Dietinger Feuerwehr meistert Hauptübung der etwas anderen Art

DIETINGEN – Als Übungsobjekt zur Hauptübung der Freiwilligen Feuerwehr Dietingen wurde der Kindergarten in Dietingen auserwählt. Das hatte gleich mehrere Gründe: Einerseits sollten die Kindergartenkinder die möglichen Fluchtwege in einer ungefährlichen Situation erleben, die etwas befremdlich wirkenden Feuerwehrleute mit ihren Atemschutzmasken kennen lernen und gleichzeitig mehr über die Arbeit der Feuerwehr erfahren.

Um diese Ziele umzusetzen, wurde das Übungsgeschehen nicht wie im Einsatz üblich parallel abgearbeitet sondern langsam und in einzelnen Übungsabschnitten nacheinander angegangen. Das Ergebnis war eine etwas länger dauernde Hauptübung, die mit einem realen Einsatzszenario zwar wenig gemein hatte, aber den Kindern sichtlich Freude bereitete.

Dabei wurde folgendes Einsatzszenario simuliert: Auf der Seite des Kindergartenparkplatzes war ein Traktor bei Mäharbeiten, ehe sich die Gerätschaften überhitzten. Der entstehende Rauch zog über die geöffneten Fenster im Erdgeschoss in den Kindergarten und die Brandmeldeanlage löste Alarm aus. Die im Erdgeschoss befindlichen Erzieherinnen konnten die Kinder durch die Fluchttüren retten.

Im Obergeschoss sah die Lage allerdings anders aus: Denn der aus dem Erdgeschoss eintretende Rauch schnitt den Personen den Weg zur Fluchttreppe ab. In der Folge mussten diese über die Steckleiter gerettet werden. Diese Teilaufgabe stellte gleichzeitig Übungsabschnitt 1 dar. So baute die Feuerwehr insgesamt vier Rettungswege per Leiter auf und rettete so die Kinder einzeln aus dem Obergeschoss. Wie im realen Einsatzfall auch, wurde auf die Sicherheit der zu rettenden Personen höchsten Wert gelegt. Deshalb wurde jede Person einzeln mit einem Rettungsknoten gegen Absturz gesichert. Um keine Hektik entstehen zu lassen, ließ sich die Feuerwehr für diesen Übungsteil besonders viel Zeit.

Beim Durchzählen der Kinder am Sammelplatz wurde das Fehlen von vier Kindern sowie der zugehörigen Erzieherin festgestellt. Das Suchen und Retten dieser Personen stellte Übungsabschnitt 2 dar. Die Feuerwehrleute rückten unter Atemschutz, Wärmebildkamera und Strahlrohr zur Personenrettung in das verrauchte Gebäude vor. Dort fanden sie die vermissten Personen und konnten sie mit mehreren Rettungstüchern zügig aus dem Gefahrenbereich bringen und anschließend dem Rettungsdienst übergeben. Gleichzeitig wurde ein Rauchvorhang installiert, welcher ein Ausbreiten des Rauches im Gebäudeinneren verhindert.

Die Feuerwehr entdeckte bei der Personensuche einen weiteren Brandherd: Bei Alarmierung der Brandmeldeanlage wurde gemeinsam gekocht und das Essen in der aufkommenden Hektik auf dem Herd vergessen, welches dann zu einem Brand führte. Dieser wurde von den Atemschutzgeräteträgern im Innenangriff gelöscht. Anschließend wurde das Gebäude mit einem Überdrucklüfter rauchfrei gesetzt.

Im dritten Übungsabschnitt wurde der Fokus auf den Traktor gerichtet, der für die Rauchentwicklung verantwortlich war. Die Feuerwehr teilte sich dabei auf, um zwei Schwerpunkte gleichzeitig anzugehen: Die Menschenrettung sowie die Brandbekämpfung. So rückten die Kameraden aufgrund der starken Rauchentwicklung unter Atemschutz zum Traktorfahrer vor, welcher sich bei der Brandentstehung verletzt hatte und neben dem Fahrzeug lag. Während er mithilfe des Rettungsbretts schnell aus dem Brandbereich gebracht wurde, begannen die anderen Kameraden mit der Brandbekämpfung.

Gegen 15 Uhr waren die Kindergartenkinder mitsamt Erzieherinnen gerettet, der Brand im Gebäudeinneren sowie der Traktorbrand gelöscht und der Traktorfahrer in Sicherheit gebracht. Zum besseren Verständnis wurde das komplette Übungsgeschehen von Siegfried Bihl parallel über Lautsprecher vor und hinter dem Gebäude kommentiert. Bei dieser Hauptübung waren die Abteilungen Dietingen, Irslingen, Böhringen, Gösslingen und Rotenzimmern mit insgesamt sechs Einsatzfahrzeugen und über 50 Mann im Einsatz.

Gesamtkommandant Dominik Weißer richtete am Schluss noch einige Worte an die zahlreichen Zuschauer und nutzte die Gelegenheit für etwas Werbung in eigener Sache. Wer Lust an den spannenden und vielseitigen Tätigkeiten der Feuerwehr hat, kann bereits ab einem Alter von acht Jahren der Jugendfeuerwehr beitreten und viele Themengebiete spielend kennenlernen. Ein Anruf bei der Gemeindeverwaltung, dem Gesamtkommandant, den Abteilungskommandanten oder direkt bei der Jugendfeuerwehr genügt.

Abschließend nutzte auch Bürgermeister Frank Scholz die Gelegenheit, sich bei den Einsatzkräften für die Organisation und Durchführung des Übungsszenarios zu bedanken.

 

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