NRWZ.de, 23. September 2021, Autor/Quelle: Martin Himmelheber (him)

Corona im Landkreis: Hohe Inzidenz, niedrige Impfquote

Nach wie vor hat der Kreis Rottweil mit  den höchsten Infektionszahlen mit Covid 19 im  ganzen Land Baden-Württemberg zu kämpfen. Zugleich liegt die Quote der vollständig Geimpften mit gut 57  Prozent etwa  zwei Prozent unter dem Landesdurchschnitt. Seit gut zwei Wochen oszilliere die „Sieben-Tages-Inzidenz“ im Kreis um die 130, so Landrat Wolf-Rüdiger Michel bei der wöchentlichen Telefonkonferenz. „Gestern hatten wir einen deutlichen Rückgang auf 115.“

An die 9000  Menschen seien seit Ende Februar 2020 mittlerweile einmal an Covid 19 erkrankt. Das seiene twa 6,5 Prozent aller Einwohner im Kreis. 166 Menschen seien an oder mit dem Virus verstorben. Beim Blick auf die Altersstruktur von Beginn der Pandemie liege der Schwerpunkt der Infizierten in der Altersgruppe der 20- bis 59-Jährigen. Aktuell bei den September-Zahlen seien die Menschen bis 39 stark vertreten. „Ältere weit weniger“, so Michel. Ähnlich sehe es bei den Reiserückkehrern aus. Auch da seien die Zahlen bei den 20- bis 39-Jährigen besonders hoch.

 Kreisimpfzentrum schließt demnächst

Im Kreisimpfzentrum (KIZ) hätten sich bis jetzt 72.450 Menschen erstimpfen lassen, bei den Hausärzten seien es 65.600 gewesen. Bei der Impfquote sei der Landkreis besser als vergleichbare ländliche Landkreise, betonte Michel. Das KIZ werde zum 30. September geschlossen. Michel dankte allen Beteiligten, die sich dort engagiert hätten. Im Frühjahr hätten Impfdosen gefehlt und es habe großer Andrang geherrscht. Es habe damals Beschimpfungen gegeben, aber später hätten auch Impfgegner ihren Frust an den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ausgelassen. Nun habe man Impfstoff, „aber die Impfbereitschaft lässt nach.“

Die Sonderimpfaktionen der letzten Wochen zeigten aber, dass nach wie vor ein Interesse am Impfen da sei. Michel hofft, dass über die Haus- und Betriebsärzte das Impfen weitergehe, und man im Herbst auf eine Quote von 70 oder gar 80 Prozent kommen werde. „Wir brauchen das, damit das infektionsgeschehen in einigermaßen niedrige Bahnen gelenkt werden kann.“

Deutlich zu erkennen: die vier Wellen

Pandemie der Nicht-Geimpften

Stephan Vilgis vom Gesundheitsamt hat berichtet, man habe in den vergangenen zwei Wochen durchschnittlich 29 neue Fälle pro Tag gemeldet bekommen. Es gebe ein Ausbruchsgeschehen in einer Firma mit 14 Fällen. Bei den an Covid-19 Erkrankten seien die allermeisten nicht oder nicht vollständig geimpft. Bei älteren Menschen käme es zu Infektionen, wenn die Impfungen mehr als ein halbes Jahr zurück lägen.

Auch bei den Menschen, die im Krankenhaus behandelt würden, seien die meisten nicht geimpft. Auch jüngere Menschen kämen ins Krankenhaus. Vilgis berichtete von einem zwei Wochen alten Säugling, der zwei Tage im Krankenhaus behandelt werden musste. In den letzten 14 Tagen seien 13 Personen wegen Corona ins Krankenhaus gkommen, acht seien wieder entlassen. „Der größte Teil war nicht geimpft“, so Vilgis.

Die Leiterin des Kreisimpfzentrums. Martine Hielscher, berichtete, dass man dort vergangene Woche noch 1165  Personen geimpft habe. Der Impfsonntag sei ein Erfolg gewesen. Nach Schließung des KIZ  könnten die neuen mobilen Impfteams weitere solche Aktionen organisieren. Landesweit würden zwölf solche zentralen mobilen Impfteams eingerichtet, ergänzte Michel. Erfreulich sei, dass das für den Kreis Rottweil zuständige in Villingen-Schwenningen am Schwarzwald-Baar-Klinikum eingerichtet werde.

Erkrankungsschwerpunkte. Grafiken: Landratsamt

Neue Regeln

Ordnungsamtsleiter Thomas Seeger stellte die neue Coronaverordnung vor. Künftig werde es auf die 7-Tage Hospitalisierungsinzidenz oder die Auslastung der Intensivbetten (AIB)  ankommen. Dabei werden drei Stufen für das gesamte Land gelten: Eine Basisstufe, eine Warnstufe und eine Alarmstufe, je nach  Inzidenz oder Auslastung. Auch verschiedene andere Verordnungen seien an diese neue Verordnung angepasst worden. Erwartet werde noch eine neue Verordnung für die Schulen. Dort sollen sich die Kinder künftig drei Mal pro Woche testen lassen.

Seeger berichtete, dass etwa die Hälfte der Pflegeeinrichtungen im Landkreis ihren Bewohnerinnen und Bewohnern eine Auffrischungsimpfung  über das mobile Impfteam bis Ende September anbieten werde. Die andere Hälfte werde das über die niedergelassenen Ärzte organisieren. Die Behinderteneinrichtungen schaffe man nicht mehr. Diese würde das zentrale Impfteam vom Schwarzwald-Baar-Klinikum impfen. Hielscher rechnet nicht damit, dass es bei solchen Booster-Impfungen zu stärkeren Nebenwirkungen als bei den Erst- oder Zweit-Impfungen kommen werde.

Aggressive Deltavariante

Zur nachlassenden Impfbereitschaft konnte sie keine besonderen Gruppen in der Gesellschaft identifizieren, die da besonders zurückhaltend wären: „Das geht querbeet“, so Hielscher.

Die aktuell hohen Infektionszahlen führt Landrat Michel zum einen auf die aggressivere Delta-Variante zurück. Die sei etwa so ansteckend wie die Windpocken. Aber auch: „Wir haben derzeit eine Pandemie der Ungeimpften.“ Besonders jüngere Menschen seien betroffen. Die Impfbereitschaft der Älteren sei größer.

Corona im Landkreis: Hohe Inzidenz, niedrige Impfquote