Die Kandidatenvorstellung vor der Bürgermeisterwahl in Dunningen am Freitagabend – kürzer hätte sie nicht sein können. Nur ein Kandidat steht zur Wahl. Aber was für einer: Peter Schumacher, ein 33-jähriger Jungspund direkt aus dem Ort, ein Mann mit Humor, Know-How und der nötigen Souveränität für den Job. Selbst seine Bürger scheinen so weit mit ihm, ihrem vom Gemeinderat einstimmig gewählten Ersatz für den abhanden gekommenen und entlassenen Bürgermeister Dr. Stephan Kröger, zufrieden zu sein. Viele duzen ihn, man kennt sich. Schumacher hat jetzt eigentlich nur ein Problem: die vielleicht niedrige Wahlbeteiligung. Ach ja, und ein zweites: seine eingeschränkten Gestaltungsmöglichkeiten im Chefsessel der 6200-Einwohner-Gemeinde.

Kandidat (der einzige) Schumacher. Foto: Fritz Rudolf

Und so stehe ich nun heute Abend als 33-jähriger Bürgermeisterkandidat vor Ihnen, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, und darf Ihnen meine Ideen vorstellen, um Dunningen, Seedorf und Lackendorf in eine solide und dynamische Zukunft zu führen.

“Deutlich entspannter, als wenn es einen weiteren Kandidaten gäbe.” So fühlte sich Schumacher kurz vor 19 Uhr am Freitag. Die Dunninger Festhalle füllte sich da gerade, in den ersten Reihen sollten einige Stühle frei bleiben, sonst war die Halle voll. Stehen aber, wie etwa in Zimmern unlängst, musste niemand.

Blick in die Halle. Foto: Fritz Rudolf

Hellblaues Hemd mit weißem Kragen, rötliche Krawatte, dunkelblauer Anzug, auch im Stehen offen getragen. Jugendlich-frisch frisiert, so präsentiert sich Schumacher seinen Bürgern in der Dunninger Turn- und Festhalle. Diesem alten Gebäude, in dem der Handtuchlieferant laut dem Spender in der Herrentoilette noch eine vierstellige Postleitzahl hat.

Seine Probezeit habe er sozusagen bereits hinter sich, sagte Schumacher weiter im Gespräch mit der NRWZ. Vor einem halben Jahr ist er als Amtsverweser nach Dunningen gekommen, hat den gewählten, aber dauerkranken Dr. Stephan Kröger ersetzt. Wobei: Schumacher ist eigentlich in Dunningen geblieben, wo er geboren worden ist, wo er aufwuchs und wohnt. Wo er in den Musikverein geht und wo er fest verwurzelt ist. Und wo er als Bürgermeister bald bleiben kann, das steht fest.

Amtsverweser – den Job hat Schumacher, seinerzeit noch (verdammt junger) Hauptamtsleiter in Aichhalden und Rötenberg gerne übernommen. Aber immer mit dem Ziel, Bürgermeister zu werden. Jetzt, am 9. April sollte das ja wohl klappen.

Publikum in der Halle. Foto: Fritz Rudolf

Er habe große Projekte angestoßen, erzählt Schumacher zunächst der NRWZ, später seinen Bürgern. Er zählt auf: die Ortskernsanierung für drei Millionen Euro, die dieses Jahr anlaufen wird. Der Neubau der Gemeinschaftsschule für sechs Millionen, die ihm zunächst nicht behagt hatte: “Trotz anfänglicher persönlicher Skepsis über diese Schulform konnte ich mich – auch durch persönliche Gespräche mit der Lehrerschaft – von der Sinnhaftigkeit dieser Form längeren gemeinsamen Lernens überzeugen lassen”, so Schumacher in seiner Rede.

Der dritte Bereich stelle in diesem Jahr die weitere Erschließung des Baugebiets “Hüttensberg-Mitte” in Dunningen-Ort mit 37 Bauplätzen sowie das Bebauungsplanverfahren für die Erweiterung des Baugebiets “Eschenwiesen I” in Seedorf mit weiteren 31 Bauplätzen dar. Dafür stehen im Haushalt 2017 etwas mehr als zwei Millionen Euro bereit, berichtete Schumacher. Damit stehe “die Marschrichtung in der Wohnbauerschließung zwar fest, ungeachtet dessen stehen wir bei einer hoffentlich weiterhin anhaltenden Nachfrage an Bauplätzen bald wieder mit dem Rücken zur Wand”, so der angehende Bürgermeister. Neue Flächen braucht das Dorf.

Zuschauer in Dunningen. Foto: Fritz Rudolf

Verschoben auf später

Diese Großprojekte, zusammen satte elf Millionen Euro schwer, die “binden uns auf eine gewisse Zeit”, so Schumacher weiter zur NRWZ. Dass in den nächsten zwei Jahren 45 Kindergartenplätze in der Gesamtgemeinde fehlen werden, sagt Schumacher unumwunden – schnelle Abhilfe aber werde es mangels Masse nicht geben können. Er erklärt: “Durch den gesetzlichen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz sind wir faktisch zum Handeln gezwungen. Dies bedeutet ganz konkret, dass in Seedorf letztlich nur ein Kindergartenneubau in Frage kommt.” Investitionen am jetzigen Standort seien alles andere als nachhaltig, zumal eine Erweiterung kaum möglich sei und die ohnehin engen Platzverhältnisse im Außenbereich die Lage noch mehr verschärfen würden. “Diese Maßnahme hat für mich ab 2019 höchste Priorität”, so Schumacher. Das dauert also noch.

Im Ortsteil Lackendorf sieht Schumacher für den bestehenden Kindergarten im Rathaus – ebenfalls aufgrund fehlender Entwicklungsmöglichkeiten – keine Zukunft. “Hier bietet sich als neuer Standort das Schulhaus an, welches zunächst saniert und erweitert werden muss, jedoch über genügend Außenbereichsfläche verfügt.” Und wann kommt das? “Die Kommunalfinanzen werden zeigen, wann eine Umsetzung möglich ist”, formuliert es Schumacher. Eine Planung samt Kostenschätzung werde bis zur Jahreshälfte vorliegen. Komme es zum Umzug des Kindergartens, wolle er das alte Rathausgebäude “abstoßen”, wie er es nennt. “Wo immer möglich, müssen Doppelstruktur vermieden werden.”

Engagiert: Schumacher. Foto: Fritz Rudolf

Die lange Dunninger Bank

Und es gibt noch mehr zu tun: “Eines der jetzigen Löschfahrzeuge, quasi das Flaggschiff der Feuerwehr, muss nach annähernd 25-jähriger Dienstzeit ersetzt werden”, so der künftige Schultes von Dunningen. Dann aber brauche das Dunninger Gerätehaus einen neuen Anbau – da die derzeitige Raumhöhe der Garage für die aktuellen Fahrzeuge nicht mehr ausreiche.

In Dunningen, wie andernorts auch, gibt es sie: die lange Bank. Der Gemeinderat hat im Jahre 2015 beschlossen, das bestehende Dorfgemeinschaftshaus in der Dunninger Liebigstraße im Rahmen unserer Ortskernsanierung bis spätestens Ende 2022 zu sanieren oder abzubrechen und neu zu bauen. “Aufgrund der heutigen Finanzlage scheidet eine Realisierung vor diesem Zeitraum ganz klar aus”, bescheidet Schumacher.

Und: “Kanäle und Wasserleitungen sind teilweise in einem maroden Zustand und müssen zwingend erneuert werden.” Nicht sichtbar, dennoch aber eine wichtige und vor allem teure Maßnahme. Gebundenes Geld. Direkt damit zusammenhänge laut Schumacher immer auch der Straßenausbau. “Insofern werden durch solche Maßnahmen verschiedene Straßenzüge unserer drei Ortsteile den Endausbaustatus erreichen und somit erschließungsbeitragspflichtig.” Die Verwaltung habe begonnen, diese Maßnahmen in einen Zehnjahresplan einzuordnen, “so dass wir auf die Grundstückseigentümer an künftig erschließungsbeitragspflichtigen Straßen bereits mindestens drei Jahre vor einer Beitragspflicht mit entsprechenden Hinweisen zugehen können.”

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

die Bürgermeisterwahlen im engeren und weiteren Umkreis haben gezeigt, dass es für Städte und Gemeinden immer schwerer wird, gute Bewerber für die Position einer Bürgermeisterin oder eines Bürgermeisters zu finden. Dies liegt ganz sicherlich auch an der zeitlichen Inanspruchnahme und der hohen Verantwortung dieses Amts.

Managt die Fragen an den Kandidaten: Inge Erath. Foto: Fritz Rudolf

Schumacher ahnt, was sein Kritiker sagen wird

In seiner Rede nahm der Bürgermeisterkandidat schon vorweg, was der mutmaßliche örtliche Dauerkritiker später sagen würde. “Ich bitte Sie bereits jetzt um Nachsicht”, sagte Schumacher, “wenn es künftig zu Entscheidungen meinerseits kommen wird, die vielleicht Interessen einzelner nicht gerecht werden.”Er habe bereits unliebsame und im Einzelfall vielleicht nicht nachvollziehbare Entscheidungen treffen müssen. Es gehe aber nicht um den Einzelnen, vielmehr sei er, Schumacher, gegenüber allen gut 6000 Dunninger Bürgern in der Pflicht.

Und tatsächlich: Einen Thomas Rottler, ortsbekannt und nach eigenen Angaben Dauergast in den Gemeinderatssitzungen sowie Wortführer in den Bürgerfragestunden, hielt es kaum, als die Bürger Fragen an Schumacher richten durften. Rottler wollte alles wissen und, mehr noch, zu allem seinen Senf dazu geben, der anders schmeckt als der des angehenden Bürgermeisters.

Nicht nur zufriedene Gesichter. Foto: Fritz Rudolf

Szenenapplaus für die Souveränität

Ob die Ortsdurchfahrt jetzt wirklich saniert werden müsse, ob Bauplätze wirklich auch an Auswärtige vergeben werden müssten, wieviel die Flüchtlinge die Gemeinde kosten und so weiter. Rottler nervte zunehmend weite Teile des übrigen Publikums, Schumacher aber blieb gelassen. Verwies auf bestehende Gemeinderatsbeschlüsse und die Möglichkeit, ihn im Rathaus zu besuchen, um auf alle Fragen nach Zahlen eine erschöpfende Antwort zu bekommen. So viel Souveränität brachte dem Kandidaten Szenenapplaus und später persönliches Lob ein.

Bei diesem einen Kritiker blieb es an sich auch, ein mutmaßlicher weiterer brachte dann, am Saalmikrofon den nötigen Biss nicht hin. Wie hoch die örtliche Grundsteuer in acht Jahren, also nach Schumachers erster Amtszeit sein werde, wollte Detlef Pabst wissen – mit dem Ziel, Schumacher zu entlocken, dass die Steuer steigen werde. “Die Entwicklung der kommenden Jahre wird zeigen, ob wir die Steuer erhöhen müssen”, parierte Schumacher den Angriff geschickt. “Wir” und “müssen” waren da zwei Worte, die ihn aus der Verantwortung nahmen. Und dass sich das ohnehin erst in den kommenden Jahren zeige.

Allen Menschen Recht getan, ist eine Kunst die niemand kann“. In meinen Augen ein Zitat, welches sicherlich auf nur wenige Berufsgruppen noch besser zutrifft, als auf die der Bürgermeister.

Unangenehmes

Dennoch: Gebühren werden rauf müssen. Das kündigte der Kandidat an. Unangenehmes in all dem Wahlkampfgeplänkel – Schumacher sprach auch über das Ehrenamt, die Vereinsarbeit, die Senioren. Dunningen habe bei den Bestattungsgebühren einen Kostendeckungsgrad von gerade einmal 30 Prozent, sagte Schumacher. “Dies bedeutet ganz konkret, dass wir die Bestattungsgebühren dieses Jahr erhöhen müssen.” In Schumachers Redemanuskript ist dieses müssen in Großbuchstaben gesetzt: MÜSSEN. Seine Erklärung: “Bei jedem Zuwendungsantrag, den wir beim Land oder Bund beantragen, wird vom Zuschussgeber ein Augenmerk darauf gelegt, ob die Gemeinde ihre Hausaufgaben in den Gebührenhaushalten gemacht hat. Und besonders bei den Bestattungsgebühren muss dies klar verneint werden.”

Appell, zur Wahl zu gehen

Natürlich wird Schumacher gewählt werden. Aber eine gute Wahlbeteiligung trotzdem, dass es keine echte Wahl ist, das wäre für ihn eine Bestätigung. “Ich bitte am 9. April um Ihr Vertrauen und Ihre Stimme und würde mich über eine hohe Wahlbeteiligung freuen”, sagte er.

Die Bürgermeister-Stellvertreterin Inge Erath, die in knappen, aber gut gesetzten Worten den Abend ein- und ausklingen ließ, brachte es am Ende auf den Punkt: “Die Wahlbeteiligung ist ein Zeichen, wie engagiert die Bürger in ihrer Gemeinde sind.”