DEISSLINGEN, 13. Novem­ber (wb) – Den Wind zur Ener­gie­ge­win­nung nüt­zen – das will die Gemein­de Deiß­lin­gen an der Gemar­kungs­gren­ze zu Tros­sin­gen zusam­men mit der Har­mo­ni­ka­stadt. Aber kann dort eine Wind­kraft­an­la­ge ren­ta­bel betrie­ben wer­den? Das sol­len jetzt Mes­sun­gen erge­ben.

 

Mit­ten im Wald steht ein Käst­chen auf einem Auto-Anhän­ger. Den Deiß­lin­ger Bür­ger­meis­ter Ralf Ulb­rich erin­nert das an einen Stand beim Weih­nachts­markt. Einen klei­nen. Aber in die­sem wei­ßen Kas­ten steckt eine Men­ge moder­ne Tech­nik drin. Braucht’s auch. Denn wie stark der Wind in 200 Metern über dem Boden bläst, das misst man übli­cher­wei­se eben 200 Meter über dem Boden. Aber dazu müss­te ein 200 Meter hohes Gestell auf­ge­stellt wer­den. Das ist auf­wän­dig, kos­tet viel und braucht zu allem Über­fluss auch eine Geneh­mi­gung, wie Tros­sin­gens Bür­ger­meis­ter Dr. Cle­mens Mai­er beim Orts­ter­min mit der Pres­se ver­riet. Also nimmt man die­ses Käst­chen, das mit Hil­fe von Laser die Wind­ge­schwin­dig­kei­ten misst und auf­zeich­net. „Lidar“ heißt es.

War­um die­ser Auf­wand? Weil es nichts nützt, für ein paar Mil­lio­nen ein Wind­rad auf­zu­stel­len, das die meis­te Zeit still steht, weil’s an Wind fehlt. Da gibt es einen Win­d­at­las, aber der ist zu unge­nau – und er signa­li­siert: Grenz­wer­tig. Also müss­ten nähe­re Infor­ma­tio­nen her. Weil das Käst­chen teu­er ist und auch kräf­tig Mie­te kos­tet, haben die Stadt Tros­sin­gen und die Gemein­de Deiß­lin­gen, die sich die Kos­ten tei­len, es erst mal für drei Mona­te gemie­tet. Da las­sen sich schon die ers­ten Erkennt­nis­se gewin­nen über Dau­er und Stär­ke des Win­des – und ob es sich lohnt, wei­ter zu mes­sen. Denn der Wind bläst im Som­mer anders als im Win­der, im Früh­jahr anders als im Herbst. Weil dann ein gan­zes Jahr über geme­sen wird, kann im güns­tigs­ten Fall frü­hes­tens 2017 mit dem Bau einer ode­re meh­re­rer Wind­kraft­an­la­gen begon­nen wer­den.

Par­al­lel zu den Mes­sun­gen müs­sen die Flä­chen­nut­zungs­plä­ne ange­passt wer­den. Plä­ne, nicht Plan – denn das Gelän­de steht ja auf den Gemar­kun­gen von Deiß­lin­gen und Tros­sin­gen, also in den Land­krei­sen Tutt­lin­gen und Rott­weil, die bei­de für ihr Gebiet eige­ne Flä­chen­nut­zungs­plä­ne haben. Dazu gehört dann auch die Anhö­rung der Trä­ger öffent­li­cher Belan­ge. Also bei­spiels­wei­se der Natur­schutz. Fliegt hier ein Milan, und wenn, dann wo? Wer­den Fle­der­mäu­se emp­find­lich gestört? Das ist schon so etwas wie ein Aus­schluss­kri­te­ri­um. Ver­tra­gen sich 200 Meter hohe Tür­me mit dem Flug­platz in Schwen­nin­gen, mit dem Radar-Turm der Flug­si­che­rung in Gos­heim? Auch das will geklärt wer­den.

Wenn alles gut läuft, kön­nen dort zwölf Mil­lio­nen Kilo­watt­stun­den im Jahr erzeugt wer­den. Deiß­lin­gen hat einen Ver­brauch von 30 Mil­lio­nen kWh im Jahr, wie Bür­ger­meis­ter Ulb­rich sag­te. Und wenn sich erge­ben soll­te, dass der Wind für eine ren­ta­ble Anla­ge nicht aus­reicht? Auch dann sind die Mes­sun­gen nicht ver­geb­lich, wie Tros­sin­gens Stadt­wer­ke-Chef Hans Bau­er erklär­te: Die tech­ni­sche Ent­wick­lung geht wei­ter, und womög­lich gibt es in zehn Jah­ren Anla­gen, die aus weni­ger Wind mehr Strom machen. Dann könn­te sich eine Inves­ti­ti­on ren­tie­ren – und dann wären die not­wen­di­gen Daten schon vor­han­den.