Georg Röhrle, Fabio Tedesco und Ingo Schmeh von der BED stellen am Freitag im SWR-Fernsehen ihre Visionen vor. Foto: Moni Marcel 

DEISSLINGEN – Wie kann Deiß­lin­gen das selbst­ge­steck­te Ziel errei­chen, bis 2050 ener­gie­aut­ark zu wer­den, ohne wert­vol­le Res­sour­cen zu ver­brau­chen? Dazu hat die Bür­ger­en­er­gie­ge­nos­sen­schaft (BED) nun ein Drei-Pha­sen-Kon­zept ent­wi­ckelt. In der ers­ten Pha­se sol­len bis 2030 mög­lichst vie­le Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen auf Dächer kom­men, unter­stützt durch ein noch zu defi­nie­ren­des kom­mu­na­les För­der­pro­gramm.

Zusätz­lich sol­len in der ers­ten Aus­bau­pha­se im Zeit­raum von zehn Jah­ren auf einer still­ge­leg­ten Indus­trie­flä­che wei­te­re  Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen ent­ste­hen. „Damit ver­mei­den wir, dass land­wirt­schaft­li­che Flä­chen ver­braucht wer­den”, beto­nen Fabio Tedes­co und Ingo Schmeh von der BED. Denn klar ist: Flä­chen sind Man­gel­wa­re in der indus­trie­las­ti­gen Gemein­de. „Unse­re Res­sour­ce sind Flä­chen”, so Georg Röhr­le, der drit­te im Vor­stand, und die wol­le man, solan­ge ande­re Flä­chen noch zur Ver­fü­gung ste­hen, nicht zur Ener­gie­ge­win­nung ver­brau­chen, son­dern als wert­vol­le Res­sour­ce auch für kom­men­de Genera­tio­nen frei hal­ten.

Ener­gie kann man auch auf Rest­flä­chen pro­du­zie­ren, sind sich die drei Vor­stän­de einig. Fünf Mega­watt Pho­to­vol­ta­ik­leis­tung könn­ten so in der ers­ten Aus­bau­pha­se bis 2030 dazu­kom­men, um das Ziel der Unab­hän­gig­keit wei­ter vor­an­zu­trei­ben. Schon jetzt steht die Gemein­de gut da: Im Jahr 2017 wur­den schon 56 Pro­zent des Gesamt­ver­brauchs kli­ma­neu­tral vor Ort pro­du­ziert. Mit dem zusätz­li­chen Son­nen­strom könn­ten bis 2030 70 Pro­zent des Ver­brauchs umwelt­freund­lich und  regio­nal erzeugt wer­den. Das spart CO2-Aus­stoß und Trans­port­net­ze, außer­dem bleibt die Wert­schöp­fung vor Ort.

Als zwei­te und drit­te Pha­se schlägt die BED Wind­rä­der vor. Das mag erstau­nen, denn immer­hin hat ein Gut­ach­ten erst vor zwei Jah­ren erge­ben, dass ein mit Tros­sin­gen zusam­men geplan­tes Wind­rad nicht wirt­schaft­lich wäre, da auf der Höhe zwi­schen bei­den Gemein­den zu wenig Wind bläst. Doch die BED setzt auf neue Tech­no­lo­gi­en. „Wir rech­nen damit, dass es bis 2030 dann auch Anla­gen geben wird, die mit schwä­che­rem Wind genug Strom lie­fern kön­nen, um wirt­schaft­lich zu arbei­ten”, so Ingo Schmeh. Geplant ist, dass zwi­schen 2030 und 2040 zwei Wind­rä­der ent­ste­hen könn­ten, die den noch benö­tig­ten Strom auf der Gemar­kung pro­du­zie­ren.

Damit könn­te die Gemein­de, so rech­net die BED, schon zehn Jah­re frü­her als geplant bilan­zi­ell ener­gie­aut­ark sein. Finan­zie­ren kann das die Genos­sen­schaft: „Wir sind jetzt schon schul­den­frei”, betont Fabio Tedes­co. Jähr­lich 35 neue Mit­glie­der, das ist eine sehr rea­lis­ti­sche Rech­nung, „wir hat­ten in den letz­ten Jah­ren die­sen jähr­li­chen Mit­glie­der­zu­wachs”, und eine Erhö­hung der Stamm­ein­la­ge, die bis jetzt auf 2000 Euro pro Mit­glied begrenzt ist, wür­den das ermög­li­chen.

Info: Am 15. März berich­tet das SWR-Fern­se­hen über die Nach­hal­tig­keits­re­gi­on 5G, zu der auch Deiß­lin­gen gehört. In der Sen­dung „Land­le­ben 4.0“, die ab 21 Uhr aus­ge­strahlt wird, kommt auch die BED zu Wort. Die Bür­ger­en­er­gie wird in der Gene­ral­ver­samm­lung am 23. Mai 2019 ihre Ener­gie­kon­zep­ti­on vor­stel­len.