitz­wa­che ent­we­der von einem Sta­ti­ons­lei­ter oder Pfle­ge­per­so­nal, natür­lich in Abspra­che mit den Betrof­fe­nen, oder von den Ange­hö­ri­gen.

Eine Zuhö­re­rin inter­es­siert sich dafür, wie schnell die Sitz­wa­che ein­satz­be­reit ist? „Noch am sel­ben Tag“, sagt Dei­ber. Es gebe auch Aus­nah­men und hän­ge von eini­gen Fak­to­ren ab, aber grund­sätz­lich kön­nen die Ver­eins­mit­glie­der schnell reagie­ren.
Eine wei­te­re Fra­ge: Wie kann man sich über­haupt so einen Ein­satz vor­stel­len?

Ganz unter­schied­lich“, ant­wor­tet Dei­ber. Jeder Schwer­kran­ke ist anders und benö­tigt etwas ande­res. Das kann sin­gen, beten oder schwei­gen sein, oder Kar­ten spie­len, spa­zie­ren gehen und ein Stück Schwarz­wäl­der Kirsch­tor­te essen.

Für die Ange­hö­ri­gen ist der kos­ten­freie Ein­satz der Sitz­wa­che oft eine gro­ße Ent­las­tung und auch für sie ste­hen die Ver­eins­mit­glie­der als Gesprächs­part­ner zur Ver­fü­gung. Finan­ziert wird die Sitz­wa­che über Spen­den, auch eine pas­si­ve Mit­glied­schaft ist im gemein­nüt­zi­gen Ver­ein mög­lich. Zum Schluss inter­es­siert es die Zuhö­rer noch, ob die Tätig­keit nicht sehr belas­tend sei. Dei­ber schüt­telt lang­sam den Kopf und sagt: „Ich bekom­me meist mehr zurück als ich gebe und ich habe einen ande­ren Blick aufs Leben bekom­men“.

In der kom­men­den Woche lädt die Frau­en Uni­on zum zwei­ten Teil der Rei­he „Men­schen in beson­de­ren Lebens­la­gen“ ein. Die­ses Mal steht der Besuch der Kin­der­krip­pe und des Kin­der­gar­tens St. Niko­laus und des Pfle­ge­heims St. Josef in Die­tin­gen an. Treff­punkt ist vor dem Kin­der­gar­ten, am Don­ners­tag, 1. Juni um 16 Uhr. The­men sind unter ande­rem Pro­ble­me in der Aus­übung der Pfle­ge­be­ru­fe, feh­len­des Per­so­nal und man­geln­de Aner­ken­nung der Leis­tung. Inter­es­sier­te sind herz­lich ein­ge­la­den.