Dank für die scheidenden Räte und eine Ehrung für Karin Schmeh

DEISSLINGEN – Ungewöhnlich vollbesetzt war der Ratstisch im Hagestall bei der konstituierenden Sitzung des neuen Gemeinderats, denn für ein einziges Mal saßen die alten und die neuen Gemeinderäte zusammen hier. Die bisherigen beschieden dann den neugewählten Kollegen, dass es keine Hinderungsgründe gab, und dann musste Bürgermeister Ralf Ulbrich genau die Hälfte des alten Gemeinderats verabschieden.

„Das ist ein außergewöhnlicher Wechsel“, so Ulbrich. Denn mit Helmut Merkle (16 Jahre) Jürgen Traber (15 Jahre), Bernd Angst, Alexander Röhrle, Hartmut Storz (je zehn Jahre), Dr. Hadi Mozaffari Jovein (fünf Jahre), Manuel Merkle (3,5 Jahre) und Renate Tappe (drei Jahre) verliert der Gemeinderat langjährige, erfahrene Gemeinderäte. Nur für Joachim Burkardt war es ein kurzes Zwischenspiel, er rückte vor gerade mal zweieinhalb Monaten für Simone Matzka nach, die das Amt der Gemeindepflegerin übernommen hat.


Wenn er seine Gefühlslage beschreiben solle, dann sei das Wehmut, das Gremium so auseinanderbrechen zu sehen, so Ulbrich. Aber auch Dankbarkeit. „Wir waren ein verdammt gutes Team!“ Das sich durch hohe Sachkompetenz, hohe Diskussionsfreudigkeit, hohe Motivation und ausgeprägten Arbeitseifer ausgezeichnet hat, aber auch ein sehr hohes Pensum bewältigte, Ulbrich nannte ein paar Zahlen: elf Bebaungspläne erstellt oder geändert, einen Lärmaktionsplan geschaffen, den Flächennutzungsplan fortgeschrieben, vier Wohn- und zwei Gewerbegebiete entwickelt.

Deißlingen wuchs in den fünf Jahren um 200 Einwohner, 150 neue Arbeitsplätze entstanden, dazu kamen Breitbandausbau, Klimaschutzkonzept, Neubau Schulcampus und Gestaltung der neuen Ortsmitte. Und landesweit beachtete Projekte wie der Spurwechsel oder Nachhaltigkeitsregion N5, die Abschaffung der unechten Teilortswahl. Investitionen wurden getätigt ins Tierheim am Eckhof, den neuen Spiel- und Bouleplatz auf Fürsten, den Skaterpark, die Zehntscheuer, die DRK-Begegnungsstätte, die Feuerwehr, den Jugendclub, die Friedhöfe, die Kläranlage, die Wasserversorgung, die Bushaltestellen – die Liste war lang. 116 Sitzungen in den fünf Jahren: „Ich ziehe den Hut!“ Fünf gute Jahre für Lauffen und Deißlingen waren das, so Ulbrich, und der Aderlass im Rat sei ein Verlust an Kompetenz. „Aber so ist Demokratie!“

Er dankte den scheidenden Räten mit einem Geschenk, und auch Karin Schmeh (CDU) und Wolfgang Dongus (SPD) hatten sich für für die scheidenden Kollegen etwas ausgedacht. „Eine Wahl schafft Gewinner und Verlierer“, so Schmeh, „man fragt sich manchmal, was der Wähler denkt.“ Und Dongus meinte: „Es ist eine undankbare Aufgabe, gleich fünf Fraktionskollegen zu verabschieden“, dabei sei es nicht einfach, Kandidaten zu finden, die bereit seien, sich dieser Aufgabe zu stellen, gerade heute, wo Politiker immer mehr Anfeindungen und sogar Morddrohungen ausgesetzt seien. „In Deißlingen hatten wir das Gottseidank noch nicht, die Motzer bleiben im Untergrund“, und glücklicherweise habe es bei der Wahl auch keine neue Liste gegeben, spielte er auf die AfD an.

Heinz Schleicher (DUL) dankte ebenfalls: „Wir hatten harte Auseinandersetzungen, aber am Schluss waren wir uns einig, dass wir zusammen einkehren konnten.“ Bürgermeister Ulbrich hatte dann eine dankbarere Aufgabe: Karin Schmeh wurde vom Gemeindetag geehrt, sie ist seit 25 Jahren im Gemeinderat, „das ist eine der längsten Amtszeiten!“, und kündigte an, dass es auch für 30 Jahre eine Ehrung geben werde. „Alt werden ist kein Verdienst!“, so die CDU-Rätin gewohnt humorvoll.

Den neuen Räten gab Ulbrich einiges mit auf den gemeinsamen Weg: „Ich wünsche, nein erwarte, dass wir daran anknüpfen können. Ich erwarte Wertschätzung, einen respektvollen Umgang, parteiübergreifend und gegenüber der Verwaltung.“ Er werde immer seinen Teil dazu beitragen, aber er sei eben nur ein 19tel des großen Mannschaftsgefüges. „Was wir heute gestalten, wirkt in die Zukunft. Was wir heute unterlassen ebenso.“, zitierte Ulbrich den Journalisten Wolfgang Kownatka.

 

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