Landgericht Rottweil. Archiv-Foto: him

ROTTWEIL (mm) – Ein 52-jäh­ri­ger Kroa­te, der auch als „Fen­s­ter­boh­rer“ bekannt wur­de, muss für sie­ben Jah­re ins Gefäng­nis. Das Rott­wei­ler Land­ge­richt sprach den Mann nach sie­ben Pro­zess­ta­gen für schul­dig, 34 Woh­nungs­ein­brü­che wur­den ihm zur Last gelegt.

 

Dabei hat­te er wesent­lich mehr began­gen, über hun­dert fan­den sich in der Ankla­ge­schrift von Ober­staats­an­walt Dr. Chris­toph Kalk­schmid. Und auch das, so beton­te er im Plä­doy­er, sei wohl nur die Spit­ze eines Eis­bergs. Auch in Schram­berg und Schiltach hat­te der jetzt ver­ur­teil­te Mann sei­ne uner­freu­li­chen Spu­ren hin­ter­las­sen.

 

Der 52-Jäh­ri­ge ging dabei immer nach dem­sel­ben Sche­ma vor: Er bohr­te ein Loch in den Rah­men von Fens­tern oder Ter­ras­sen­tü­ren, nahm dann eine Draht­schlin­ge, mit der er die Grif­fe öff­ne­te. Laut­los durch­such­te er die Woh­nun­gen nach Han­dys, Tablets, Schmuck, Bar­geld oder Münz­samm­lun­gen.

 

Mal erbeu­te­te er viel, manch­mal nur ein paar Euro. In man­chen Näch­ten stieg er offen­bar gleich in drei oder vier Häu­ser ein. Zwar trug er in sei­ner Bauch­tasche immer auch einen Pfef­fer­spray bei sich, doch den hat­te er wohl nie benutzt: Begeg­nun­gen mit den Bewoh­nern ver­mied er, sobald sich etwas rühr­te, mach­te er sich aus dem Staub.

 

Fahndungserfolg in Schiltach

 

Auf die Spur kam ihm die Poli­zei in Schiltach, wo er vier Ein­brü­che beging, und blieb ihm dann auf den Fer­sen, so Kalk­schmid. Ger­ne hät­te man mehr her­aus­be­kom­men, etwa, ob er Teil einer Ban­de war oder wem er sein Die­bes­gut ver­kauf­te. „Doch wir muss­ten ein­schrei­ten, wir konn­ten den Leu­ten kei­ne wei­te­ren Ein­brü­che zumu­ten.“

 

Also wur­de er im April in Hau­sach geschnappt. Auch wenn eini­ge der Opfer ihre Wert­sa­chen zurück­be­ka­men, bei vie­len blie­ben psy­chi­sche Schä­den zurück. Seit April saß er also in Haft, und seit­dem gab es, zumin­dest bis August, kei­ne wei­te­ren Ein­brü­che mit auf­ge­bohr­ten Fens­ter­rah­men. Aller­dings scheint es Nach­ah­mer zu geben, oder viel­leicht sogar Mit­tä­ter, denn im August wur­de nach die­sem Sche­ma in einem Hotel im Schwarz­wald ein­ge­bro­chen.

 

Das mit­an­ge­klag­te Ehe­paar kommt mit Bewäh­rungs­stra­fen davon: 18 Mona­te für den Mann, acht für sei­ne Frau. Die bei­den hat­ten den 52-Jäh­ri­gen zu den Tat­or­ten gefah­ren, in ihrer Woh­nung wur­den Tei­le der Beu­te gefun­den. Auch zeich­ne­te die Über­wa­chungs­ka­me­ra die bei­den Män­ner dabei auf, wie sie in Rott­weil in ein Geschäft gin­gen, das Alt­gold und Schmuck ankauft.

 

Dissoziale Persönlichkeit?

 

Der 52-Jäh­ri­ge bleibt nun also erst­mal in Haft, Rich­ter Karl­heinz Mün­zer gab ihm auf, an sei­ner offen­bar dis­so­zia­len Per­sön­lich­keit zu arbei­ten. Die hat er inzwi­schen wohl selbst erkannt, wie er wäh­rend des Pro­zes­ses zugab. In sei­ner Hei­mat Kroa­ti­en sei er nie straf­fäl­lig gewor­den, dabei im Aus­land stän­dig. Ins­ge­samt 18 Jah­re hat er bereits im Gefäng­nis ver­bracht, auch in der Schweiz und in Öster­reich, wo er Ein­rei­se­ver­bo­te hat. Mög­li­cher­wei­se wird er bald abge­scho­ben.