Die Boomsteller in Deißlingen kamen trotz der winterlichen Termperaturen gehörig ins Schwitzen. Fotos: Moni Marcel

DEISSLINGEN – Er ist 23 Meter hoch, etwa zwei Ton­nen schwer und ein biss­chen gerupft, aber trotz­dem ein stol­zes Exem­plar, der Deiß­lin­ger Nar­ren­baum. Am Sams­tag wur­de er unter gro­ßem Getö­se und viel „Holz her!”-Rufen im Gup­fen auf­ge­stellt, und die Man­nen um Die­ter Bip­pus, die Boom­stel­ler, kamen trotz der win­ter­li­chen Term­pe­ra­tu­ren gehö­rig ins Schwit­zen.

Schon auf dem Lan­gen­feld, wo er am Mor­gen gefällt wur­de, hat­ten sie alle Hän­de voll zu tun, denn der eigent­lich dafür vor­ge­se­he­ne Baum brach beim Fäl­len ent­zwei. Also muss­te der nächs­te ran, und der hat nun mal eine etwas aus­ge­dünn­te Kro­ne, „vorn a weng lott­rig”, wie Nar­ren­chef Rai­ner Schmeh es bezeich­ne­te. Aber das sind schließ­lich die Christ­bäu­me inzwi­schen auch, und so ein Nar­ren­baum, der hat ja auch eine gewis­sen Sym­bo­lik, wie es Schmeh erläu­ter­te.

Er hat sich näm­lich beim Guru der schwä­bisch-ale­man­ni­schen Fas­net, Dr. Wer­ner Mez­ger, kun­dig gemacht und wuss­te daher zu erzäh­len, dass der Baum die Macht der Nar­ren zeigt, daher wird er auch in der Nähe des Rat­hau­ses auf­ge­stellt. Eigent­lich mache er, der Zunft­meis­ter, damit dem Schul­tes schon ab jetzt und nicht erst am dem Fas­nets­sams­tag, wenn der Rat­haus­schlüs­sel über­ge­ben wird, Kon­kur­renz. Ein Nar­ren­baum auch des­halb, weil ihm ja die Wur­zeln feh­len. „Wer pflanzt schon einen Baum ohne Wur­zeln?” Schon um 15. Jahr­hun­dert sei­en Nar­ren­bäu­me gestellt wor­den, „doch damals hot dene no die Fas­net drum­rum gfehlt!” Die fehlt heutz­ta­ge nicht mehr.

Die Hage samt Res, Han­nes und Hoarn beglei­te­ten den Baum zum Gup­fen, oben­auf Schmeh selbst, die Jugend­ka­pel­le umrahm­te das Spek­ta­kel, und am Gup­fen sorg­te die Hage­band mit eige­nen und geklau­ten Fas­nets­hits für Stim­mung. Zunft­meis­ter Schmeh hat­te mal wie­der die Nadeln gezählt, sich aber ver­mut­lich ange­sichts des recht nacki­gen Exem­plars etwas ver­rech­net, und sein Vor­gän­ger Hubert Lis­sy als Bewa­cher der Stel­le, wo der Baum ein­ge­pflanzt wird, for­der­te von Bür­ger­meis­ter Ralf Ulb­rich ein neu­es sol­ches „Nar­ren­loch” für die neue Orts­mit­te – zu lachen gab es also genug. Im Anschluss wur­de im Gemein­de­zen­trum wei­ter­ge­fei­ert und der frisch­ge­pflanz­te Nar­ren­baum gleich wie­der ver­stei­gert.