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Rottweil
Montag, 24. Februar 2020

„Ehrenamt braucht Fachlichkeit“

KREIS ROTTWEIL – Der Kreisseniorenrat wird im Juni 25 Jahre alt. Und bei der letzten Vorstands- und Ausschusssitzung in Schramberg nahm der Vorsitzende Egon Kalbacher Bezug auf das Protokoll der Gründungsversammlung, nach der der Kreisseniorenrat die Funktion eines „beratenden Ausschusses des Kreistags“ einnimmt.

Nach der Begrüßung und der Vorstellung der Stadt Schramberg durch den Stadtrat und stellvertretenden Bürgermeister Martin Himmelheber zeigte sich Kalbacher zufrieden, dass alle Mitglieder der seit der Mitgliederversammlung stark veränderten Gremien Vorstand und Ausschuss sich darüber hinaus in den neuen Projektgruppen engagierten. „Wir wollen etwas bewegen, dazu braucht es aber dringend die Unterstützung der Fachlichkeit. Wir brauchen als Ehrenamtliche den Konsens mit der Fachlichkeit, in unserem Fall das Landratsamt, Dezernat Soziales.“ Der Kreisseniorenrat werde auch dazu beitragen, den „gelungenen Kreisseniorenplan“ nachhaltig umzusetzen. Der Vorsitzende streifte kurz seine Aktivitäten und die anderer Vorstands- und Ausschussmitglieder in den vergangenen Wochen.

Sozialdezernent Bernd Hamann und Sozialamtsleiterin Angela Jetter legten anschließend die Sichtweise der Verwaltung zum Thema „Ehrenamt braucht Fachlichkeit“ dar. Aus Sicht des Sozialdezernenten sind auch etliche Ziele des Kreisseniorenplans bereits umgesetzt: Schaffung eines Stellenanteils in der Altenhilfefachberatung, Erstellung von Richtlinien für das Senioren-Förderprogramm, Aufbau einer Internetplattform, Einrichtung der Beratungsstelle Alter & Technik für die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, die Kooperation „Mobil bis ins hohe Alter“ mit der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg. Ein Programm für die Förderung von barrierefreien Bushaltestellen werde im Kreistag beraten.

In der ausgiebigen Diskussion wurden auch verschiedene Missverständnisse angesprochen und ausgeräumt.

Wie Egon Kalbacher unterstrich, sollen in den kommenden Sitzung auch verstärkt Vertreter von Seniorenaktivitäten in den Kreiskommunen zu Wort kommen. So stellte diesmal Ausschussmitglied Irma Schwellinger die Aktivitäten der Sozialgemeinschaft Villingendorf vor. Sie skizzierte, wie sich die Aktion „SPES-Zukunftsmodelle“ (SPES: „Studiengesellschaft für Projekte zur Erneuerung von Strukturen“) in Villingendorf entwickelt habe. Seit der Gründung sei die Mitgliederzahl von 29 auf 39 gestiegen. Nach der Präsentation im Gemeinderat und einer Bürgerveranstaltung durch den früheren Eichstettener Bürgermeister Gerhard Kiechle seien Teams und Arbeitskreise gebildet worden mit dem Ziel, die Lebensqualität in der Gemeinde nachhaltig zu sichern.

Schwellinger ging der Frage nach, was Lebensqualität sei. Lebensqualität habe mit Nähe zu tun, mit Sicherheit und Geborgenheit und spreche den Menschen an. Sehr positiv sei eine Bürgerbefragung dazu verlaufen, die von Professor Thomas Klie von der Evangelischen Hochschule Freiburg wissenschaftlich begleitet worden. Die Rücklaufquote sei mit 34 Prozent hoch gewesen. Als Befragungsergebnis könne folgendes festgestellt werden: „Ältere Menschen wollen ein selbstständiges Leben in ihren eigenen vier Wänden führen. Lebensqualität bedeutet für sie Unterstützung und Hilfe durch Menschen in ihrer Nähe.“ Der Arbeitskreis „Soziales“ engagiere sich nach Qualifizierungskursen für „Alltagsbegleiter“ unter anderem mit hauswirtschaftlichen Tätigkeiten bei der Sozialgemeinschaft und in der Nachbarschaftshilfe. Zudem solle eine Tagespflegegruppe in einem Neubau eingerichtet werden, erklärte Schwellinger.

Sie erläuterte weiter die Gründung einer „ZEITBANKplus“ innerhalb der Sozialgemeinschaft durch einen Arbeitskreis. „Die geleisteten oder in Anspruch genommenen Stunden werden auf Zeitkonten gebucht. So können Zeitguthaben angespart werden. Mit diesen Stundenguthaben kann man sich wiederum von anderen helfen lassen.“ Das Ziel sei, dass die Mitglieder so lange wie möglich selbstständig in ihrer vertrauten Umgebung eine hohe Lebensqualität genießen könnten. Die Zeitbankmitglieder leisteten sich gegenseitige Hilfestellung im Alltag. Als Beispiele für diese Hilfe führte Schwellinger unter anderem an: Unterstützung bei Gartenarbeit, Besuchsdienste, Fahrt zum Arzt, Einkaufsfahrten und noch vieles mehr. Die eingebrachten Stunden würden mit Hilfe von unterschiedlichen Stundenschecks verrechnet.

 

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