Auch der Bundestagsabgeordnete Volker Kauder und der Landtagsabgeordnete Stefan Teufel nahme als Festgäste am Jubiläums-Festakt des Kreisseniorenrats teil. Von links: Stefan Teufel, Matthias Kohlhase, Volker Kauder und Franz Müntefering. Foto: Wolf

KREIS ROTTWEIL – In drei Buch­sta­ben ver­pack­te Franz Mün­te­fe­ring, Vor­sit­zen­der der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft der Senio­ren­or­ga­ni­sa­tio­nen (BAGSO), sei­ne zum Schmun­zeln anre­gen­de Gra­tu­la­ti­ons-Bot­schaft an den Kreis­se­nio­ren­rat Rott­weil zu des­sen 25-jäh­ri­gem Bestehen. Mit drei gro­ßen L skiz­zier­te er Grund­vor­aus­set­zun­gen für ein gesun­des und selbst­be­stimm­tes lan­ges Leben: Lau­fen, Ler­nen bezie­hungs­wei­se Leh­ren und Lachen.

Nach der musi­ka­li­schen Ein­stim­mung auf den Fest­akt durch die Lei­te­rin der Musik­schu­le Rott­weil, Gabrie­le Ham­men, am Kla­vier und die 14-jäh­ri­ge Quer­flö­ten­spie­le­rin Nina Speck­hardt begrüß­te Mat­thi­as Kohl­ha­se, Vor­sit­zen­der des Kreis­se­nio­ren­rats Rott­weil, im Jugend­stil­saal des Vin­zenz von Paul Hos­pi­tals in Rott­weil die Fest­gäs­te. Der „leich­ten Schweiß“ auf sei­ner Stir­ne rüh­re davon her, dass Fest­red­ner Franz Mün­te­fe­ring noch im Zug auf der Stre­cke nach Rott­weil fest­ste­cke.

Mit Blick auf das Grün­dungs­jahr 1994 erin­ner­te Kohl­ha­se an die Rock­hym­ne „Wind of Chan­ge“ von den Scor­pi­ons, die damals die Zeit des Auf- und Umbruchs getrof­fen habe. Eine sol­che Auf­bruch­stim­mung herr­sche auch jetzt wie­der. Der Kreis­se­nio­ren­rat tra­ge den wach­sen­den Her­aus­for­de­run­gen unter ande­rem mit der Grün­dung von Pro­jekt­grup­pen bei­spiels­wei­se zu den The­men „Inter­net“, „Kreis­se­nio­ren­plan“, „Pfle­ge­not­stand“, „Kon­takt zu den Kom­mu­nen“, „Alter, Gesund­heit, Bewe­gung“ Rech­nung. Er sah den Kreis­se­nio­ren­rat auch als Brü­cken­bau­er zwi­schen den Genera­tio­nen, zwi­schen jung und alt. Rai­ner Pfautsch, Lei­ter der Öffent­lich­keits­ar­beit im Vin­zenz von Paul Hos­pi­tal, stell­te das psych­ia­trisch-neu­ro­lo­gi­sche „Kom­pe­tenz­zen­trum“ mit sei­nen der­zeit 1400 Mit­ar­bei­tern vor und ver­wies auf das neue Zen­trum für Alters­me­di­zin, „ein Mei­len­stein“ in der Wei­ter­ent­wick­lung der Kli­nik.

Land­rat Wolf-Rüdi­ger Michel lob­te den Kreis­se­nio­ren­rat Rott­weil, der seit 1994 mit guter Kom­pe­tenz und Durch­schlags­kraft für die Inter­es­sen der Senio­ren gekämpft habe. Die Senio­ren sei­en heut­zu­ta­ge fit­ter sowie mun­te­rer und bräch­ten sich ver­stärkt mit ihrer Lebens­er­fah­rung ein. Sie sei­en mit ihrem ehren­amt­li­chen Enga­ge­ment ein Vor­bild für die jün­ge­re Genera­ti­on. Michel wür­dig­te die her­aus­ra­gen­den Per­sön­lich­kei­ten, wel­che die Geschich­te des Kreis­se­nio­ren­rats geprägt hät­ten: Sei­nen Vor­gän­ger Man­fred Auten­rieth als „Grün­dungs­pa­ten“, die ers­te Vor­sit­zen­de Ursu­la Pla­ke, Franz Sau­ter, der von 1999 bis 2009 den Kreis­se­nio­ren­rat geführt habe, Win­fried Halu­sa, Vor­sit­zen­der von 2009 bis 2018, sowie Egon Kal­ba­cher, Vor­sit­zen­der 2018/19, der aus gesund­heit­li­chen Grün­den den Stab an Mat­thi­as Kohl­ha­se wei­ter­ge­ge­ben habe.

Uwe Bähr, Vor­sit­zen­der des Lan­des­se­nio­ren­rats, erin­ner­te dar­an, dass es im Grün­dungs­jahr 1994 noch kei­ne Pfle­ge­ver­si­che­rung gege­ben habe, und zoll­te dem Kreis­se­nio­ren­rat Rott­weil gro­ßen Respekt für des­sen Arbeit und Ein­satz. Der demo­gra­fi­sche Wan­del bedeu­te neue Her­aus­for­de­run­gen bei­spiels­wei­se in der Medi­zin und in der Pfle­ge. Bähr bedau­er­te, dass die CDU-Land­tags­frak­ti­on die vom Lan­des­se­nio­ren­rat gefor­der­te Auf­nah­me der Bil­dung von Orts- und Stadt­se­nio­ren­rä­ten als Pflicht­auf­ga­be in die Gemein­de­ord­nung nicht befür­wor­te. Der Kreis­se­nio­ren­rat sei gut ver­netzt, mein­te Bähr, und ver­wies auf Sau­ter und Kal­ba­cher, die sich im Vor­stand des Lan­des­se­nio­ren­rats ein­ge­bracht hät­ten bezie­hungs­wei­se noch ein­bräch­ten.

Fest­red­ner Franz Mün­te­fe­ring . Foto: Wolf

Franz Mün­te­fe­ring, Sauer­län­der und 79 Jah­re alt, bewies ein­mal mehr, dass er ein Freund kla­rer Wor­te und flot­ter Sprü­che ist. „Das Lebens­al­ter sagt wenig dar­über aus, ob einer recht hat oder nicht“, beton­te er und appel­lier­te an die „ver­nünf­ti­gen Alten, Jun­gen und die dazwi­schen“, sich zu enga­gie­ren und ein­zu­mi­schen, damit nicht „die Beklopp­ten“ plötz­lich das Sagen hät­ten. Ange­sichts der Tat­sa­che, dass die Zahl der Hoch­be­tag­ten exor­bi­tant stei­ge und damit zwangs­läu­fig die Zahl der pfle­ge­be­dürf­ti­gen Senio­ren eben­falls zuneh­me, sei es wich­tig, dass die Wert­schät­zung und die Bezah­lung in den Pfle­ge­be­ru­fen bes­ser wer­de. „Wenn in der Pfle­ge, in den Kin­der­ta­ges­stät­ten und ‑gär­ten sowie in den Grund­schu­len mehr Män­ner arbei­ten wür­den, wären die­se Beru­fe auch bes­ser bezahlt“, war sich Mün­te­fe­ring sicher.

Aus sei­ner Sicht sind die Kom­mu­nen spiel­ent­schei­dend dafür, ob es gelin­ge, die Her­aus­for­de­run­gen des demo­gra­fi­schen Wan­dels zu meis­tern. „Jede Gemein­de ist ein Uni­kat.“ Die Kom­mu­nen müss­ten von den Län­dern und vom Bund so aus­ge­stat­tet wer­den, dass sie imstan­de sei­en, bestimm­te Auf­ga­ben zu erfül­len. Dazu zähl­te der Sozi­al­ex­per­te unter ande­rem die spe­zi­el­le ambu­lan­te pal­lia­ti­ve Ver­sor­gung, der Umgang mit Demenz – „75 Pro­zent der demen­ten Men­schen sind an Alz­hei­mer erkrankt, 25 Pro­zent aber nicht, und die kön­nen behan­delt wer­den.“ – und die Pro­ble­me durch die star­ke Zunah­me der Ein-Per­so­nen-Haus­hal­te, wodurch sich die Gefahr der Ver­ein­sa­mung erhö­he. Hier sah Mün­te­fe­ring vor allem aber die Gesell­schaft, die Men­schen selbst in der Ver­ant­wor­tung, um der Ver­ein­sa­mung von alten Men­schen ent­ge­gen­zu­wir­ken.

Mün­te­fe­ring ver­riet sein Rezept, auch im Alter mög­lichst lan­ge fit und gesund zu blei­ben: „L L L – Lau­fen – Ler­nen – Lachen. Bewe­gung der Bei­ne ernährt das Gehirn, es kön­nen auch die Arme sein.“ Am bes­ten sei es, sich in Gesell­schaft zu bewe­gen und so sozia­le Kon­tak­te zu pfle­gen. Genau­so wich­tig sei es, neu­gie­rig zu blei­ben. Da gebe es noch so viel, was man vor dem 100. noch erlebt haben müs­se. Dazu gehö­re auch, etwas aus sei­nem rei­chen Erfah­rungs­schatz an die jün­ge­re Genera­ti­on wei­ter­zu­ge­ben. Lachen hei­ße, das Leben zu lie­ben sowie sei­ne Lebens­ge­schich­te wie die ande­rer Men­schen zu respek­tie­ren „Wir müs­sen Respekt haben vor dem Leben des ein­zel­nen und sich Zeit neh­men, die­se anzu­hö­ren.“ Der star­ke und lang anhal­ten­de Bei­fall zeig­te, dass Mün­te­fe­ring mit sei­ner humor­vol­len Art des Vor­trags und sei­nen Aus­sa­gen den Nerv der Zuhö­rer getrof­fen hat­te.